Wiesenfelder Landwirt vermutet Luchs als Ursache für tote Tiere

Das mysteriöse Ende von fünf Schafen

Wiesenfeld ist vom Burgwald umgeben. Auf einer Weide etwa einen Kilometer vom Dorf entfernt sind Ende November fünf Schafe gerissen worden. Der Eigentümer glaubt an einen Luchs als Angreifer, Hessen-Forst verneint das. Archivfotos: Dirk Schäfer/dpa

Burgwald-Wiesenfeld - Norbert Piston ist davon überzeugt, dass ein Luchs fünf seiner Schafe gerissen hat. Doch Hessen-Forst kommt zu einem anderen Ergebnis: Die Abteilung FENA hat nach eingehenden Untersuchungen keine Hinweise darauf gefunden, dass ein Raubtier den Tod der Tiere verursacht hat.

Die Begeisterung darüber, dass die Raubkatzen in der Region wieder heimisch werden (FZ berichtete) kann Norbert Piston aus Wiesenfeld nicht teilen. „Luchse müssen nicht immer gut sein“, sagt der Hobby-Landwirt aus Wiesenfeld. Denn ein Luchs habe fünf seiner Schafe auf einer Weide am Rande des Burgwalds gerissen, etwa einen Kilometer vom Dorf entfernt. Auf dem Sachschaden in Höhe von etwa 1000 Euro sei er bisher sitzen geblieben, sagt Piston.

Die Tiere wurden bereits Ende November getötet. Daraufhin war unter anderem eine Mitarbeiterin der Servicestelle Forsteinrichtung und Naturschutz (FENA) von Hessen-Forst vor Ort in Wiesenfeld. Dabei handelt es sich um die Abteilung, die auch zuständig ist, wenn jemand glaubt, einen Wolf gesichtet zu haben. FENA hat unter anderem die Aufgabe, das Vorkommen von geschützten Tierarten landesweit zu dokumentieren.

Deshalb wurde die Mitarbeiterin gebeten, sich um den Vorfall im Burgwald zu kümmern und in Zusammenarbeit mit verschiedenen Experten eine fachliche Stellungnahme für das Umweltministerium abzugeben.

Das Ergebnis steht im Gegensatz zur Überzeugung von Norbert Piston: „Es liegen keine aktuellen Hinweise vor, dass es sich um ein Raubtier handelt“, sagt Nina Bütehorn, Leiterin des Fachbereichs Naturschutz bei FENA, im Gespräch mit der Frankenberger Zeitung.

Es habe ausführliche, spezifische Untersuchungen gegeben, an denen Fachleute aus dem gesamten Bundesgebiet beteiligt gewesen seien, zum Beispiel aus dem Senckenberg-Institut. Auch Losung, die am Waldrand gefunden wurde, hat FENA genetisch untersuchen lassen: „Die Losung stammte von einem Fuchs“, erläutert Bütehorn. Das bedeute aber nicht zwingend, dass ein Fuchs die Schafe angegriffen habe: „Der Fuchs kann auch nur ein Nachnutzer gewesen sein“. Die Ergebnisse habe FENA auch dem Ministerium vorgelegt.

Für die Schadensregulierung sei Hessen-Forst nicht zuständig - das Regierungspräsidium sei nun zuständig.

Nachdem Norbert Piston die toten Schafe entdeckt hatte, rief er Matthias Eckel, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes und zugleich stellvertretender Vorsitzender der Jägervereinigung, hinzu. „Da lagen vier Schafe auf der Wiese, wie friedlich schlafend“, erinnert Eckel sich an das Bild, das sich geboten habe. Ein fünftes Tier sei kurz darauf verendet. Ein hinzugezogener Wildbiologe habe bei den Tieren einen geschwollenen Kehlkopf festgestellt - „das ist eigentlich typisch für den Luchs“, erläutert Eckel. Auffällig sei jedoch gewesen, dass der Fachmann keine Bisslöcher am Hals der Tiere gefunden habe. Eckel zeigte sich dennoch überrascht vom Ergebnis der FENA-Untersuchung: „Für mich als Laie stellte sich das Bild vor Ort anders dar“.

Norbert Piston überzeugt die Untersuchung nicht: Er hält den Angriff eines Luchses nach wie vor für die einzig logische Erklärung, sagte er auf Nachfrage.

Für Nina Bütehorn bleibt der Grund für die toten Schafe fraglich. Was die tödlichen Verletzungen verursacht hat, sei „reine Spekulation“ - und daran werde sie sich nicht beteiligen. Eine Theorie, die nach dem Vorfall aufkam, zielt auf einen Hund ab, der die Schafe gejagt haben könnte. Allerdings bleiben auch bei dieser Version Fragen offen, sagt Eckel: „Dagegen spricht, dass es keine Trampelspuren auf der Wiese gab.“ Zudem hätten von einem Hund gejagte Schafe vermutlich den Drahtzaun durchrissen und und wären nicht in ihrer Weide geblieben, vermutet er. Und es habe keine Hinweise darauf gegeben, dass ein Hund das vorher oder nachher schon einmal gemacht habe. „Aber meiner Meinung nach kann das kein Hund gewesen sein, der das zum ersten Mal gemacht hat. So einer hätte das nicht mit so einer Professionalität hingelegt“, begründet Matthias Eckel. „Es wird wohl nicht abschließend zu klären sein, was genau passiert ist.“

Von Andrea Pauly

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