Regionaltagung der Landesseniorenvertretung in Burgwald

Migration als Chance sehen

+
Auch die heimischen Vertreter der Seniorenbeiräte nahmen an der Regionaltagung teil (v.l.): die stellvertretende Vorsitzende der Landesseniorenvertretung, Helga Engelke, Elfriede Ramb vom Frankenberger Seniorenbeirat, Referent Dr. Rudolf Kriszeleit, Ursula Breuer vom Seniorenbeirat aus Burgwald, LSVH-Vorsitzender Friedel Rau und Referentin Rebekka Hocher.Foto: Treude

Burgwald - Etwa 30 Mitglieder von Seniorenbeiräten aus Nordhessen haben bei der Regionaltagung der Landesseniorenvertretung in Burgwald über politische und gesellschaftliche Herausforderungen gesprochen.

Die deutsche Bevölkerung schrumpft und sie wird älter. Außerdem finden mehr Migranten in Deutschland eine neue Heimat. Das sind Merkmale des demografischen Wandels in aller Kürze zusammengefasst. Welche Konsequenzen dieser Wandel hat und welche Chancen die Zuwanderung in diesem Zuge mit sich bringt, das diskutierte Rudolf Kriszeleit gestern in Burgwald bei der Regionaltagung der hessischen Landesseniorenvertretung mit den Gästen.

„Die Zuwanderung löst Probleme nicht von selbst“

Kriszeleit war von 2009 bis 2014 Staatssekretär für Justiz und Integration im hessischen Ministerium. Er ging zunächst generell auf die Gründe für den Bevölkerungsrückgang - etwa durch die Anti-Babypille und mehr berufstätige Frauen - und die älter werdende Gesellschaft ein. „Man braucht heute nicht mehr fünf Kinder um sicher zu sein, dass man im Alter gepflegt wird“, sagte Kriszeleit. Trotz dieser Entwicklung bemängelte er, dass in Deutschland im Gegensatz zu Frankreich berufstätige Mütter teilweise noch kritisch beäugt würden. Auch gebe es im Nachbarland mehr Betreuungsangebote für Kinder berufstätiger Eltern.

In jedem Fall führe der demografische Wandel dazu, dass Nordhessen erheblich an Bevölkerung verlieren werde. „Das Thema ist hier wesentlich dramatischer als etwa in Frankfurt“, erklärte Rudolf Kriszeleit. „Die Zuwanderung löst diese Probleme nicht von selbst“, verknüpfte der Jurist den Bevölkerungsrückgang mit dem Thema Migration. Ob Menschen aus EU-Ländern, angeworbene Fachkräfte aus dem Ausland oder Flüchtlinge: „Die Zuwanderer verteilen sich in Hessen sehr unterschiedlich“, so Kriszeleit.

In Nordhessen sei der Anteil der Migranten an der Bevölkerung geringer als zum Beispiel in Südhessen. Alle Faktoren zusammen wirken sich unter anderem auf das Bildungswesen aus, wo Grundschulen geschlossen werden müssten, im Gesundheitswesen würden Krankenhäuser zusammengelegt und in einigen Berufsgruppen fehlten Fachkräfte.

Kriszeleit berief sich bei seinen Lösungsansätzen auf Ergebnisse aus Projekten der Schader-Stiftung, wo er Vorstandsmitglied des Stiftungsrats ist. „Die Zuwanderung als neue Chance für Landkreise ist real, das Thema muss aber aktiv angegangen werden.“ Migranten müssten mit der Gesellschaft vernetzt und in die Vereine eingebunden werden. Dafür seien persönliche Gespräche notwendig. „Das ist mühsam, aber welche Alternative haben wir?“, fragte Kriszeleit.

Bei Integration nicht nachlassen

Für den stärkeren Einbezug ausländischer Mitbürger macht sich auch Elfriede Ramb vom Frankenberger Seniorenbeirat stark. Sie würden aktiv für Veranstaltungen in der Stadt werben und das Gespräch suchen, damit die Integration gelingt. „Da dürfen wir nicht nachlassen“, sagte Ramb.

Neben dem Thema demografischer Wandel und Migration berichtete Rebekka Hocher vom Projekt „Safer Care“ der Fachhochschule Fulda über Gewalt in der häuslichen Angehörigenpflege. Hedda Frank-Mittler sprach über das Älterwerden in Dietzenbach, ein Projekt, in dem es darum geht, vor allem türkische Senioren über das deutsche Pflege- und Rentensystem sowie Freizeitangebote zu informieren. (tt)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare