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Nach monatelanger Trockenheit: Ökosystem der Eder eingebrochen

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Diese Wasseramsel hat Insekten im Schnabel, mit denen sie ihre Jungen füttert. Fehlt durch den trockenen Sommer das Futter, wird es weniger Nachwuchs geben.
Diese Wasseramsel hat Insekten im Schnabel, mit denen sie ihre Jungen füttert. Fehlt durch den trockenen Sommer das Futter, wird es weniger Nachwuchs geben. © Gerhard Kalden

Die Folgen der monatelangen Trockenheit dieses Sommers sind noch nicht behoben. Das zeigt das Beispiel der Eder.

Waldeck-Frankenberg – Im trockensten Sommer in unserer Region seit Beginn der Wetteraufzeichnungen hatte Anfang September der Edersee nur noch einen Füllstand von 13 Prozent. Sehr viele Bäche waren total ausgetrocknet. Selbst die Eder führte so wenig Wasser, dass lange Zeit Geröllbänke trocken lagen. Dazu kam, dass im Oberen Edertal Wasser aus der Eder an einer Stelle fast komplett in einen Mühlgraben abgeleitet wurde und dadurch die Eder auf einer weiten Strecke nur noch ein schmales Bächlein in einem großen Geröllfeld war. Selbst die Kolke als Rückzugsmöglichkeiten für Wasserlebewesen waren ausgetrocknet.

Am 14. September kam endlich die Wetterwende, die bei Dauerregen nach privaten Messungen in Frankenberg 31 Liter Regenwasser auf den Quadratmeter brachte. Weitere Regenfälle folgten. Geholfen hat das bisher kaum etwas.

Noch nie so viele ausgetrocknete Bäche

Nach einer Analyse des NABU-Kreisvorsitzenden Heinz-Günther Schneider (Laisa) brachte der trockene Sommer einen langfristigen Einbruch. Er habe in über 45 Jahren Kontrollgängen bezüglich der Wasseramsel noch nie so viele und gleichzeitig vollständig ausgetrocknete Bäche im Eder-Einzugsbereich gesehen wie in diesem Jahr, berichtet er.

Es werde dauern, bis Erholung auf den vorherigen Stand der Gewässer-Natur erreicht sein wird, meint Schneider. Als Beispiele für diesen Einbruch im Ökosystem der Eder mit seinen Seitenbächen – also der Gesamtheit von Pflanzen und Tieren in einem Naturraum – wies er auf den Bestand der Wasseramseln hin. Diese ernähren sich vorwiegend von kleinem Getier unter Wasser wie kleine Krebse, kleine Fische und vor allem von Wasserinsekten.

Verhungerte Jungvögel

All dieses Leben erlosch in diesem Sommer auf weiten Strecken der Bäche gänzlich. Entsprechende Bestandsrückgänge durch das Austrocknen der Fließgewässer trifft die auf Nahrung aus den Gewässern angewiesenen Vogelarten – neben der Wasseramsel etwa den Graureiher, den Silberreiher, den Eisvogel und den seltenen Schwarzstorch. In Folge der Trockenheit wurden bereits im Sommer abgebrochene Bruten und verhungerte Jungvögel bei der Wasseramsel in Waldeck-Frankenberg gefunden.

Heinz-Günther Schneider ist der Auffassung, dass es viele Jahre dauern werde, bis der alte ökologische Zustand der von der Dürre betroffenen Gewässer wieder erreicht sein wird. So lange werde es voraussichtlich auch eine Verarmung der Vogelfauna geben.

Von Gerhard Kalden

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