Rosenthal

Nachdenkliche Reden, Gotteslob und Volkstänze beim Kreiserntedankfest

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- Rosenthal (sr). Die Wertschätzung regional erzeugter Lebensmittel stand im Mittelpunkt des Kreiserntedankfestes, ausgerichtet von der Landjugend Rosenthal. Das Programm am Samstagabend reichte von einer Andacht in der Kirche bis zum traditionellen Bändertanz um die Erntekrone in der Sport- und Kulturhalle.

Kreislandwirt Fritz Schäfer dankte für das Verständnis der Kreisbevölkerung bei Verkehrsbehinderungen durch Erntefahrzeuge. In Waldeck-Frankenberg würden doppelt so viele Lebensmittel erzeugt wie verbraucht. Große Sorge bereite ihm die Geldanlage von Nichtlandwirten in Grundstücke. Viele Äcker und Wiesen würden zur Kapitalanlage aufgekauft. „Die Nachhaltigkeit von Grund und Boden ist gefährdet“, sagte Schäfer.

Der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Heinrich Heidel hob die Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft hervor, die in der Lage sei, für alle Menschen auf der Welt gesunde Nahrungsmittel zu produzieren. „Der Hunger ist nur ein logistisches Problem“, betonte Heidel. Die Vorsitzende der Kreislandjugend Julia Lerch regte zum Nachdenken an, indem sie Fragen formulierte: „Woher kommen unsere Lebensmittel? Ist das alles selbstverständlich?“

„Die Erntekrone ist ein Auftrag und Hoffnung für das nächste Jahr“, sagte der Rosenthaler Bürgermeister Hans Waßmuth mit Blick auf die mit vielen Früchten und einem großen runden Heuballen geschmückte Halle. Neben der Produktion von Lebensmitteln ging er auch auf die Holzernte im Burgwald und die Energieerzeugung durch Landwirte ein.

„Erntedank ist ein Fixpunkt im Jahresverlauf der ländlichen Region“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete Jens Deutschendorf. Er kritisierte, dass ein Großteil der Bevölkerung in den Städten die Erzeugung, Ernte und Veredlung von Lebensmitteln nicht mehr bewusst wahrnehme. Dies erkläre die vielen Millionen Tonnen, die jährlich wegen „Schönheitsmängeln“ vernichtet würden. „Wir leben in einer Welt der Gegensätze: Überfluss und Verschwendung, auf der anderen Seite Hunger.“ Deutschendorf lobte die Direktvermarktung im Landkreis und forderte faire Preise für die Produzenten. Als erfreuliches Signal wertete er den freiwilligen Verzicht der Landwirte auf Gentechnik.

Landtagsabgeordnete Claudia Ravensburg blickte auf ein trockenes Frühjahr, einen nassen Sommer und einen strahlenden Herbst zurück. Sie freute sich über die Aktivitäten der Landjugend und forderte die Rosenthaler Jungen auf, in der Landjugend mitzutanzen.

Nach der Erntedankandacht von Pfarrer Klaus-Dieter Geisel in der Kirche zogen die Landjugendgruppen und Gäste mit Fackeln zur Sport- und Kulturhalle. Zehn Mädchen der Rosenthaler Kinderlandjugend unter der Leitung von Franziska Trusheim, Franziska Happel und Dorothee Happel eröffneten den Tanzreigen. Die fünf beteiligten Landjugendgruppen aus Basdorf, Geismar, Laisa, Haubern und Rosenthal schlossen sich mit jeweils zwei Tänzen an. Gemeinsam tanzten neun Paare als Kreislandjugend den bekannten Volkstanz „Nagelschmied“.

In das gut zweistündige Programm waren auch die Rosenthaler Musikanten unter der Leitung von Jürgen Klingelhöfer und der Männergesangverein, dirigiert von Uwe Gerike, eingebunden. – Höhepunkt zum Abschluss war der traditionelle Bändertanz um die Erntekrone durch die Gastgeber. Zehn Paare schafften es auf Anhieb, das bunte Bändersystem wieder zu entflechten. Die Rosenthaler Musikanten begleiteten den Tanz mit Livemusik.

Heinrich Heidel übergab zum Abschluss die Erntekrone an die Hauberner Landjugend. Die amtierenden Hessenmeister richten des Kreiserntedankfest 2012 aus. Durch das Programm führten Michael Lerch und Franziska Happel. Zu den Gästen zählten Vertreter vieler landwirtschaftlicher Organisationen und Verbände.

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