Kohlenberg in Frohnhausen

160 Meter im Inneren des Kohlenbergs

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Der Stollen des Kohlenbergs oberhalb von Frohnhausen ist nur selten geöffnet. Am Sonntag nutzte eine große Gruppe die Gelegenheit, in den Berg „einzufahren“.Fotos: Mark Adel

Battenberg-Frohnhausen - Es müssen harte Arbeitsbedingungen gewesen sein, als vor rund 100 Jahren Menschen im Kohlenberg nach Mangan suchten. Der Stollen nahe Frohnhausen ist noch im Originalzustand erhalten.

Der Stollen liegt versteckt zwischen Frohnhausen und der Bundesstraße 253, etwa 40 Meter oberhalb eines Waldwegs. Ältere Frohnhäuser kennen ihn noch, sie haben als Kinder darin gespielt. Doch heute ist er weitgehend in Vergessenheit geraten - zumal er fürs Dorf keine Bedeutung hat.

Nun war der Stollen Ziel einer Wanderung, zu der das Frankenberger Forstamt eingeladen hatte. Forstamtsmitarbeiter Frank Röbert und Revierförster Jochen Hörder führten durch den Wald: Hörder erklärte Details zur Natur, Röbert informierte über die Geschichte des Stollens.

Und die ist ziemlich kurz: Denn eine wirkliche Bedeutung hatte der Bergbau am Kohlenberg nie. Es war die Hoffnung auf Manganerze, die zum Bau des Stollens führte: Zunächst wurden von oben die Gesteinsschichten erkundet - Reste dieses Schachts sind im Waldboden sichtbar. Offenbar waren die Ergebnisse zufriedenstellend, denn dann wurde der Stollen etwa 160 Meter tief in die Erde geschlagen: „Pro Tag etwa zwei bis drei Meter weit“, erklärt Frank Röbert.

Die Manganerze seien damals in Deutschland verstärkt gesucht worden, weil Mangan Stahl härtet - und damit bedeutsam ist beim Bau von Waffen. Zur Zeit des Ersten Weltkrieges wurden deshalb Vorkommen gesucht. „Im Bergwerk bei Laisa arbeiteten zeitweise bis zu 80 Menschen“, berichtete Röbert.

Der Kohlenberg liegt am Rand des Rheinischen Schiefergebirges, das vor etwa 320 bis 340 Millionen Jahren entstand. „Bei der Gebirgsbildung kommen Erze nach oben“, erklärte Röbert. Letzte Eigentümerin ist die 1900 gegründete Gewerkschaft Nora. Heute gehört der Stollen zu den Erzbaubetrieben Barbara in Porta Westfalica. Der Stollen bei Frohnhausen hatte keine große Bedeutung, die Arbeiten wurden bald beendet. Aufgrund der Geologie ist er bis heute aber einer der am besten erhaltenen Stollen in der Region. Es habe noch einen zweiten Gang auf der anderen Seite des Bergs gegeben, informierte Röbert, der sei jedoch verfallen.

Der Eingang ist mit einem Gitter versperrt, der Zustieg beschwerlich: Wer den Stollen betreten will, muss durch ein enges Loch etwa zwei bis drei Meter hinunterrutschen. Dann können die Besucher aufrecht stehen.

Die Wanderer schützten sich mit Helmen gegen Stöße. Infolge der Regenfälle stand das Wasser im Gang, dennoch konnten die Besucher den Stollen bis zum Ende erkunden und sahen unter anderem Kalkablagerungen am Ende des Tunnels, die in Tausenden Jahren vielleicht mal aus dem Stollen eine Tropfsteinhöhle machen.

Bis dahin hat das alte Bergwerk nur eine Bedeutung: Es ist Winterquartier von Fledermäusen. Die schätzen die ganzjährig gleich bleibende Temperatur von neun Grad. Jeden Winter untersuchen Naturschützer die Vorkommen in Tunneln und Stollen der Region: Erstmals wurden im Februar zwei Mopsfledermäuse im Stollen des Kohlenbergs entdeckt.

Bis zu zehn Tiere überwintern normalerweise im alten Eisenbahntunnel zwischen Dodenau und Reddighausen - vermutlich war es ihnen dort zu kalt geworden. Mopsfledermäuse gelten als besonders gefährdet. Doch auch außerhalb des Stollens gab es Besonderheiten zu entdecken: Jochen Hörder stellte sein Revier vor. „Es ist eine Besonderheit, dass hier auf kleiner Fläche ganz unterschiedliche Waldbilder zu finden sind“, sagte er. Weißtannen, Eichen, Buchen und Fichten sind dort heimisch.

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