Deutsches Sperberhuhn ist gefährdete Nutztierrasse 2012

Munteres Bauernhuhn legt 200 Eier

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Frankenberg-Haubern - Ob Rinder, Schafe, Ziegen oder Geflügel - viele alte Haustierrassen stehen heute auf der Roten Liste. Gefährdete Nutztierrasse des Jahres 2012 ist das Deutsche Sperberhuhn. In Haubern schlüpften vor wenigen Tagen mehrere Küken.

Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) kürt seit 1984 jedes Jahr eine Rasse und wirbt damit um Sympathien für traditionelle Arten. 2012 fiel die Wahl auf ein munteres und leistungsfähiges Bauernhuhn, das früher auf fast jedem Hof das Bild prägte: Die Deutschen Sperber liefern neben vielen Eiern auch weißes Fleisch von guter Qualität.

Geschickte Kreuzungen

Die Rasse entstand um 1900. Der Duisburger Züchter Otto Trieloff züchtete eine gesperberte, mittelschwere und leistungsstarke Hühnerrasse. Sie stieß vor allem im Rheinland und in Thüringen auf reges Interesse. Durch geschickte Kreuzungen zwischen gesperberten Italienern, schwarzen Minorka, Bergischen Schlotterkämmen, Plymouth-Rocks und Schotten wurde der Grundstein zu der neuen Rasse gelegt. Das weitere Bekanntwerden und die Erfolge anderer Züchter führten 1907 zur Gründung einer Sondervereinigung der Züchter gesperberter Minorka. Noch heute besteht der Sonderzüchterverein. Seit 1917 trägt die Rasse den Namen Deutsche Sperber.

Deutsche Sperber gelten als Wirtschaftshuhn in Landhuhnform. Sie legen 170 bis 230 Eier pro Jahr. Ihr Bruttrieb ist eher gering. Hähne erreichen ein Gewicht von zwei bis drei Kilogramm. Hennen werden rund zwei Kilogramm schwer. Die lebhaften, zutraulichen Tiere sind bei großzügigem Auslauf gute Futtersucher. Sie gelten als Nichtflieger und eigenen sich für die Haltung im Garten.

Gesperberter Farbschlag

Bei der Rasse gibt es nur den gesperberten Farbschlag, der jedoch durch seine Schönheit bestechend ist. Jede einzelne Feder zeigt einen leicht gebogenen, quergebänderten Wechsel von Schwarz mit Hellblau. Bei der Henne ist das dunkle Federfeld stärker ausgeprägt als das weiße, beim Hahn wechseln dunkles und helles Federfeld in gleicher Breite. Die Zeichnung der Sperber weist keine scharfen Konturen auf. Die Sperberhähne tragen einen einfachen, mittelgroßen und nicht zu tief gezackten Kamm mit vier bis sechs Zacken, der breit aufgesetzt der Schädelwölbung folgt, ohne jedoch aufzuliegen.

Der Tiefpunkt der Zucht lag im Jahr 1976, als bei der Ausstellung in Nürnberg nur noch zwei Tiere dieser Rasse gezeigt wurden. Im Jahr 1978 waren im Sonderverein nur noch fünf aktive Züchter gemeldet. Anfangder 1980er-Jahre nahm die GEH die Rasse in die „Rote Liste“ auf. Dies und auch die Bemühungen um eine rege Öffentlichkeitsarbeit führten bis Ende der 90er-Jahre zu einer Renaissance. Heute liegt der Gesamtbestand in Deutschland bei gut 500 Zuchttieren. Der bundesweite Sonderverein zählt wieder rund 80 Mitglieder. Zur Erhaltung dieser agilen Hühnerrasse sucht die GEH weitere Züchter.

Schneeweiße Eier

Im Frankenberger Land ist die Rasse auch fast ausgestorben. Bisher war der Rosenthaler Hühnerzüchter Herbert Klingelhöfer der Einzige, der Deutsche Sperber hält. Vor drei Jahren hat er bei einer überregionalen Ausstellung die Rasse zufällig entdeckt. „Die Hühner sind vital und legen schneeweiße Eier“, erzählt Klingelhöfer und freut sich über eine gute Wahl. Im südhessischen Birstein erwarb er die ersten Hühner und Bruteier. Klingelhöfer züchtet neben Deutschen Sperbern auch Zwerg-Wyandotten, Marans und Auracana-Hühner. Anlässlich der Wahl zur gefährdeten Nutztierrasse des Jahres wurden auch Geflügelfreunde aus Haubern, Bromskirchen und Battenfeld auf die Deutschen Sperber aufmerksam und erwarben einige Hühner.

Sechs Küken schlüpften vor zehn Tagen bei Dieter Mütze in Haubern. Ein Seidenhuhn brütete die Eier aus. Mütze will zum Erhalt der bedrohten Haustierrasse beitragen und demnächst auch Sperber-Eier in seine Brutmaschine einlegen.

Von Frank Seumer

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