Frankenau

Mehr Unabhängigkeit mit Fernwärme

- Frankenau (gl). Gedankenspiele im Rathaus: Bürgermeister Björn Brede regt an, die Stadtteile energetisch selbstständiger zu machen.

Es ist der steigende Ölpreis, der Björn Brede antreibt. „Ich gehe nicht davon aus, dass die Preise für Öl und Gas wieder sinken werden“, sagt der Frankenauer Rathauschef und zieht daraus zugleich Schlüsse für die Stadtteile: Das Ziel müsse sein, die Abhängigkeiten von konventionellen Energieträgern so weit wie möglich zu verringern. „Jetzt ist die Zeit, sich zu überlegen, ob wir uns der Herausforderung stellen wollen, oder ob wir nur beobachten wollen“, erklärt Brede. Er möchte, dass sich die Stadtteile in Zukunft selbst mit Energie und Wärme versorgen können. Noch, das betont Björn Brede ausdrücklich, seien seine Überlegungen reine Gedankenspiele. Er habe kein fertiges Konzept, keine festen Pläne. Er möchte lediglich zum Nachdenken animieren. Als Beispiel nennt Brede Louisendorf. Die dortige Hauptstraße gleicht einem Flickenteppich, ist seit Jahren reparaturbedürftig. Voraussichtlich im nächsten Jahr steht die Sanierung der Straße an. „Dann besteht die Möglichkeit, beispielsweise eine Fernwärmeleitung mit unter die Straßendecke zu legen“, schlägt der Bürgermeister vor. Entscheiden müssten dies die Louisendorfer selbst – so wie auch alle anderen Ortsteile für sich entscheiden müssten, ob sie Interesse an regenerativer Energie haben. „Ich werde keinen Ort zwingen“, sagt Brede. Ob etwas aus seinen Plänen werde, hänge ganz von den Ortsbeiräten ab. Deshalb will der Bürgermeister in den nächsten Wochen möglichst häufig die Ortsbeiratssitzungen besuchen. Er möchte dafür werben, dass beispielsweise über eine Verbrennungsanlage für Holzhackschnitzel nachgedacht wird. Welche Technologie genau am sinnvollsten ist, das möchte er nicht bewerten, auch dies müsse jedes Dorf nach eigenem Bedarf entscheiden. Nur soviel: „Windkrafträder wird es mit mir nicht geben“, sagt er, nicht so nah am Nationalpark. Als Beispiel und Vorbild nennt Björn Brede das Dorf Oberrosphe, einen Stadtteil von Wetter im Landkreis Marburg-Biedenkopf. In Oberrosphe haben Bürger eine gewerbliche Waren- und Dienstleistungsgenossenschaft gegründet, die das Oberrospher Biomasseheizwerk betreibt. Gefeuert wird dort mit Holzhackschnitzel, die Wärme kommt durch ein etwa 7000 Meter langes Fernwärmenetz zu den Bürgern. Die Genossenschaft gibt an, so 50 Prozent des CO2-Ausstoßes der Haushalte einzusparen. „Vielleicht findet sich ja eine holzverarbeitende Firma, die Produktionsabfälle zuliefern kann“, sagt Brede. Aber auch anderen Formen regenerativer Energie steht er offen gegenüber. Allerdings sagt er auch, dass wegen der heftig diskutierten Biogasanlage für Frankenberg ähnliche Anlagen in deutlich geringeren Ausmaßen für Frankenau wohl nicht in Frage kämen. Schon die Konkurrenz um die Biomasse wäre problematisch, vom Wegfall landwirtschaftliche Nutzfläche ganz zu schweigen.Das Thema „Biogas“ steht bei einer Informationsveranstaltung der „Ellershäuser Tafelrunde“ am 4. November auf der Tagesordnung. Drei Experten sollen zu dieser Art der regenerativen Energie informieren. Bürgermeister Brede hat bereits angekündigt, dass auch er als Gast anwesend sein möchte. Er hofft auf viele Interessenten.

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