Frankenauer Nahwärmenetz

Nahwärme aus Holz ist wirtschaftlich

Frankenau - Spätestens ab 2015 wäre ein Nahwärmenetz für öffentliche Gebäude in der Frankenauer Innenstadt wirtschaftlich zu betreiben. Auch private Hausbesitzer können sich anschließen - dann wäre schon jetzt die Kilowattstunde Wärme günstiger als mit einer herkömmlichen Ölheizung.

Die Schule, das Rathaus, das noch im Bau befindliche Seniorenheim der Lebenshilfe, Kindergarten, das Feuerwehrhaus das Pfarr- und Gemeindehaus: Diese Gebäude könnten künftig ohne eigenen Heizkessel auskommen und wirtschaftlich über ein zentrales Nahwärmenetz versorgt werden. Das ist das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie, die die Firma Viessmann im Auftrag von Stadt, Kirchengemeinde, Landkreis als Schulträger und der Lebenshilfe erstellt hat.

Am Dienstag stellte Marco Ohme, Leiter der Abteilung Bioenergiedörfer und -systeme bei der Firma Viessmann, das Ergebnis der Studie im „Hessischen Hof“ vor. Rund 30 Interessierte verfolgten die Präsentation. Projekt wurde gefördert Erste Überlegungen zur Energieversorgung habe es bereits vor Beginn des Neubaus der Lebenshilfe gegeben, berichtete Bürgermeister Björn Brede (SPD). Wegen der „kurzen Wege“ zwischen den öffentlichen Gebäuden sei die Idee entstanden, die Möglichkeit eines Nahwärmenetzes zu prüfen. Bezuschusst wurde die Studie von der „Naturkraft-Region“, zu der neben den Kreisen Schwalm-Eder und Hersfeld-Rothenburg auch Waldeck-Frankenberg gehört. Es war das erste Projekt, dass im Landkreis gefördert wurde.

Die Studie war auf die öffentlichen Gebäude beschränkt. Doch im Idealfall schließen sich private Hausbesitzer an. Feststeht laut Ohme: Kommen weitere Wärmeverbraucher dazu, ist der Preis für die Kilowattstunde Wärme günstiger als die Nutzung einer Ölheizung im Haus. Die bisher geplante Wärmeleitung sei noch variabel, bei Interesse können auch benachbarte Straßenzüge angeschlossen werden. „Ist technisch umsetzbar“ Auch die Lage der Heizzentrale ist noch nicht endgültig. „Alles, was jetzt dazu kommt, macht das Projekt wirtschaftlich. Je mehr Abnehmer es gibt, desto niedriger fällt der Wärmepreis aus.“ Dabei gehe die Studie eher von schlechten Zahlen aus. Das bedeute, voraussichtlich rechne sich das Nahwärmenetz noch mehr. „Die Studie zeigt, dass das Projekt technisch und wirtschaftlich umsetzbar ist“, sagte Ohme. Die Verfasser der Studie gehen davon aus, dass der Preis für Pellets und Hackschnitzel weniger stark steigt als der für Heizöl.

Der Besitzer eines Einfamilienhauses könnte beim Wechsel zur Nahwärme 50.000 Euro Heizkosten innerhalb von 20 Jahren sparen. Derzeit kalkuliert Ohme noch mit einem Preis von 12,9 Cent netto pro Kilowattstunde für die Nahwärme. Dem stehen aktuell 11,4 Cent für Öl gegenüber. Schließen sich weitere Nutzer an, sinkt der Nahwärme-Preis. Die Zahlen klangen positiv, doch die Zuhörer setzten sich auch kritisch mit den Plänen auseinander. Was passiere, wenn in einigen Jahren die Schule schließt, wollte ein Frankenauer wissen. „Das wäre ein Worst-Case-Szenario“, gab Marco Ohme zu. Allerdings wolle der Landkreis die Wärmeversorgung der Schule umstellen und das sei wohl kaum ein Zeichen, dass der Standort in Gefahr sei, sagte Björn Brede. Die Schule würde etwa ein Drittel der Wärme aus der Heizanlage verbrauchen. Kommen dafür andere Verbraucher hinzu, könnte das aufgefangen werden, sagte Ohme. Nicht nur der Kreis, auch die Lebenshilfe seien an an der Umsetzung interessiert. „Sie möchten ein solches Projekt“, sagte Brede.

Mögliche Genossenschaft Noch stärker sinken könnte der Wärmepreis, wenn die Anlage über eine Genossenschaft betrieben wird. Über Einlagen würden sich die Wärmeabnehmer an der Genossenschaft beteiligen. Möglich wäre in diesem Fall ein Preis pro Kilowattstunde im einstelligen Cent-Bereich, erklärte Ohme. Weil die Anlage hauptsächlich von den vier Institutionen geplant wird, wurde daran bislang nicht gedacht, sagte Björn Brede. Anders sei das in Dörfern. Sollte es in Ellershausen zu einem Plan kommen, ein Nahwärmenetz aufzubauen, sei dort die Gründung einer Genossenschaft wahrscheinlich, erklärte der Bürgermeister. Doch auch in Frankenau erklärten auf Nachfrage des Rathauschefs etwa zehn Gäste ihr Interesse sowohl an der Nahwärme als auch an der Gründung einer Genossenschaft.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare