Reaktion auf Aussagen von Bürgermeister Lothar Koch zum Verlauf der B?252-Umgehung Ernsthausen

Naturschützer fordern runden Tisch

Vier Naturschutzverbände, darunter auch der Verein zum Schutz und Erhalt des Lebensraums Burgwald, fordern eine Umplanung bei der B 252-Ortsumgehung Ernsthausen. Foto: Archiv

Burgwald-Ernsthausen - Ein so genanntes Konsensverfahren, wie es bei der Planung des Ausbaus der Bundesstraße 253 über die Sackpfeife praktiziert wurde, fordern vier Naturschutzverbände auch für die Ernsthäuser und Bottendorfer Umgehung.

In einer gemeinsamen Erklärung beziehen Frank Schütz vom BUND, Reinhard Mayer als Vorsitzender des Vereins zum Schutz und Erhalt des Lebensraums Burgwald (VSELB), Heinrich Binzer vom Verband Hessischer Fischer (VHF) und Heinz-Günther Schneider vom NABU Stellung zur Diskussion um den Trassenverlauf der B252-Ortsumgehungen Ernsthausen und Bottendorf.

Mit Freude hätten sie auf das Interview der Frankenberger Zeitung mit Burgwalds Bürgermeister Koch reagiert, in dem er die von den Verbänden vorgeschlagene Linienführung der Bundesstraße 252 mit einer Anbindung an den Schafterbach favorisiert und die Idee eines runden Tisches ins Spiel gebracht habe. „Doch diese Freude ist durch die nachfolgende Klarstellung, mit der Koch seine Aussage relativiert und zu der er offensichtlich gedrängt wurde, wieder verklungen“, schreiben die Naturschutzverbände. „Es sollte eine Selbstverständlichkeit in einer Demokratie sein, dass ein Amtsinhaber auch seine persönliche Meinung kundtut.“ Nichts anderes habe Koch getan. Es sei sicher nicht sein Ansinnen gewesen, Parlamentsbeschlüsse zu torpedieren, sondern vielmehr, eine Lösung zu finden, die von einer breiteren Basis getragen werden kann und die der Praxis gerecht werde, wird in der Erklärung auf die fehlende Ausweichstrecken bei Vollsperrung, die Befahrbarkeit bei schlechter Witterung, die Nutzung vorhandener, gut ausgebauter Bereiche verwiesen. „Dass für die jetzige Planung, deren Sinn kaum einer versteht, Na-turschutzgründe vorgeschoben werden, nämlich die geringere Zerschneidung des Burgwalds, ist für Naturschützer besonders ärgerlich.“ Sicher habe der Bürgermeister an eine kurzfristig und problemlos umsetzbare Lösung gedacht. „Dafür sollte er Lob ernten und keine Kritik.“

Sachlich nicht nachvollziehbar sei jedoch Kochs Verweis auf die Vorgehensweisen bei den Projekten B252 im Marburger Raum und B253 im Bereich der Sackpfeife. „Da gibt es keine Parallelen“, sind die Naturschutzverbände überzeugt. Wären bei der Planung der B252 zwischen Lahntal-Göttingen und Münchhausen frühzeitig alle Interessengruppen eingebunden worden, „dann wäre es nie zu einer Klage des NABU gekommen“. Allerdings habe der Umstand, dass diese Klage zurückgezogen wurde, zur Folge, „dass Naturschützer nicht mehr für Verzögerungen bei der Ausführung verantwortlich gemacht werden können. Jetzt wird nämlich deutlich, dass kein Geld da ist. Mit der eilig bereitgestellten Startsumme wird man nicht weit kommen, und die verantwortlichen Politiker werden sich vielleicht nach neuen Einsprüchen sehnen, um Sündenböcke für den stockenden Weiter-bau präsentieren zu können.“

Ganz anders sei bei der B253 verfahren worden: Im Fall Sackpfeife habe das mit der Planung beauftragte, damalige ASV Marburg Baurecht erlangt, indem ein so genanntes „Konsensverfahren“ durchgeführt wurde. Dabei seien alle Träger öffentlicher Belange an einen Tisch geholt worden. Der NABU und der BUND hätten diese Möglichkeit für eine konstruktive Mitarbeit genutzt. Das Ergebnis sei eine rechtssichere Planung, die einen verzögerungsfreien Baubeginn ermögliche.

Wenn ein solcher Weg auch in Ernsthausen eingeschlagen würde, „wäre eine einvernehmliche Lösung aller Interessengruppen erreichbar. Wir hoffen darauf, dass sich Bürgermeister Lothar Koch nicht entmutigen lässt und zum runden Tisch einlädt. Der Verein zum Schutz und Erhalt des Lebensraumes Burgwald und die Naturschutzverbände wären dabei.“ (r)

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