Frankenberg

Der Melder steckt weiter am Gürtel

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- Frankenberg (da). Sein neuer „Dienstwagen“ ist ein Wohnmobil: Nach mehr als 38 Jahren beim Deutschen Roten Kreuz in Frankenberg geht Heinz-Willi Köster (60) in den Ruhestand.

Am 1. Mai beginnt die sogenannte Freistellungsphase der Altersteilzeit – bis dahin hat Heinz-Willi Köster Urlaub. Der Wechsel in der Rettungsdienstleitung ist damit schon vollzogen: Mit Christian Neuhaus kommt der neue Chef aus den eigenen Reihen. Vor 38,5 Jahren fing Köster beim DRK in Frankenberg an. Vorher war er schon ehrenamtlicher Helfer und war als Aushilfe in Krankenwagen stationiert. Die dienten damals hauptsächlich zum Transport ins Krankenhaus. Diese Transporte gab es reichlich, beim Frankenberger DRK waren damals etwa doppelt so viele Fahrzeuge stationiert wie heute – „allein 14 VW-Busse“, erinnert sich Heinz-Willi Köster.

Zu Rettern wurden die DRK-Mitarbeiter erst später – und diese Entwicklung hat Heinz-Willi Köster mitgestaltet: Denn mit dem 1990 verabschiedeten Hessischen Rettungsdienstgesetz wurden neue Standards bei der Ausbildung der Rettungsassistenten und der Ausstattung der Fahrzeuge vorgegeben – und erst seitdem ist im Frankenberger Land ein Notarzt stationiert, der rund um die Uhr einsatzbereit ist. Heinz-Willi Köster trat die Stelle des Rettungsdienstleiters am 1. April 1991 an und musste den Rettungsdienst praktisch neu strukturieren. Innerhalb kurzer Zeit stieg unter Kösters Leitung die Zahl der hauptamtlichen Mitarbeiter von 12 auf 36. Heute sind es noch 32 hauptberufliche Retter, die meisten davon sind Rettungsassistenten. Jedes mit moderner Technik ausgestattete Fahrzeug kostet etwa 150 000 Euro.

Heinz-Willi Köster hat in knapp vier Jahrzehnten auch viele Katastrophen erlebt: Zum Beispiel Flugzeugabstürze bei Allendorf und Dodenhausen oder viele schwere Verkehrsunfälle. „Zum Glück passierten die schlimmen Sachen immer im großen Abstand, so dass Zeit zum Verarbeiten blieb“, sagt er. „Gott sei Dank ist das meiste von der Festplatte gelöscht.“

In den vergangenen Jahren war er auch organisatorischer Leiter des Rettungsdiensts (OLRD) im Landkreis. Davon gibt es mehrere in Waldeck-Frankenberg, die sich mit den Bereitschaftszeiten abwechseln. Sie werden bei besonders schweren Unglücken alarmiert, um die Rettungsarbeiten zu koordinieren. Auch dieser Posten wird neu vergeben und bleibt beim Frankenberger Kreisverband. Die Berufswahl bereut hat Köster aber nie. „Es ist sehr abwechslungsreich, es gibt jeden Tag was Neues.“ Dem DRK bleibt er erhalten. Denn so, wie er sich schon als junger Mann ehrenamtlich in der Bereitschaft engagiert hat, so bleibt er den freiwilligen Helfern als Rentner treu und behält den Funkmeldeempfänger: „Ich habe erst das Hobby zum Beruf gemacht, dann das Hobby aber nicht fallen gelassen“, beschreibt er. Denn viele Jahre leitete er auch die DRK-Bereitschaft, heute hat sein Sohn Jens den Posten.

Mehr lesen Sie in der FZ vom Donnerstag, 14. April

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