Allendorf (Eder)

Neue Biogas-Anlage in Betrieb

- Allendorf (Eder) (da). Seit Mittwoch ist die Biogas-Anlage der Firma Viessmann in Betrieb. Sie hat 2,5 Millionen Euro gekostet.

Nach elf Monaten Bauzeit haben Unternehmenschef Dr. Martin Viessmann, Hessens Umweltministerin Silke Lautenschläger und weitere Ehrengäste symbolisch den Startknopf gedrückt. In der direkt gegenüber dem Hauptwerk stehenden Anlage wandelt der Allendorfer Heiztechnikhersteller Bio-Reststoffe aus Landwirtschaft und Landschaftspflege in Strom und Wärme um.

Aus jährlich 4500 Tonnen Substrat werden mehr als 500 000 Kubikmeter Biogas gewonnen, das in einem Blockheizkraftwerk zu 1,2 Millionen Kilowattstunden elektrische und 1,5 Millionen Kilowattstunden thermische Energie umgewandelt wird. Die Wärme wird ins Viessmann-Werk geleitet, der Strom ins öffentliche Netz. Viessmann deckt damit vier Prozent seines elektrischen und drei Prozent des thermischen Bedarfs.

Mit der Fertigstellung der 2,5 Millionen Euro teuren Anlage steigt der Anteil der erneuerbaren Energien im Allendorfer Unternehmenssitz auf 23 Prozent – drei Prozent steuert die Biogasanlage bei. Sie ist Bestandteil des Projekts „Effizienz Plus“, mit dem das Allendorfer Unternehmen den Bedarf an fossilen Energien durch die Nutzung aktueller Technik verringern will.

Die überwiegend von Landwirten aus der Region angelieferten Bio-Reststoffe – zum Beispiel Grasschnitt, Mist, Pflanzen oder Mais – werden mit dem Radlader in eine der vier Gärkammern, so genannten Fermentern, gefahren. Dort bleiben sie bei 38 Grad etwa 28 Tage lang eingeschlossen und produzieren dabei durch die Vergärung Methan.

Dieses Prinzip heißt Trockenfermentation und ist in Biogasanlagen bislang noch weitaus seltener als Nassfermentation, bei der das Substrat mit Wasser vermischt wird. Die zur Viessmann-Gruppe gehörende Firma Bioferm ist Spezialanbieter für Trockenfermentation-Anlagen. Das Gas wird abgesaugt, kommt in einen Tank und wird dann im Blockheizkraftwerk zu Energie umgewandelt.

Geruchsbelastungen für die Anwohner solle es nicht geben, versprechen die Viessmann-Experten. Wenn der Gärprozess abgeschlossen ist, können die Grünabfälle als Düngemittel verwendet werden. Auch die weiteren Details der Anlage freut Umweltfreunde: In einer 20 000 Liter großen Zisterne wird Regenwasser gesammelt, das zur Reinigung der Anlage genutzt wird, und auf dem Dach sind Solarzellen installiert.

„Klimaschutz und eine sichere Energieversorgung sind eine der größten Herausforderungen, denen die Menschheit gegenübersteht“, sagte Dr. Martin Viessmann. Energie müsste effizienter genutzt werden. „Wir sehen bei Biomasse in der zentralen Rolle. Die Klimaschutzziele sind nur erreichbar, wenn die Nutzung der Biomasse ausgebaut wird.“

Ziel sei, dass im Unternehmen nur so viel Energie verbraucht wird, „wie wir selber erzeugen“. Ziel der Anlage ist aber nicht nur die Energieerzeugung: Sie soll auch zu Forschungszwecken genutzt werden. Deshalb hat das Land den Bau mit 95 000 Euro gefördert.

Hessens Umweltministerin Silke Lautenschläger (CDU) betonte den hohen Stellenwert von Biomasse. Sie biete den Vorteil, dass sie rund um die Uhr zur Verfügung stehe und speicherbar sei. „Biomasse kann noch ausgebaut werden“, sagte sie. Der Vorteil sei, dass Biomasse rund um die Uhr zur Verfügung stehe und gespeichert werden könne. „Ziel ist, dass im Jahr 2020 die Hälfte der erneuerbaren Energie aus Biomasse kommt.“

Das Beispiel „Effizienz plus“ des Allendorfer Unternehmens beweise, wie erneuerbare Energien und intelligente Technik miteinander verbunden werden könnten. „Bei Viessmann wird gezeigt, dass es geht.“

Ein Vorteil von Biomasse sei, dass sie nicht wie Öl oder Erdgas importiert werden müsste, sagte Heinrich Heidel, Vorsitzender des Kreisbauernverbands. „Die Regionalisierung der Energiegewinnung ist eine große Herausforderung.“ Er dankte Dr. Martin Viessmann für die gute Zusammenarbeit mit den heimischen Landwirten.

Viessmann beschäftigt an seinem Unternehmenssitz rund 3800 Mitarbeiter. Allendorfs Bürgermeister Claus Junghenn dankte für das „klare Bekenntnis zu dem Standort, an dem das Unternehmen 1938 gegründet wurde“. Viessmann habe bei der Nutzung regenerativer Energien „ein unglaubliches Tempo“ vorgelegt. Die Biogasanlage sei dabei ein weiterer Meilenstein.

Weitere Teilnehmer der Eröffnungsfeier waren unter anderem Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke, Landrat Dr. Reinhard Kubat sowie die Bürgermeister Claus Junghenn (Allendorf), Heinfried Horsel (Battenberg) und Christian Engelhadt (Frankenberg).

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