Liter kostet deutlich weniger, obwohl kein Überangebot besteht

Landwirte leiden unter Preisverfall bei Milch

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Waldeck-Frankenberg. Wer als Landwirt mit seinen Kühen in diesen Tagen Milch produziert, hat nichts zu lachen: Nur noch knapp 55 Cent kostet der Liter aktuell im Handel.

Teilweise wurden die Preise für Milchprodukte bei den Discountern um zehn Prozent gesenkt. „Zwischen 60 und 65 Cent müsste der Liter schon kosten, damit Erzeuger wirtschaftlich arbeiten können“, sagt Matthias Eckel, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Frankenberg. „Dass der Handel den Preis für den Liter Vollmilch seit Anfang Mai stark gesenkt hat, obwohl das Milchaufkommen in Europa im ersten Quartal 2015 etwa 1,2 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum gelegen hat, ist nicht nachvollziehbar“, sagt zudem Friedhelm Schneider, Präsident des Hessischen Bauernverbandes.

Für diese Preispolitik nach dem Wegfall der Milchquote liefert Eckel direkt eine Erklärung. „Der Handel hat die Diskussion um die Abschaffung der Milchquote ausgenutzt, um die Preise zu drücken. Es wurde über nichts anderes mehr geredet als über Milchseen, die sich nach dem Wegfall der Quote bilden werden“, sagt er. „Die Konzerne haben das bei den Preisverhandlungen zum Anlass genommen und zu den Molkereien gesagt: Demnächst wird es zu viel Milch geben, also zahlen wir euch einen niedrigeren Preis.“ Die Überproduktion sei aber ausgeblieben. „Es wird sogar weniger produziert“, sagt Eckel, der betont, dass viele Landwirte im Kreis unter den niedrigen Preisen leiden.

Eckel berichtet zudem, dass wegen des Import-Verbots in Russland mehr Milcherzeuger auf andere Märkte ausweichen und in Länder liefern, in die auch Deutschland Milch exportiert. Die Folge seien ein Überangebot und sinkende Preise. Auch Heinz-Wilhelm Trümner, Milchviehhalter aus Schiffelbach, versteht die Preispolitik nicht. „Die Konzerne spielen ihre Marktmacht aus und wir leiden darunter“, sagt er.

Im Herbst nächste Preisverhandlung

Die 1984 in Europa eingeführte Milchquote wurde Anfang April 2015 abgeschafft. Zwar wurden Butterberge und Milchseen in den vergangenen 31 Jahren kleiner. Die Quote führte aber nicht dazu, dass die Preise stabil blieben. So konstatiert der Deutsche Bauernverband, dass die Erzeugerpreise für Rohmilch seit der Quoteneinführung um bis zu 20 Cent pro Kilogramm geschwankt seien.

Nach dem Wegfall der Quote kann jetzt jeder Milcherzeuger so viel Milch produzieren, wie er will. Wie viel Geld er für sein Produkt bekommt, regelt nach wie vor der freie Markt. Die nächste Verhandlungsrunde zwischen Molkereien und Handel gibt es im Herbst.

Quelle: HNA

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