Frankenberg

Militärmusiker rocken die Ederberglandhalle

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- Frankenberg. Manch einem der 300 Konzertbesucher in der Ederberglandhalle dürfte das Programm fast zu modern gewesen sein. Doch gerade in der Vielfalt seines Repertoires steckt die wirkliche Stärke des Kasseler Heeresmusikkorps.

Militärmusik – das sind in erster Linie einmal Märsche. Doch die alleine könnten noch so schön gespielt sein, und trotzdem würden sie ein Konzertpublikum auf Dauer wohl langweilen. Das Kasseler Heeresmusikkorps bietet mit seinem aktuellen Programm eine überaus gelungene Mischung aus Märschen und sinfonischer Blasmusik. Selbst vor Latin-Rock-Klängen und 
einem Schlager-Medley scheuen die Militärmusiker nicht zurück. Manch einem Freund der Marschmusik geht das vielleicht sogar etwas zu weit – doch spätestens mit der Zugabe waren selbst die eingefleischten Militärmusikfans in der Frankenberger Ederberglandhalle wieder mit dem Heeresmusikkorps versöhnt – denn mit „Alte Kameraden“, dem „Marsch aller Märsche“, verabschiedeten sich die Musiker von ihrem Publikum.

Vorher hatten die musizierenden Soldaten über zwei Stunden lang so ziemlich alle Facetten aufgezeigt, die ein modernes Blasorchester zu bieten hat. Dazu zählten hymnische Klänge des Filmmusik-Komponisten John Williams ebenso wie ein großartiges Klang-Portrait des Feldherrn Napoleon Bonaparte und die Ouvertüre zur Operette „Die schöne Galathée“ in einer hervorragend arrangierten Blasorchesterfassung. Filigranes Flötengezwitscher trifft im Walzer-Teil der Ouvertüre auf brachiale Einsätze der Posaunen. Von zwei Tuben bis zur Pikkoloflöte: Das Heeresmusikkorps bot einen satten Gesamtklang, der in der ersten Konzerthälfte noch feine dynamische Abstufungen erkennen ließ, nach der Pause dann allerdings durchweg zu laut war.

Höhepunkt im ersten Programmteil war der „Tuba-Muckl“. Das eigentlich für Klarinette geschriebene Solo auf die Tuba zu übertragen, ist nur scheinbar unmöglich – denn Hauptfeldwebel Patrick Blume bewies eindrucksvoll, wie graziös er sein schweres 
Instrument zum Klingen bringen kann. Tänzelnd bewegte 
er sich im Publikum und meisterte die rasanten Sechzehntel-
Läufe mit einer unfassbaren Leichtigkeit. Leider wurde das Begleitorchester zum Ende hin immer lauter und übertönte den Solisten ausgerechnet bei dem beeindruckenden Schlusstempo. Den anschließenden 
Jubel des Publikums hat sich Blume redlich verdient.

Nach der Pause präsentierte 
sich das Heeresmusikkorps zunächst als große Gala-Band und begeisterte mit Latin-Rock des Gitarrengenies Carlos Santana. Christian Schmidt lieferte als Solist an der Gitarre den Beleg dafür, dass ein deutscher Hauptfeldwebel durchaus Gespür für lateinamerikanische Musik haben kann. Wenn die Kasseler Militärmusiker rocken, dann wirkt das zwar optisch durch die strengen Uniformen etwas skurril – klanglich gibt es allerdings überhaupt nichts zu meckern.

Richtig großes Kino boten die rockenden Soldaten schließlich mit der Musik zum Film „Mission Impossible“. Das konnte nur noch der Star dieser Truppe, Udo Seifert, übertreffen. Der Bassposaunist schnappte sich zum Schluss des Programms das Funkmikrofon, ging runter in den Saal und schmetterte einige Hits von Udo Jürgens. Spätestens seit der Serenade für Roland Koch und seinem anschließenden Auftritt bei „TV Total“ haben Udo Seifert und seine Udo-Jürgens-Interpretation gemeinsam mit dem Heeresmusikkorps einen gewissen Kultstatus erreicht. Das Publikum in Frankenberg war völlig aus dem Häuschen, klatschte begeistert mit und manch einer stimmte sogar in die Kehrverse 
von „Liebe ohne Leiden“, „Ich war noch niemals in New York“ oder „Aber bitte mit Sahne“ mit ein. Das war wirklich großes Entertainment, wie man es von einem Militärorchester nicht wirklich erwarten würde.

Erwartungsgemäß, aber keinesfalls weniger professionell dargeboten waren dagegen die Schlussstücke „Radetzky Marsch“ und „Alte Kameraden“ sowie das dicke Lob 
von Oberst a. D. Jürgen Damm. Der Chef der Aktion für behinderte Menschen in Waldeck-Frankenberg dankte den Musikern und der Frankenberger 
Reservistenkameradschaft, die das Gastspiel organisiert hatte. Mit dem Erlös des Benefiz-
konzerts soll bedürftigen Menschen mit Behinderung geholfen werden.

Übrigens: Wie eng das Heeresmusikkorps mit dem Frankenberger Land verbunden ist, wurde am Mittwoch besonders deutlich: Schlagzeuger Timo 
Birkenbusch und Klarinettist Frank Seibel aus Battenberg sind feste Mitglieder des Ensembles. Hinzu kam bei dem Gastspiel in der Ederberglandhalle der Wehrdienstleistende Christoph Müller aus Frankenberg am Fagott sowie Posaunist Heiko Belz aus Laisa, der eigentlich im Erfurter Musikkorps der Bundeswehr mitspielt, aber den Kasseler Kameraden zuletzt bei einer Konzertreise nach Mexiko ausgeholfen hatte und deswegen auch in Frankenberg 
dabei war.

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