Verein "Historisches und kulturelles Bromskirchen" eröffnet Ausstellung

Aus Namen werden Schicksale

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Christel und Helmut Salzmann betrachten die Ausstellung im Rathaus aus einer persönlichen Perspektive: Das Foto in der Mitte der unteren Reihe zeigt Wilhelm Schmitt aus Neuludwigsdorf – Christel Schmitts Vater, das rechte Foto ist das Hochzeitsbild ihrer Eltern. Fotos und Repros: Andrea Pauly

Bromskirchen - Sie waren Väter, Söhne, Onkel: Die Männer, die im Zweiten Weltkrieg starben oder vermisst wurden. Genau 70 Jahre nach Kriegsende warnen die Bromskirchener vor dem Vergessen und erinnern im Alten Rathaus an ihre Kriegstoten.

Es sind 63 Namen auf den Plaketten am Ehrenmal; die Namen jener Menschen aus Bromskirchen, die im Zweiten Weltkrieg starben. Der Verein „Historisches und kulturelles Bromskirchen“ hat 52 dieser Namen nun Gesichter und Geschichten zugeordnet: In einer Ausstellung zeigen sie, wer damals starb, wen die Soldaten und zivilen Opfer hinterließen. Plötzlich werden aus den bis dato Fremden beinahe Bekannte: Der Opa des Nachbarn, der Schwiegervater oder der eigene Großonkel, von dem die jüngeren Familienmitglieder manchmal nur wussten, dass er „im Krieg geblieben“ war.

Welche Schicksale hinter den Namen am Ehrenmal stehen, fanden die Mitgliedern des Vereins nach und nach heraus - eine beklemmende Erfahrung, wie Jürgen Helduser bei der Eröffnung am Samstag betonte.

Auch Rosemarie Steuber ist nachhaltig tief beeindruckt und berührt von den Geschichten, die mit den Namen verbunden waren. Sie verweist vor allem auf die beiden zivilen Opfer: Friedchen Andres, eine junge Frau, die durch einen Fliegerangriff getötet wurde, als sie zu Fuß im Feld unterwegs war. Das jüngste Opfer in Bromskirchen war ein kleiner Junge: Hermann Bolte war gerade erst elf Jahre alt, als er beim Spielen im Garten eine Handgranate fand, die in seiner Hand explodierte.

Um deutlich zu machen, dass das Gedenken keine Rechtfertigung der Kriegsverbrechen ist, hat der Verein in der Ausstellung im alten Rathaus der einzigen jüdischen Familie, die in Bromskirchen lebte, mit einer eigenen Tafel gedacht. Darauf ist unter anderem eine Todesnachricht aus dem Konzentrationslager Theresienstadt zu sehen. „Wir wollen deutlich machen, dass auch sie ein Teil des Ortes waren“, sagt Steuber. Vor dem Haus der jüdischen Familie in der Hauptstraße wird deshalb im nächsten Jahr ein Stolperstein gesetzt.

Jürgen Helduser resümierte, was damals wie heute galt und gilt: „Der Krieg bringt nur Verlierer hervor.“

(Von Andrea Pauly)

Die Ausstellung ist bis zum Ende des Sommers immer sonntags von 11.30 bis 13 Uhr und montags von 15 bis 17 Uhr geöffnet sowie nach Vereinbarung mit Jürgen Helduser unter Telefon 02984/1668 oder Rosemarie Steuber unter 02984/8325.

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