Umweltfreundliche Energieversorgung

Nahwärme machbar und lohnenswert

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Planer Oliver Berghamer (links) und Ortsvorsteher Marcus Bettelhäuser stellten den Reddighäusern das Konzept für den Aufbau eines Nahwärmenetzes in dem Dorf vor.Foto: Malte Glotz

Hatzfeld-Reddighausen - Reddighausen könnte sich schon in zwei Jahren selbst mit Wärme versorgen. Während der Bürgerversammlung zum Thema Nahwärme kam Begeisterung für das Projekt auf.

Es klingt fast zu schön, um wahr zu sein, was Oliver Berghamer den Reddighäusern am Mittwochabend versprach: Billigere Wärme, ein größeres Gemeinschaftsgefühl, eine Geldanlage für die Zukunft, eine umweltfreundliche Energieversorgung – und der Preis: so gut wie nichts. Berghamer stellte den Reddighäusern ein Konzept für ein Nahwärmenetz vor, das – anders als im benachbarten Holzhausen – in dem Hatzfelder Ortsteil durchaus wirtschaftlich zu betreiben sei. Sogar wirtschaftlicher, als in Schönstadt, erklärte Berghamer im Gasthaus „Zum Edertal“. Der Cölber Ortsteil gilt neben Oberrosphe bei Wetter als Vorzeige-Energiedorf der Region.

Immer wieder aber machte er eines klar: Abwarten lohnt sich nicht. Wenn nicht genügend der 146 Hauseigentümer Teil einer zu gründenden Genossenschaft werden, entsteht diese erst gar nicht. Das Projekt wäre dann beendet. Und selbst wenn es doch zustande kommt, schlägt ein späterer Einstieg mit mindestens 1500 Euro Mehrkosten zu Buche. „Warten Sie nicht, gehen Sie ans Werk“, rief der Ingenieur den Bewohnern zu. Auch Ortsvorsteher Marcus Bettelhäuser warb für das Projekt, bat darum, es auch bei Nachbarn, Freunden, Verwandten bekannt zu machen und dabei die Vorteile zu betonen. Dann könnten bei der Gründungsversammlung für die Genossenschaft Anfang 2014 genügend Teilhaber zusammenkommen.

In diesem Falle – eine Bürgschaft der Stadt Hatzfeld vorausgesetzt – könnten die Planungen Ende 2014 beendet sein, das Nahwärmenetz mit Beginn der Heizperiode im Herbst 2015 seinen Dienst aufnehmen. 7,1 Kilometer Trasse müssten in dem Dorf verlegt werden – dass das ohne Großbaustelle, ohne ein Aufreißen der Straßen nicht geht, erklärte Oliver Berghamer. Zugleich schlug er aber vor, die Chance zu nutzen und zeitgleich Glasfaserkabel zu verlegen. Auch wenn das nicht die Genossenschaft, sondern die Stadt zahlen müsste: Günstiger käme die Rettungsschirm-Kommune wohl nicht zu einem Netz in ihrem größten Ortsteil.

Berghamer erläuterte das Konzept: In den drei größten Unternehmen des Dorfes würden Blockheiz-Kraftwerke (BHKW) installiert, zudem eine weitere, unabhängige Anlage, ein kleines BHKW zum Dauerbetrieb der Pumpen sowie zwei hochmoderne, doch gewöhnliche Erdgas-Kessel, um Spitzen im Winter abzufangen. Dezentral würde ein großes Wasserreservoir geheizt. Durch das neue, hochgradig gedämmte Netz unter den Straßen des Dorfes käme das Wasser direkt in die Häuser, wo ein Abnehmer den Ölkessel oder die Erdgasheizung ersetzt. Die Heizung schließt ein Monteur an diesen Abnehmer an.

Die Blockheizkraftwerke erfüllen zwei Aufgaben: Sie liefern Strom für die Unternehmen und Wärme für das Dorf. Möglich wäre unter Umständen auch, Strom an alle Genossen zu liefern – mit einer Ersparnis von rund zwei Cent pro Kilowattstunde.

Das wahre Potenzial aber liegt in der Wärme. Mit Modellrechnungen belegte Berghamer, dass ein Durchschnittshaushalt auf Erdölbasis jährlich etwa 2300 bis 2800 Euro für Wärme ausgibt – einschließlich Wartung, Kehrer, Rücklagen für eine neue Anlage und mehr. Bei einem Erdgas-Haushalt liegen die Kosten seiner Berechnung nach bei etwa 2000 bis 2200 Euro. Bei der Nahwärme jedoch betragen sie nur etwa 2000 Euro – 9,52 Cent je Kilowattstunde für fertige Nutzwärme.

Bei dem Blick auf die Kosten verschlug es allerdings einigen Teilnehmern der Sitzung den Atem: Auf 4,71 Millionen Euro taxierte Berghamer den Investitionsbedarf. Wenn alle 146 teilnehmenden Haushalte 5000 Euro zahlten, wären 0,73 Millionen Euro sofort getilgt. Die Zuschüsse lägen bei etwa 0,86 Millionen Euro – und 2,52 Millionen Euro müssten die Genossen über 20 Jahre über den Kilowatt-Preis tilgen. Dann aber erklärte Berghamer den großen Vorteil: „Die Technik hält 40 Jahre und länger“, sagte er – die Reddighäuser hätten also nach 20 Jahren ein eigenes, abgeschriebenes Netz und eine – im Idealfall – Dividende abwerfende Genossenschaft.

Ortsvorsteher Bettelhäuser machte zum Schluss eine deutlich simplere Rechnung auf: „Wir geben im Jahr in Reddighausen 230000 Euro für Erdöl aus. Lasst uns diese Wertschöpfung hier im Dorf lassen“, bat er um Initiative seiner Mitbürger.

Bei Fragen zum Thema steht Ortsvorsteher Bettelhäuser unter Telefon 06452/93025 zur Terminvereinbarung bereit.

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