Tochtergesellschaft der EGF-Mutter erhält Zuschlag der Wehrbereichsverwaltung für Wärmeversorgung

Eon Mitte heizt die Burgwald-Kaserne

Mit Wärmeversorgung kennt sich die Energie-Gesellschaft Frankenberg aus – und deshalb ist die Hoffnung von Karl-Heinz Schleiter groß, dass die EGF zumindest als Dienstleister der Eon Mitte Wärme GmbH an der Wärmeversorgung der Burgwald-Kaserne beteiligt wird. Das Bild entstand 2006, als die EGF eine Heizzentrale bei Hettich in Betrieb nahm; von links: EGF-Geschäftsführer Karl-Heinz-Schleiter, Bürgermeister Christian Engelhardt, Gerhard Hollstein vom Aufsichtsrat der EGF, Hettich-Geschäftsführer Uwe Kleemann, Dr. Jörg Schütte von der Hettich-Holding und Planer Dietmar Giebel.

Frankenberg - Am Dienstag wusste Karl-Heinz Schleiter nur, dass seine Energie-Gesellschaft Frankenberg nicht den Zuschlag erhalten hat, die Soldaten des EloKa-Bataillons ab Herbst 2013 mit molliger Wärme zu versorgen. Seit Mittwoch weiß er, welches Unternehmen ihn im Preis unterboten hat. Und Schleiter kennt es: Denn die EGF ist direkt mit der Eon Mitte Wärme GmbH verbunden. Das nährt die Hoffnung, bei dem Projekt nicht gänzlich außen vor zu bleiben.

Schleiters Vermutungen haben sich bestätigt, zumindest in Teilen: „Ich kann mir nur vorstellen, dass ein großer Anbieter den Zuschlag erhalten hat“, sagte der EGF-Geschäftsführer am Dienstag im Gespräch mit WLZ-FZ, in dem er erklärte, dass er trotz des seiner Überzeugung nach guten Konzeptes von der Wehrbereichsverwaltung West nicht den Zuschlag für die Versorgung der Bundeswehr mit Wärme erhalten hat (wir berichteten).

Doch wer könnte dieser große Anbieter sein? WLZ-FZ ging dieser Frage nach. Die Antwort: Den Zuschlag, eine neue Heizzentrale auf dem Gelände der Burgwald-Kaserne zu errichten, hat die Eon Mitte Wärme GmbH bekommen. Dies bestätigte gestern Abend der Pressesprecher der Eon Mitte AG, Steffen Schulze.

Die Eon Mitte Wärme GmbH ist eine 100-prozentige Tochter der Eon Mitte AG - und die gehört tatsächlich zu den größeren Energieversorgern in Deutschland. Die Eon Mitte Wärme GmbH erwirtschaftet mit 44 Mitarbeitern von den drei Standorten Kassel, Göttingen und Bad Nauheim aus einen Jahresumsatz von 31,9 Millionen Euro. Sie betreut etwa 1000 Kunden und erhält 92 Erzeugungsanlagen. Die weiteren Eckdaten: Wärmeabsatz 255 Gigawattstunden, Kälteabsatz 12 Gigawattstunden und Stromabsatz aus Kraft-Wärme-Kopplung 79 Gigawattstunden.

Die Eon Mitte Wärme GmbH ist Schleiter jedenfalls bestens bekannt. Denn der Eon Mitte AG mit Sitz in Kassel gehören 40 Prozent der Gesellschaftsanteile der Energie-Gesellschaft Frankenberg, deren Geschäftsführer er ist. Die verbleibenden 60 Prozent der EGF-Anteile hält die Stadtwerke Frankenberg GmbH, ein Eigenbetrieb der Stadt Frankenberg.

Ausgetrickst fühlt sich Schleiter allerdings nicht, dass eine „Schwester-Gesellschaft“ den Frankenberger Energieversorger im Preiskampf unterboten hat. Im Gegenteil, der verweist sogar auf die Notwendigkeit, unabhängig voneinander Angebote bei der Wehrbereichsverwaltung West einzureichen. „Einer hat vom anderen die Zahlen nicht gekannt“, stellt Schleiter klar und erklärt die Ausschreibungsregularien. Denn wäre herausgekommen, dass Absprachen getroffen worden seien, „wären wir beide in hohem Bogen aus der Ausschreibung geflogen“. Ein solches Risiko hätte weder die EGF noch die Eon Mitte eingehen können.

Als Dienstleister anbieten

Just in den Stunden, als er am Dienstag von der Absage berichtet habe, sei die Abschlussprüfung zwischen der Eon Mitte und der Wehrbereichsverwaltung erfolgt. „Ich wusste wirklich noch nicht, an wen der Auftrag endgültig vergeben wird.“ Gestern sei dann seinen Informationen nach der Vertrag rausgegangen. Angaben zum Konzept des Ausschreibungsgewinners konnte Schleiter nicht machen. Eon-Sprecher Schulze kündigte am Abend an, am heutigen Donnerstag das Erfolgsmodell vorstellen zu wollen - wobei es durchaus sein könnte, dass sich die Konzepte von Eon Mitte Wärme und EGF inhaltlich nicht unterscheiden. Denn die Wehrbereichsverwaltung West hatte Schleiter mitgeteilt, dass der Auftrag ausschließlich aufgrund des schlechteren Preises nicht an den Frankenberger Versorger vergeben worden sei.

Dass nun ein guter Bekannter den Zuschlag für das Bundeswehr-Projekt erhalten hat, ändert am weiteren Vorgehen der EGF nichts. Gegenüber WLZ-FZ kündigte Schleiter an, das Gespräch mit Eon Mitte Wärme zu suchen und die EGF als Dienstleister anzubieten. Die Telefonnummern der Geschäftsführer-Kollegen Siegmund Laufer und Martin Severin hat Karl-Heinz Schleiter jedenfalls.

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