Gute Noten bekamen die Leistungskurs-Musiker der Edertalschule für ungewöhnliche Projekte

Mozart trifft Egerländer Blaskapelle

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Frankenberg - Komponiert, arrangiert, gespielt und gesungen: Die Prüfungen im Leistungskurs Musik der Edertalschule sind keinesfalls nur theoretisch. Mit Klarinette, Rockband, Mozart und der Bild-Zeitung haben neun Schüler Musik gemacht.

Zwei Wochen sind es für die neun Leistungskurs-Musiker noch bis zu ihrer Abiturprüfung. Bis dahin haben die jungen Männer und Frauen noch viel Theorie zu pauken. Was sie musikalisches gesehen wirklich drauf haben, konnten sie bereits in ihren fachpraktischen Prüfungen zeigen. Diese Prüfungen gibt es hessenweit erst seit diesem Jahr und sie ersetzen eine Klausur mit viel Musiktheorie durch ganz praktische Arbeit der Schüler.

Die Musiker der Edertalschule gehören also zu den ersten Abiturienten, die eine fachpraktische Prüfung gemacht haben – und laut ihrem Musiklehrer Markus Wagener haben sie alle mit guten Noten bestanden. Für seine Schüler hatte Wagener sich unterschiedliche Aufgaben ausgedacht, die teils sehr ungewöhnlich klingen und allesamt auf jeden Fall unterhaltsam sind.

Unter dem Motto „Mozart goes Egerländer“ hat Patrick Kantert an seinem Projekt gearbeitet: Die berühmte Komposition „eine kleine Nachtmusik“ von Wolfgang Amadeus Mozart arrangierte er völlig neu – im Stil einer Egerländer Blaskapelle. „Dafür musste ich es vom ursprünglichen vier Viertel-Takt in einen zwei Viertel-Takt als Polka umschreiben“, erklärt er. Die Grundzüge der Nachtmusik bleiben bei dem neuen Arrangement deutlich hörbar. Aber auch die stilistischen Elemente der Egerländer Blasmusik hat Patrick Kantert untergebracht: „Wichtig war mir etwa ein starker, prägnanter Start wie bei Ernst Mosch.“

Florian Jungmann hat ein Stück komplett selbst komponiert. Als Vorlage bekam er von Wagener Fotos aus den Pariser Katakomben. Totenschädel über Totenschädel sind darauf zu sehen. Was er aus den Fotos macht durfte der junge Musiker frei entscheiden. Er hat sich dafür entschieden, den Gefühle eines Katakomben-Besuchers mit der Klarinette und dem Klavier Ausdruck zu verleihen. Seine Komposition klingt daher düster, gruselig, aber auch erstaunt.

Ein Arrangement für ein großes symphonisches Orchester, drei Solistinnen und einen Chor hat Philipp Sander geschrieben: „Ghost Love Score“ von der finnischen Symphonic-Metal-Band „Nightwish“ arrangierte er völlig neu – lediglich basierend auf dem Leadsheet – es enthält den Akkord, die Melodie und den Text des Songs – und der Tonaufnahme von „Nightwish“. Die Band ist eine von Sanders Lieblingsgruppen und bereits im vergangenen Sommer hat er begonnen, „Ghost Love Score“ zu orchestrieren. „In den Sommerferien habe ich zwei Wochen am Stück geschrieben. Dann folgten die Proben und immer wieder kleine Änderungen“, berichtet der Musiker. Bei „Schulen in Hessen musizieren“ vor zwei Wochen führte der junge Dirigent sein Werk mit dem Orchester und den Sängern vor mehreren hundert Zuhörern auf (die FZ berichtete).Mit Urheberrechten musste Maxi Schneider sich auseinandersetzen, bevor er mit seinem Musik-Projekt starten konnte. Seine Aufgabe war es, ein Rocklied zu schreiben und mit seiner Band „Blackout“ aufzuführen. „Ich hätte einen Text selber schreiben können, aber das war von der Zeit her nicht machbar“, sagt Maxi Schneider. Deshalb entschied er sich für den Text von „Stimmen“ von „Subway to Sally“. Als er die rechtlichen Dinge mit dem Management der Band geklärt hatte, dichtete er den Text um und nannte das Stück „Niemals schweigen sie“ – die Musik schrieb er selbst und übte dann fleißig mit seiner Band. „Das war nicht immer leicht. Mit manchen Stellen kamen vielleicht die Sänger oder Gitarristen nicht klar. Dann musste ich das Stück umschreiben und wenn ich Pech hatte, passte es dann nicht mehr für den Bassisten.“ Bis zum letzten Tag feilte er an seinem Rocksong, „irgendwas kam immer noch“.

Christian Freyer und Tobias Schindhelm durften sich zusammen an ihre originelle Aufgabe wagen: Sie schrieben die „Bild-Fuge“. Wagener gab ihnen die Bild-Zeitung vom 20. Dezember – und mit den Texten, die dort auf der Titelseite waren, kreierten die beiden jungen Männer eine klassische, dreistimmige Sprechfuge. Nur von Rhythmus-Instrumenten begleitet trugen sie – unterstützt von den Mitschülern aus dem Leistungskurs – den witzigen Sprechgesang vor, der nicht nur den Namen der Bildzeitung und Überschriften von „Bauer sucht Frau“ und dem Seite-eins-Mädchen kombiniert, sondern vor allem sehr unterhaltsam ist. Ein Klarinettenkonzert aus der Klassik und eine Sonate aus der Romantik trug Janina Mohr vor – dazu musste sie ausarbeiten und erklären, welche Stilmittel in den Kompositionen von Franz Krommer und Johannes Brahms genutzt wurden. Ähnlich war auch die Aufgabe von Lisa Stieler. Sie wählte ein typisch barockes und ein typisch frühklassisches Stück aus – beides Solostücke für die Flöte – und spielte sie in der Prüfung. „Dann habe ich die Geschichte und die Spielpraxis der dicht aufeinanderfolgenden Epochen verglichen und gezeigt, was sich in der kurzen Zeit verändert hat.“Natalie Röse zeigte sich in ihren Prüfungen als Sängerin: Sie wählte drei Songs aus dem 20. Jahrhundert aus und trug sie von ihrer kleinen Schwester und einem Schulkameraden auf Gitarre und Cajon begleitet vor. Bei ihr lag der Schwerpunkt darauf, zu zeigen, inwiefern Text, Melodie und Gesang im Verhältnis stehen. „Bei ‚Mamma Mia‘ von ‚Abba‘ war wichtig, dass die Eintönigkeit rauskommt. „Bei ‚Zombie‘ von den ‚Cranberries‘ hingegen brillierte die Sängerin mit einer aggressiven und zugleich kummervollen Stimme, um den Rock und den Protest im Songtext und der Melodie hervorzuheben.

Obwohl die Vorbereitungen aufwendig und nicht immer leicht waren, sind sich die Schüler aber einig, dass diese neue Art der Prüfung viel Spaß gemacht hat. Für ihre Leistungen haben die Schüler sogar weit über die Edertalschule hinaus dickes Lob eingefahren. Wie Wagener erläutert, werde zum Beispiel die „Bild-Fuge“ künftig auf Landesebene als Musteraufgabe für folgende Jahrgänge genutzt. (pk)

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