Burgwald

Mehrheit hält am Standort Euler fest

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- Frankenau (ap). Im besten Fall kann die Stadt nächstes Jahr um diese Zeit mit den Bauarbeiten für die neue Kellerwalduhr am Euler beginnen. Im schlimmsten Fall sind dann Geld und Zeit investiert worden und der Bau direkt am Eingang zum Nationalpark kommt trotzdem nicht zustande.

Die Stadt Frankenau hält am Euler oberhalb des Feriendorfes als neuen Standort für die Kellerwalduhr fest: Ein Bauleitverfahren soll klären, ob das Infozentrum direkt am Rande des Nationalparks gebaut werden darf, nachdem das Projekt nicht als „Privilegiertes Bauvorhaben“ in Frage kommt (wir berichteten). Für dieses Verfahren sprachen sich am Dienstagabend 13 Stadtverordnete aus, sechs waren dagegen, darunter die CDU-Fraktion. Die Freien Bürger stimmten unterschiedlich ab. Das Bauleitverfahren garantiert jedoch nicht, dass die Kellerwalduhr auch am Euler gebaut werden kann. In dem Verfahren werden die Auswirkungen des Projektes untersucht, etwa auf die Vogelschutzgebiete und die Flora-Fauna-Habitate. Bei der Untersuchung werden auch die privaten Anlieger berück­sichtigt.

Nach Angaben von Hartmut Kaiser, kommissarischer Leiter des Fachdienstes Natur und Landwirtschaftsschutz beim Landkreis, ist dafür eine komplette Vegetationsperiode notwendig – mindestens bis zum Spätsommer 2012 werde es dauern, bis die Untersuchungen abgeschlossen seien. „Und bei Verfahrensfehlern wird die komplette Zeit noch mal drangehängt“, warnte er vor Eile. Und das Verfahren garantiert keine Genehmigung: „Im schlimmsten Fall ist es so, dass der Standort nicht funktioniert“, stellte Susanne Paulus, stellvertretende Fachdienst-Leiterin beim Kreisbauamt, klar. Das sei zwar selten, könne aber passieren.

Kritik an Land und Kreis übte die SPD. Fraktionschef Holger Kohlepp erinnerte daran, dass Frankenau die erste Kommune war, die sich für den Nationalpark ausgesprochen hatte. „Es ist wirklich beschämend: An die Region Frankenau wird nicht gedacht“, schimpfte er. „Wir wissen seit sechs Jahren, dass die Kellerwalduhr im Feriendorf geschlossen werden muss, und es tut sich nichts“, fügte sein Fraktionskollege Heiko Backhaus hinzu. „Land und Kreis müssen jetzt mal sagen, dass sie den Neubau wollen.“

Susanne Paulus betonte, dass das Verfahren rechtlich einwandfrei sein müsse: „Es nützt Ihnen nichts, wenn wir Ihnen eine Genehmigung geben, die dann angreifbar ist“, sagte sie. Zuvor hatten die Vertreter der Fraktionen erneut über den Standort für den Neubau debattiert – und diejenigen, die den an der Kellerwaldhalle favorisieren, nutzten die Gelegenheit, dessen Vorteile noch einmal zu betonen. Sie argumentierten vor allem damit, dass die Kosten für die Stadt mit etwa 14 200 Euro deutlich günstiger ausfielen als am Standort Euler mit rund 78 600 Euro. Fehlende Toiletten am Wald

Harald Dehn (CDU) erklärte, die SPD werde zur „Kellerwalduhrverhinderungspartei“. Die Sozialdemokraten seien auf dem Holzweg, wenn sie am Standort Euler festhielten. „Wir brauchen ein funktionierendes Infozentrum, und zwar jetzt, und nicht in drei Jahren“, sagte auch Alexander Kaufmann (Piraten), der auch Ortsvorsteher in Frankenau ist und sich immer wieder für den Standort an der Kellerwaldhalle ausgesprochen hatte. Die Entscheidung für den Standort Euler hatten die Frankenauer Stadtverordneten jedoch bereits zuvor getroffen – und auch diesmal fand der entsprechende Antrag der SPD die Mehrheit. Eines der Argumente der Befürworter ist die Tatsache, dass am Euler „genau zu sehen ist, wo an einem Baum hinten ist“ – zahlreiche Wanderer nutzen Gebüsch und Unterholz dort als Toilette, weil dort Sanitäranlagen fehlen. Sie sind sich einig, dass der Informations- und Treffpunkt zum Nationalpark auch direkt an dessen Rand gehört.

Um für ein klareres Bild zu sorgen, waren auch Nationalparkleiter Manfred Bauer, der Leiter des Naturschutzgroßprojektes Carsten Müller und Rainer Paulus vom Naturpark zu Gast in der Parlamentssitzung und wurden zu ihrer Meinung befragt. Carsten Müller machte seinem Ärger Luft: Bei den Planungen sei das Naturschutzgroßprojekt, das im Weidengrund direkt zwischen Kellerwaldhalle und Euler einen Kernraum hat, überhaupt nicht eingebunden worden – „obwohl wir immer Bedenken gegen den Standort am Euler geäußert haben“, betonte er. Er zweifelte die Genehmigungsfähigkeit am Euler an und äußerte die Befürchtung, dass zunehmender Verkehr zum Euler den Weidengrund negativ tangieren werde. Er stellte eine Förderung in Höhe von 40 000 Euro über das Naturschutzgroßprojekt für die Ausstellung in der Kellerwalduhr in Aussicht, falls der Standort an der Kellerwaldhalle ausgewählt werde. Zudem sei aus Sicht des NGP an diesem Standort ein kombiniertes Infozentrum für Natur- und Nationalpark möglich und auch didaktisch sinnvoll.

Mehr lesen Sie in der FZ vom Donnerstag, 29. September

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