In Eder und Orke gibt es seltene Flussmuscheln – Sie werden bis zu 50 Jahre alt

Muschel unter strengem Schutz

Diese Teichmuscheln sind mit der Bachmuschel nahe verwandt. Sie kommen als seltene Süßwassermuscheln noch in Altarmen und Teichen an der oberen Eder vor. Foto: Kalden

Ederbringhausen. Nicht nur am Meeresstrand kann man Muschelschalen finden. Auch an den Ufern von Eder und Orke liegen, gelegentlich Muschelschalen. An der Eder bei Allendorf-Haine sind es die der Teichmuschel und an der Orke die der Fluss- oder Bachmuschel mit dem wissenschaftlichen Namen Unio crassus. Diese ist die seltenste und bundesweit wichtigste Tierart im Edersystem.

Einst besiedelte diese mit den Schnecken als Weichtier verwandte Bachmuschel alle großen Fluss-Systeme in Deutschland. Seit den 1980-er Jahren ging sie drastisch zurück und ist heute nur noch sehr selten und lediglich in den Oberläufen der Gewässer zu finden. So wird ihr Name Flussmuschel heute seltener als der inzwischen zutreffendere Name Bachmuschel verwendet.

Eine bedrohte Art

Als in ihrem Bestand bedrohte Art wurde sie bereits 2006 zum Weichtier des Jahres gewählt. Inzwischen steht sie in der gesamten Europäischen Union unter Schutz. Auch nach der Bundesartenschutzverordnung gilt sie als streng geschützt und unterliegt gleichzeitig den Landesfischereigesetzen mit einer ganzjährigen Schonzeit.

Der aus Frankenau stammende Marburger Jurist und Jäger Dietmar Wassermann stieß auf die Spur dieser einzigartigen Muschel im Bereich der Eder und Orke und setzte sich mit ihr, zusammen mit dem Marburger Fischerei-Experten Christoph Dümpelmann, auseinander.

Wassermann ist fasziniert von der komplizierten Fortpflanzung und Entwicklung der Bachmuschel, von der er eine Kolonie in der Eder bei Schmittlotheim und eine in der Orke bei Ederbringhausen kennt. Er meint, die Entwicklung einer Jungmuschel ist so selten wie ein Lottogewinn, denn die nach der Besamung der Muscheleier sich entwickelnden Larven benötigen ganz spezielle Bedingungen.

Zunächst müssen sie auf einen Wirt treffen. Diese sind Fische, oft Barben und Forellen. Sind die Larven, die im Kiemenrand oder in den Brustflossen heranwachsen, reif, lassen sie sich abfallen.

Nur wenn sie als Jungmuschel auf feinen Kies am Boden des Gewässers treffen, haben sie die Aussicht, eine bis 15 Zentimeter große und bis zu 50 Jahre alte Muschel zu werden, die sich mit ihren schwarzen Schalen senkrecht im feinen Kies des Gewässergrundes vergräbt. Das sind nur rund ein Prozent aller Muschelnachkommen. Wenn dann zu der geringen Wahrscheinlichkeit, dass aus einem befruchteten Ei eine ausgewachsene Muschel wird, noch vor allem synthetische Düngemittel, wie Nitrate und Phosphate, in die Bäche und Flüsse geraten, dann wird das Überleben dieser Art schwer.

Hoffnungsschimmer

Ein Hoffnungsschimmer für die Muschel in Eder und Orke tut sich mit der EU-Wasserrahmenrichtlinie und der bundesweiten Düngeverordnung auf. Seit März ist die Einrichtung von Gewässerrandschutzstreifen mit fünf Metern Breite vorgeschrieben. Auch die Düngemittelreduzierung könnte das Überleben der Art begünstigen. (zqa)

Quelle: HNA

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