Seit mehr als 40 Jahren üben Mitglieder im RC Ederbergland gemeinsam ihr Hobby aus

Mit dem Modellflugzeug gen Himmel

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Der Sonne entgegen: Viel Zeit für das Genießen des Wetters bleibt für den Piloten am Boden nicht. Für ihn gilt höchste Konzentration.

Bromskirchen - Sie interessieren sich für Aerodynamik und Motorentechnik, für Elektronik und die Geschichte der Luftfahrt. Am Ende zählt für die Modellflieger in Bromskirchen vor allem eines: Ihr Flugzeug soll fliegen.

Wochen, vielleicht auch Monate, hat er an seiner Maschine gebaut und getüftelt. Er hat den Motor eingesetzt und feine Details in das Gehäuse eingearbeitet. Dann ist es so weit: Der erste Flug steht an. Der Pilot bleibt am Boden, greift zur Funk-Fernsteuerung und legt den Schalter um. Die Maschine nimmt Geschwindigkeit auf. Das Flugzeug saust über die Wiesen-Startbahn, hebt ab, schwebt durch die Luft - und fällt nach wenigen Metern vom Himmel.

Das Seitenruder ist beschädigt. Für den Hobby-Modellflieger geht es zurück in die Werkstatt im Keller. Das Flugzeug muss repariert werden. „Ab und an fällt was runter“, weiß Jochen Geise, Vorsitzender des Modellflugvereins RC Ederbergland (siehe Hintergrund).

Trotz oder gerade wegen solcher misslungener Jungfernflüge sind es eben jene Sekunden beim Start, die für Nervenkitzel sorgen - und die für die Vereinsmitglieder einen großen Teil der Faszination ihres Hobbys ausmachen. Die anderen Männer haben den kurzen Flug des „Bruchpiloten“ verfolgt, am Vereinsheim wird nun über die Gründe für den Absturz diskutiert.

Bauen, fachsimpeln und vor allem fliegen - diese drei Komponenten machen für Jochen Geise den Spaß am Modellflug aus. Die technische Entwicklung in den vergangenen Jahren habe viel verändert, selbst handwerklich aktiv zu werden sei heute gar nicht mehr so wichtig - wenn es denn vom Flugzeug-Besitzer gewollt ist. „Modellfliegen war noch nie so günstig und einfach möglich wie heute“, weiß Geise. Wer früher mit einem neuen Flugzeug abheben wollte, der hätte zunächst ein paar Monate mit dem Zusammenbau im Keller verbringen müssen. Das habe sich drastisch geändert - und bringe Vor- wie auch Nachteile mit sich.

Anfängern werde der Einstieg erleichtert. Die oftmals mühsame Kleinarbeit erfordere vor allem am Anfang Geduld und Ehrgeiz. „Man spart Geld und Zeit, der Erfolg kommt schneller“, sagt der Bromskirchener. Und so hoffen die Mitglieder des RC Ederbergland, wieder mehr junge Menschen für das Hobby interessieren zu können.

Die „Fertig-Flugzeuge“ haben aber nicht nur ihre gute Seite: Es würden Reiz und Wissen verloren gehen. „Wenn das Flugzeug nach langer Bauzeit fliegt und auch wieder zurückkommt, dann ist es für einen Modellbauer das Schönste, was es gibt“, ist Geise ganz in seinem Element. Dennoch würden auch die günstigen Flugzeuge bereits ab 100 Euro beim Fliegen Spaß bereiten. Der Nachwuchs fehlt den Modellflug-Freunden trotz dieser Entwicklung. Obwohl zu den Aktionen bei den Ferienspielen jedes Jahr viele Kinder kommen würden. Sie kommen nur kein zweites Mal auf den Flugplatz.

Jochen Geise hat die Begeisterung für den Modellflug gewissermaßen in die Wiege gelegt bekommen. Sein Vater war zwar selbst kein Modellflieger, aber Fluglehrer. Geise fing mit elf Jahren an, heute besitzt er fast 30 Modelle. „Das Faszinierende ist, dass man wie bei richtigen Flugzeugen an keiner Stelle schlampen darf. Sonst fällt die Maschine runter.“ Das gelte für den Bau ebenso wie für den Flug. Die Physik lasse sich nicht ausschalten. Aerodynamik, Mechanik, Motorentechnik, Elektronik - Modellflieger kennen sich im Idealfall auf vielen Ebenen aus.

Das bezieht sich auch auf das Interesse für die Geschichte der Luftfahrt. Denn meist sind die Maschinen historischen oder aktuellen Flugzeugen bis ins Detail nachempfunden - ob Kunst- oder Militärflieger. Waren früher Verbrennungsmotoren der Standard, so werden heute viele Flugzeuge elektrisch angetrieben. An seinem neuesten Modell hat Jochen Geise über drei Jahre gearbeitet. Das Flugzeug aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, eine North American T-6, besteht vor allem aus Holz und glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK). „Das ist aufwendig, aber es ist eben der Reiz, etwas Eigenes zu schaffen.“

Auf dem Flugplatz in der Nähe der Firma Ante-Holz dürfen Maschinen bis zu 25 Kilogramm in die Luft steigen - hinauf bis zu einer Höhe von 150 Metern. Geise besitzt ein Flugzeug, dass es auf 240 Kilometer pro Stunde bringt. „Das ist dann der richtige Nervenkitzel“, sagt er und lacht.

Hintergrund

Der Modellflugverein RC Ederbergland wurde 1973 gegründet. Die Abkürzung RC steht für „Radio Controlled“, also funkferngesteuert. Derzeit hat der Verein 30 Mitglieder, diese kommen aus der Umgebung Bromskirchens, aber auch aus Korbach, Dortmund oder den Niederlanden. Der Flugplatz in Bromskirchen einige hundert Meter hinter dem Gelände der Firma Ante-Holz ist regelmäßig Treffpunkt der Mitglieder. Zu den Vereinsaktivitäten gehören auch Ausflüge, zum Beispiel zur Flugshow ins englische Duxford.(tt)

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