Mit Abstand durch Stadt und Natur

Nach Coronapause: Frankenberger Wanderverein erstmals wieder mit größerer Gruppe auf Tour

Stelle an der Eder auf Premium-Stadtwanderweg Frankenberger Blickwinkel. Bilderrahmen. Blick auf  Neustadt und Liebfrauenkirche, im Vordergrung Sylvia Kleem vom Wanderverein
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Ein kleiner Pfad führt zu dieser Stelle an der Eder, von der man einen tollen Blick auf die Neustadt mit dem früheren Rathaus (rote Fachwerkbalken im Rahmen rechts), den Burgberg und die Liebfrauenkirche hat. Der Platz gefällt auch Sylivia Kleem vom Frankenberger Wanderverein

Die Dienstagsgruppe des Gebirgs- und Wandervereins Frankenberg hat seit der Coronapause die erste größere Gruppentour veranstaltet – auf dem Premium-Stadtwanderweg Frankenberger Blickwinkel.

Kein Handschlag, keine Umarmung, aber freudige Gesichter. Auf dem Parkplatz der Ederberglandhalle treffen sich 19 Frauen und Männer zur Dienstagswanderung des Gebirgs- und Wandervereins Frankenberg.

„Ihr könnt näher treten! Aber trotzdem auf Abstand bleiben!“, sagt Wanderführer Werner Rohleder, bevor er die Tour erläutert. Es geht auf den neun Kilometer langen Stadtwanderweg „Frankenberger Blickwinkel“. Denn längere Anfahrtswege zu einem Tourenstart sollen vermieden werden, Fahrgemeinschaften sind aufgrund der Corona-Abstandsregelungen problematisch. Die Pandemie hat den regulären Wanderplan komplett über den Haufen geschmissen.

Rohleder teilt die Wanderer aus Abstandsgründen in eine Zehner- und eine Neunergruppe und los geht es auf dem Premium-Wanderweg (siehe Hintergrund). Vorm Landratsamt ermahnt er schmunzelnd noch einmal: „Hier achten viele Augen auf uns. Also Abstand halten!“

Einige Wanderer kennen bereits den Rundweg durch die Stadt, entlang der Eder durch den Wald am Goßberg, den Wildpark und zurück zur Altstadt. Doch auch für sie gibt es viel zu schauen und zu kommentieren. „Das sieht echt toll aus“, lauten die einhelligen Kommentare zum neuen Ederuferpark. Auch der Wasserpark zur Fußgängerzone hin findet Anklang. „Die Kinder haben hier viel Spaß. Nur Hunde sollten nicht in die Springbrunnen-Becken gehen“, sagt ein Wanderer.

Vorbei an der Baustelle Kanton-Brou-Straße geht es über die Wehrweide zum anderen Ederufer. Im Gänsemarsch marschiert die Gruppe über einen Pfad im hohen Gras und landet am alten Ederwehr – einem idyllischen Platz unter Bäumen und mit dem ersten tollen Blick-(Winkel) auf Frankenberg. „Eine Oase“, sagt eine Wanderin. Ein leerer Bilderrahmen lädt zum Fotografieren ein. „Das kenne ich noch gar nicht“, sagen selbst einige gebürtige Frankenberger. Dieser Satz fällt noch mehrfach auf der Tour. Insbesondere als es in den Wald auf dem Goßberg geht. Der schmale Pfad parallel zum Schwedensteinweg wirkt fast alpin. Leider sind dort auch kahle Stellen, wo der Borkenkäfer mächtig zugeschlagen hat. Doch kurz vor Meyers Gründchen gibt es wieder dichten Bewuchs und es sieht aus, als ob die Wanderer aus der Wildnis kommen.

„Hier sind wir Kinder von der Frankenberger Neustadt früher Ski- und Schlitten gefahren“, berichtet Wilhelm Hein, der ebenso wie Werner Rohleder Wanderpate des Stadtwanderweges ist.

Es geht hinauf in Richtung Hochbehälter, wo Rohleder erklärt, wie die Wasserversorgung Frankenbergers funktioniert. Am oberen Eingang in den Wildpark sagt der mit 82 Jahren älteste Teilnehmer der Tour, Helmut Böhle: „Hier haben wir früher unsere Schulfeste gefeiert mit Sportveranstaltungen und Lampions.“ Im Wildpark ist Pause. Es gibt genug Sitzgelegenheiten, der Abstand kann eingehalten werden.

„Dass es in Frankenberg so tolle Pfade gibt“

Sylvia Kleem, Mitglied im Wanderverein

Ein weiterer Eindruck von Wildnis bietet auf dem weiteren Weg der Pfad oberhalb der Otto-Stoelker-Straße. „Dass es in Frankenberg so tolle Pfade gibt“, sagt die Frankenbergerin Sylvia Kleem ebenso überrascht wie begeistert. Am Wegrand ist der Eingang zum Teufelskeller freigeschnitten. Dort wurden einst Bier und Wein kühl gelagert. Durch einen von Bäumen und Büschen überwachsenen Hohlweg geht es auf die Ruhrstraße – ein abrupter Wechsel von der Wildnis in die Zivilisation,

Die hat aber auch ihre Reize – wie den Hexenturm, ein weiterer exzellenter Blickwinkel – diesmal auf die Altstadt und bis ins Obere Edertal. Am Alten Rathaus vorbei es wandert die Gruppe dann zum Parkplatz Ederberglandhalle zurück.

„Normalerweise sind wir dienstags 30 Teilnehmer und mehr“, erläutert Wandervereinsvorsitzende Angelika Sachse. „Und leider können wir auch nicht wie sonst singen“. Aber die Freude an der gemeinsamen Tour trotz Coronabeschränkungen strahlen alle aus. Corona selbst war übrigens während der Wanderung kaum Thema.

Infos über den Wanderverein bei Angelika Sachse, Tel, 06451/21 984, wandern-frankenberg.de

Stadtwanderweg Frankenberger Blickwinkel

Der Stadtwanderweg Frankenberger Blickwinkel wurde 2018 angelegt und ist laut Ederbergland-Touristik der weltweit erste Stadtwanderweg, der mit dem Prädikat Premiumwanderweg ausgezeichnet wurde. Das Prädikat verlieh das Deutsche Wanderinstitut 2018. Der Rundweg ist 9,2 Kilometer lang, geht über Höhenlagen von 270 bis 360 ÜNN und ist in zirka drei Stunden zu begehen. Der Schwierigkeitsgrad ist als mittel eingestuft. Informationen gibt es im Internet unter ederbergland-touristik.de. Offizieller Startpunkt ist an der Ederbergland-Touristik, Untermarkt 12. Dort gibt es auch weitere Informationen und einen Flyer über die Tour. 

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