Haustiere und Hitze

Ein nasses T-Shirt hilft Waldi

Battenberg - „Tiere sind im Prinzip auch nur Menschen“, sagt der Battenberger Veterinärmediziner Dr. Ulrich Graw aus Battenberg. Der Tierarzt empfiehlt: Bei heißem Wetter sollten Tiere so versorgt und behandelt werden wie Menschen. Man solle Schatten und Kühle nutzen, ausreichend trinken lassen und Ruhepausen einlegen

Wie viel Wasser brauchen Hunde an heißen Tagen?

Der Wassernapf sollte immer gut gefüllt sein. Ein Hund, der es mag, sollte Gelegenheit zum Baden bekommen. Bei längeren Trockenphasen sollte man auch auf die Wasserqualität achten. Flüsse sind zum Baden besser geeignet als stehende Gewässer.

Was kann man sonst tun, um Hunden die Hitze erträglicher zu machen?

Der Hund sollte immer die Möglichkeit haben, sich in den Schatten zu begeben. Also Hunde nie in der Sonne anleinen! Ein kühler Raum ist am besten. Einige Hunde kann man im Sommer scheren - aber nicht zu kurz, sonst besteht Sonnenbrandgefahr. Hunde mit heller Nase und hellen Ohren kann man mit Sonnenschutz eincremen. Noch ein Tipp: Bei extremer Hitze mögen Hunde die Verdunstungskälte eines nassen T-Shirts, weil sie nicht schwitzen können.

Was ist beim Gassigehen im Sommer zu beachten?

Spaziergänge sollte man auf die Morgen- und Abendstunden beschränken. Kein Extremsport wie Laufen am Fahrrad! Schwimmen ist der Idealsport für Hunde.

Was ist bei Hunden im Auto zu beachten?

Das Auto kann im Sommer zur tödlichen Falle werden. Man sollte Hunde möglichst nicht im Auto lassen. Wenn doch: Im Schatten parken und die Fenster, noch besser: Türen offen lassen. Beachten sollte man auch, dass die Sonne wandert. Irgendwann steht das Auto nicht mehr im Schatten. Wenn man in einer Stadt unterwegs ist, kann man in der Tiefgarage parken und den Hund bei leicht geöffneten Fenstern im Auto lassen. Im Auto sollte man immer Wasser zum Saufen für den Hund dabei haben. Bei längeren Autofahrten Pausen zur Bewegung und zum Trinken einlegen.

Gibt es Hunderassen, die besonders anfällig für große Hitze sind?

Einen Sonderfall stellen die so genannten brachycephalen Hunde dar, Hunde mit Kurzschnauzen, von Mops über Pekinese bis zur Bulldogge. Grundsätzlich können Hunde nicht schwitzen. Die Temperaturregulation erfolgt durch Hecheln über die Atemwege (Nase, Rachen, Zunge). Die Kurzschnauzen kriegen das kaum hin. Für sie bedeutet Sommerhitze Lebensgefahr. Besonders gefährdet ist die Moderasse „Französische Bulldogge“.

Wie macht sich ein solcher Hitzeschock bei Kurzschnauzen bemerkbar?

Die Hunde fallen um und müssen wiederbelebt werden. Alarmzeichen sind verstärktes Hecheln, Apathie und eine dunkle Zunge. Das ist ein Notfall! Man muss die Hunde sofort kühlen, mit Wasser übergießen und sofort zum Tierarzt, der eine Infusion legt. Oft kommt jedoch jede Hilfe zu spät, weil die Hitze irreversible Organschäden verursacht. Wir hatten auch in unserer Praxis schon einen Hund, dem ich nicht mehr helfen konnte. Wenn es im Sommer warm ist, sollten kurzschnäuzige Hunde überhaupt nicht ins Freie. Sie sollten ihr Geschäft erledigen und sofort wieder ins Haus. Gassi gehen sollte man erst spät abends und/oder früh morgens.

Was muss man bei Katzen in der Sommerhitze beachten?

Bei Katzen, besonders bei Freigängern, gibt es eigentlich überhaupt keine Probleme. Katzen machen es sich selbst angenehm und finden ein kühles Plätzchen. Vorsicht ist allerdings in Dachwohnungen und bei Stauhitze geboten. Man sollte immer die Fenster so öffnen, dass ein Lüftchen geht. Kippfenster können für Katzen jedoch zu einer tödlichen Falle werden, wenn die Katze beim Rein- oder Rausklettern hängen bleibt. Dabei können Katzen ersticken. Futterreste sollte man im Sommer regelmäßig entfernen.

Woran sollte man bei Kaninchen und Meerschweinchen denken?

Meerschweinchen kommen aus den Anden. Dort ist es im Sommer nie so heiß wie bei uns. Frei lebende Kaninchen ziehen sich bei Hitze in ihre kühlen Erdlöcher zurück. Allgemein halten Kaninchen und Meerschweinchen eher Minustemperaturen aus als große Hitze. Man sollte immer Wasser zur Verfügung stellen und einen Unterstand gegen Regen und Hitze bauen. Ein Dach ist besser als eine Kiste mit Öffnung - wegen der Stauhitze. Der Stall sollte nicht in der Sonne stehen. Grünfutter und Saftfutter wie Gras, Äpfel, Gurken und Möhren sollte man stets frisch vorlegen und nicht gefressenes Futter entfernen. Denn bei Hitze setzt die Fäulnis schneller ein.

Besteht für Kaninchen und Meerschweinchen die Gefahr eines Madenbefalls?

Die Gefahr besteht, wenn der Stall nicht richtig sauber ist und der Kot am Fell der Tiere klebt. Schmeißfliegen legen ihre Eier bevorzugt in Kotansammlungen ab. Die Maden fressen erst den Kot und dann die Tiere bei lebendigem Leib. Das ist ein Notfall, der sofort vom Tierarzt behandelt werden muss. Ein Alarmzeichen ist es, wenn die Tiere Durchfall haben. Abhilfe schafft es, Kaninchen und Meerschweinchen zwei Mal am Tag das Hinterteil abzuputzen. Als Schutz vor den Schmeißfliegen kann man eine Gardine vor den Stall hängen.

Was raten Sie Menschen, die Vögel als Haustiere halten?

Auch hier gilt: Den Käfig nicht direkt in die Sonne stellen, für Schatten und frische Luft sorgen, immer Wasser zur Verfügung stellen. Manche Vögel nehmen gern ein Bad. Andere mögen es an heißen Tagen, wenn sie mit Wasser eingesprüht werden. (off)

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