Frankenberg

Ministerpräsident Koch besucht Möbelhersteller Thonet

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- Frankenberg (jos). „Wir sind in einem der schlimmsten Krisenjahre seit der Nachkriegszeit mit einem blauen Auge davon gekommen“, berichtete Thonet-Geschäftsführer Roland Ohnacker beim Firmenbesuch von Roland Koch.

Mit großer Anhängerschar aus regionaler Politprominenz und Wiesbadener Staatskanzlei besuchte der CDU-Ministerpräsident am Mittwochabend den Frankenberger Möbelhersteller. Einige Anmeldungen seien erst kurzfristig eingegangen. „Stühle haben wir aber zum Glück genug“, sagte Geschäftsführer Roland Ohnacker schmunzelnd und leitete über zu einem pointierten Vortrag über die wirtschaftliche Situation bei Thonet und darüber, wie die Reaktionen der Politik auf die Krise dem Unternehmen geholfen haben.

Kurzarbeit hilft

Vom Konjunturpaket für Investitionen der Städte und Gemeinden habe Thonet direkt profitiert, berichtete Ohnacker und erwähnte beispielhaft die Lieferung von 700 Stühlen für die Frankenberger Ederberglandhalle. Die private Nachfrage sei im vergangenen Jahr trotz Krise nicht gekippt, die Thone-Wohnmöbel hätten sich gut verkauft. Weil allerdings in der Sparte Objektmöbel im ersten Halbjahr 2009 die Nachfrage von heute auf morgen drastisch eingebrochen sei, habe das Unternehmen Kurzarbeit eingeführt. Dieses Arbeitsmarktinstrument lobte Ohnacker ausdrücklich. Unbürokratisch und problemlos sei die Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit gelaufen.

„Im zweiten Halbjahr 2009 haben wir schon wieder Aufwind gespürt“, berichtete der Geschäftsführer. Unterm Strich habe das Unternehmen das Jahr dadurch nur mit einem Umsatzminus von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr abgeschlossen, sagte Ohnacker. Während bei manchen großen Banken Ende des Jahres schon wieder große Bonuszahlungen an Manager geflossen sein sollen, hätten bei Thonet in Zeiten der Krise auch Geschäftsleitung und Gesellschafter auf Geld verzichtet, betonte Ohnacker. „Darüber wurde nicht lange diskutiert.“

Neuer Konferenztisch

Mit Kompetenz, Qualität und Schnelligkeit setze sich Thonet gegen Billiganbieter durch. Bei einer Möbelmesse im Februar in Dubai präsentiert das Frankenberger Traditionsunternehmen einen neuen Konferenztisch, den Prototyp des Modells „S 8000“ führten Geschäftsführer und Gesellschafter gestern den Gästen aus der Politik vor. Ab knapp 20 000 Euro ist der Tisch zu haben, je nach Ausstattung mit Konferenztechnik.

Ohnacker berichtete auch von öffentlichkeitswirksamen Aufritten des Frankenberger Unternehmens – etwa mit einer „Thonet Lounge“ bei der IAA in Frankfurt. „Und ist auch etwas bei rumgekommen?“, wollte Ministerpräsident Koch wissen. Ja, der Auftritt habe kurzfristig viele Kontakte und auch bereits Aufträge gebracht. „Und er wird vielleicht noch mehr bringen“, sagte Ohnacker freudestrahlend. Mit den Stand-Nachbarn von der IAA, dem Autokonzern Volvo, plane Thonet beispielsweise demnächst eine Zusammenarbiet beim Genfer Autosalon.

Keine Geschäfte zu machen seien für Thonet hingegen in China. „Dort gibt es mittlerweile Kopien unserer Produkte in vier verschiedenen Qualitätsstufen“, erklärte Ohnacker. Dadurch seien die Märkte für das Frankenberger Traditionsunternehmen „kaputt“. Generell habe Thonet als Nobel-Marke laufend gegen Plagiate zu kämpfen. „Unsere Rechtsanwälte und der Zoll holen bei Messen regelmäßig Stühle anderer Hersteller ab“, berichtete Ohnacker.

Ministerpräsident Koch betonte im Gespräch wie wichtig es sei, dass es in Hessen Firmen mit „Flaggschiff-Charakter“ gebe, zu denen er Thonet zählt. Diese Unternehmen gäben den Menschen „das Gefühl, dass etwas geht“. Innovationen seien ein Markenzeichen der Firma Thonet, betonte Koch. Von Peter und Claus-Michael Thonet ließ er sich im Showroom und der im vorigen Jahr neu eröffneten Wohnmöbel-Ausstellung die aktuellen Produktentwicklungen und die Stuhl-Klassiker vorführen.

Siebert als Stuhl-Tester

Besonderes Interesse bekundete Koch am Thema Ausbildung. Der Auszubildende Oliver Kornemann hatte eine Präsentation vorbereitet, in der er eine Projektwoche der Lehrlinge vorstellte. Neben einem Firmenvideo der etwas anderen Art haben die jungen Leute dabei einen „Azubi-Stuhl“ entwickelt. Koch zeigte Humor: „Bevor Sie den Gartenstuhl rausbringen, lassen Sie Bernd Siebert drauf sitzen“, sagte der Ministerpräsident und schaute rüber zu dem bereits schmunzelnden CDU-Bezirksvorsitzenden, der als politisches und körperliches Schwergewicht gilt. „Wenn der Stuhl ihn aushält, ist er marktfähig“, ergänzte Koch – und hatte die Lacher auf seiner Seite.

Neben dem Ex-Bundestagsabgeordneten Bernd Siebert nahmen an dem Firmenbesuch des Ministerpräsidenten unter anderem auch Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke, Landrat Dr. Reinhard Kubat, Bürgermeister Christian Engelhardt die Landtagsabgeordnete Claudia Ravensburg sowie CDU-Kreischef Lutz Klein und Stadtverbandsvorsitzender Rainer Hesse teil.

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