Bibelbilder auf Ofenplatten

Nachguss des Soldan-Motivs in Frankenberger Liebfrauenkirche

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Heizfunktion mit Kunst vereint: Im Universitätsmuseum auf Schloss Marburg bewundern die Frankenberger Soldan-Fachleute (von links) Hans Papenfuß, Heiner Wittekindt und Prof. Helmut Burger das Weihnachtsmotiv Philipp Soldans auf einem um Ofen aus Schloss Spangenberg, entstanden zwischen 1550 und 1560. 

Frankenberg. Wer sich im 16. Jahrhundert einen Eisen-Ofen mit kunstvollen Bibelbildern von Philipp Soldan aus Frankenberg leisten konnte, für den war das ganze Jahr Weihnachten.

Beispielsweise für Margarethe von der Saale: Landgraf Philipps illegitim angetraute Nebenfrau, die er zunächst in Schloss Wolkersdorf versteckt hatte, schaute später in ihrem Alterssitz Spangenberg vermutlich täglich auf solch ein gusseisernes Motiv der Christgeburt mit Hirten, Engeln, Ochs und Esel.

Allerdings gehörten zu den damals modernen Kastenöfen, die schnell beheizbar waren und endlich den Rauch aus den Wohnzimmern verbannten, noch viel mehr biblische Bildfelder auf den Seitenteilen. In den Öfen von Schloss Spangenberg, die man heute im Marburger Universitätsmuseum bewundern kann, befand sich auf der Stirnseite das zentrale Motiv von Jesu Kreuzigung.

Neben der Weihnachtsszene zeigte auf derselben Ofenplatte der Frankenberger Modelschnitzer die Erschaffung Evas: Theologisch komprimiert verbinden sich hier Altes und Neues Testament, Schuld und Vergebung, die sündhafte Menschenfrau Eva und die reine Magd Maria.

„Dass man Gottes Werk und Wort an allen Enden und immer vor Augen hätte“, hatte sich Martin Luther gewünscht. Sein Zeitgenosse Philipp Soldan (1500 - nach 1569), dem seine Heimatstadt Frankenberg im Reformations-Jubiläumsjahr eine große Ausstellung widmete, sorgte mit seinen „Eisernen Bibeln“ dafür, dass das Wort Gottes unters Volk kam. Die Hainaer Eisenhütten hatten Hochkonjunktur.

Die Anbetung des Christuskindes gehörte damals zu den beliebtesten Motiven aus dem Angebot von „Meister Lipsen“, wie der Formschneider in Rechnungen auch genannt wurde. Insgesamt hat er dies in drei mit Perlschnüren eingefassten Rundbildern variiert und sich dabei künstlerisch in das „immer Durchfühltere und Ausdrucksvollere“, von der Früh- zur Hochrenaissance gesteigert, wie der Kunsthistoriker Albrecht Kippenberger (1890-1980) herausfand.

Ein Nachguss des um 1538 geschaffenen und damit ersten Soldan-Motivs der Christgeburt hängt in der Vierung der Frankenberger Liebfrauenkirche, ein weiteres kann man auf einer Eisenplatte im Hotel Die Sonne Frankenberg anschauen. Die besonders vollendete dritte Fassung zeigen zwei Soldan-Öfen aus Spangenberg im Marburger Schlossmuseum – dort öffentlich und für großes Publikum.

„Seine Bilder waren aber nicht für die Kirche, sondern für das gemeine Volk gemacht, das ohne die Weihnachtsgeschichte nicht leben konnte“, sagt der Frankenberger Soldan-Forscher und Pfarrer i. R. Heiner Wittekindt. „Mit dem Christkind ist die Liebe in die Welt gekommen. Und das galt damals für die Leute mit Soldans Öfen vor Augen, an 365 Tagen im Jahr.“

Quelle: HNA

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