Firmeninhaber sieht in Frankenberg keine Perspektive mehr

Modehaus Käufler schließt im Sommer

Der Leerstand in der oberen Fußgängerzone wird immer größer: Peter Käufler gibt Ende Juni das Modehaus auf. Foto: Raatz

Frankenberg - Das Jahr 2013 beginnt für die Frankenberger Kaufmannschaft mit einer Hiobsbotschaft: Die Fußgängerzone verliert ein alteingesessenes Fachgeschäft. Voraussichtlich Ende Juni gibt die Familie Käufler ihr Modehaus auf.

„Chancen müssen genutzt werden.“ Mit diesen Worten begründete Firmeninhaber Peter Käufler im September 2009 den Umzug des Modehauses aus der Jahnstraße in die obere Fußgängerzone. Vom neuen Standort erhoffte er sich eine höhere Kundenfrequenz - und damit bessere Geschäfte. „Doch die Hoffnung hat sich nicht erfüllt.“

Die Entwicklung sei in den vergangenen drei Jahren nicht so positiv gewesen, dass er das Modehaus nur mit Personal habe führen können. Die Geschäfte waren einfach nicht gut genug, trotz der treuen Stammkundschaft. „Die Familie musste den Hauptpart leisten“, sagt Käufler junior und berichtet von der enormen Unterstützung seiner Frau Katja, seines Vaters Heinz und seiner Mutter Ilse, ohne die gute Arbeit der sechs Angestellten in den Hintergrund drängen zu wollen. Zum Teil arbeiten sie seit 40 Jahren im Betrieb.

Doch unumwunden gibt Peter Käufler zu, dass ihm auf Jahre gesehen die Perspektive gefehlt habe. „Wir haben einen dreijährigen Sohn, der seine Zeit braucht und nicht zu kurz kommen soll. Mein Vater ist im November 70 Jahre geworden, meine Mutter vor zwei, drei Jahren schon kürzergetreten.“ Zudem sei eine langjährige Mitarbeiterin 2012 in Ruhestand gegangen, bei einer weiteren stünde vermutlich dieses Jahr eine Veränderung an. „Es ist der Punkt und vor allem der richtige Zeitpunkt für einen Neuanfang gekommen.“

Denn dem studierten Biologen bot sich bereits im Herbst eine neue Chance: und zwar in seinem gelernten Beruf zu arbeiten. Vor vier Monaten fand der 43-Jährige eine Anstellung im Außendienst. Und nach reiflichen Überlegungen im Familienrat reifte schließlich Ende des Jahres der Entschluss, „schweren Herzens“ nach 47 Jahren der Textilbranche komplett den Rücken zu kehren. Immerhin 15 Jahre haben Käuflers das Modehaus in eigener Regie geführt. „Die Entscheidung tut weh“, sagt Peter Käufler. „Doch die Chance, die sich mir geboten hat, musste ich einfach nutzen.“ Und dabei denkt er vor allem an seine Familie, der die Belastung auf Dauer gesehen nicht zuzumuten gewesen wäre.

Ob die Geschäfte an dem alten Standort deutlich besser gelaufen wären, darüber will Peter Käufler nicht lange nachdenken - weil es ohnehin keine Antwort auf diese Frage gibt. „Die Jahnstraße war auch mit Problemen behaftet“, sagt er. Sicherlich hätten die Kunden direkt vor dem Eingang parken können, andererseits habe dort die Laufkundschaft völlig gefehlt. „Unsere Stammkunden kommen wegen des umfangreichen Sortiments zu uns. Und wir haben immer großen Wert auf den Service gelegt. Der Standort sollte deshalb keine Rolle spielen.“ Vermutlich seien es mehrere Aspekte gewesen, die den Geschäftsbetrieb in den vergangenen Jahren beeinflusst hätten.

Der Hauptgrund dürfte jedoch die „Umverteilung innerhalb der Fußgängerzone“ gewesen sein. Heinze und Eitzenhöfer haben in den vergangenen Jahren deutlich erweitert: „Je attraktiver die anderen Geschäfte wurden, umso mehr Wert haben wir auf den Service gelegt.“ Doch am Ende habe es nunmal nicht gereicht. Keinen Einfluss auf die Überlegungen, das Modehaus aufzugeben, habe der Bau des Einkaufszentrums „Frankenberger Tor“. Eine Meinung habe er aber sehr wohl zu den Plänen: „Für Frankenberg ist dies nicht glücklich.“

Das ist Käufler junior jedoch in seinem neuen Beruf. „Gute Kundenberatung hat mir im Modehaus immer Spaß gemacht, und in meinem neuen Job habe ich auch wieder viel mit Kunden zu tun.“ Und doch seien Tage wie diese sehr schwierig. Alle Stammkunden hat er angeschrieben und die Geschäftsaufgabe zur Jahresmitte angekündigt - auch für die anderen Kaufleute eine Hiobsbotschaft. Denn der Leerstand wird immer größer: inklusive der knapp 350 Quadratmeter von Käufler summieren sich die freien Flächen in der Neustädter Straße auf fast 1500 Quadratmeter; vor allem der obere Bereich der Fußgängerzone bereitet Probleme.

Von Rouven Raatz

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