Poetry Slam

"Negative Gefühle machen mehr Spaß"

+
Manuel Cronau, Sandra Wilhelm und Fynn Held (von links) treten heute Abend bei den Mittelhessischen Meisterschaften im Poetry Slam in Eschwege an.Foto: Patricia Kutsch

Frankenberg - Sie schreiben sich ihre Gefühle vom Herzen - über Wut, Politik und Oberflächlichkeit. Sandra Wilhelm, Fynn Held und Manuel Cronau "slamen" ihre Texte sogar auf der Bühne. Heute vertreten sie die Edertalschule bei einer Meisterschaft im Poetry Slam in Eschwege.

„Ich weiß noch gar nicht, welchen Text ich vortrage. Das entscheide ich spontan“, sagt Manuel Cronau. Er tritt heute Abend in Eschwege gegen seine Mitschüler Sandra Wilhelm und Fynn Held im Poetry Slam (sinngemäß: Dichterwettstreit) an. „Ich bin noch offen für alles“ - auch Held hat sich noch nicht entschieden. Einzig Wilhelm weiß schon genau, was sie vortragen wird. Das behält sie aber noch für sich.

Aufgeregt sind die Drei nicht: „Nach dem vierten Slam ist man nicht mehr so nervös“, sagt Fynn. Er hat schon viel Bühnenerfahrung gesammelt. Sandra ist eher ein Neuling, „aber ich achte während des Vortrags nicht auf das Publikum, sondern schaue auf meinen Zettel und versuche die Message rüberzubringen“.

Alle drei Schüler lesen ihre Texte von Zetteln ab - an manchen Stellen ziemlich frei. Das ist beim Poetry Slam normal: Es geht nicht darum, frei vorzutragen. Es geht darum, wie der Text beim Zuhörer ankommt.

Spaß haben die drei sichtlich, wenn sie ihre Texte „slamen“. Sie schreiben und sprechen über den Tod, über Krieg und oberflächliche Menschen, aber auch darüber, das Leben zu genießen und echten Freunden Vertrauen zu schenken. Manche Texte reimen sich, alle überzeugen durch ihren Tiefgang und ihre manchmal unterschwellige, oftmals recht deutliche Kritik an der Gesellschaft.

Sandra schreibt am liebsten gefühlvolle Texte über Dinge, die sonst nicht so offensichtlich sind. Die Neuntklässlerin findet es toll, im Poetry Slam den Zuhörern eine Botschaft zu vermitteln.

Fynn findet es einfach, witzige Texte zu schreiben, die eine Spur satirisch sind. Sein jüngster Text ging um die Frauenquote und die Post-Gender-Diskussion, denn Fynn hält solche Themen für überflüssig. Über positive Gefühle schreibt er nicht so oft - die würden schnell zu kitschig. „Jeder verfällt relativ schnell in Muster. Sie zu durchbrechen, ist das schwerste am Schreiben.“

Manuel hingegen schreibt am liebsten über Themen, die ihn sauer machen: „Da fällt mir mehr zu ein.“ Beim Vortrag sei es dann wichtig, im Kopf zu haben, wie der Text klingen soll: „Wenn man einfach nur vorliest ist es langweilig“. Manuel macht es Spaß, vor allem die negativen Gefühle auszudrücken.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare