Auswirkungen des langen Winters

Neue Mode kommt langsam, aber bunt

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Frankenberg - Der Frühling läuft nur langsam an. Langsam kommt auch das Geschäft mit der Frühjahrsmode in Gang. Frostige Temperaturen verhagelten vielen Kunden bisher die Lust auf bunte Pumps und ausgedehnte Shoppingtouren. Mit den Ferien und den Gute-Laune-Farben in den Regalen steigt jedoch die Einkaufslust.

Der Schnee und der Frost werden weniger, die Shoppinglust wird mehr: Mit dem zunehmend milderen Wetter und der Ferienzeit haben die Menschen im Frankenberger Land auch mehr Lust auf die farbenfrohe Frühjahrsmode. Die verkaufte sich in den vergangenen Wochen schleppend: „Die dicken Stiefel haben wir in diesem Jahr länger im Angebot stehen gelassen als sonst“, sagte Birgit Faupel, Inhaberin des Schuhhauses Finkeldey. Kunden hätten in den vergangenen Wochen immer wieder dicke, warme Schuhe nachgefragt. Das sei eher ungewöhnlich für die Märzwochen. Das bestätigte auch Hans-Heinrich Heinze vom Modehaus Heinze: „Wir verkaufen noch viel mit langen Ärmeln. Das ist ungewöhnlich für die Zeit.“

Bei Finkeldey stehen die neuen Schuhe für die Frühjahrssaison schon längst neben den warmen Stiefeln in den Regalen, auch die Frankenberger Modehäuser sind schon auf Frühling umgestellt: Neonfarben und Blumenprints leuchten aus den Regalen hervor. „Das reizt unsere modebewussten Kunden jetzt schon zum Kauf“, erklärte Faupel. „Aber der Verkauf läuft etwas langsamer an.“ André Kreisz, der Vorsitzende des Kaufmännischen Vereins von Frankenberg bestätigte, dass sich viele Kunden schon von den bunten Farben in den Regalen mitreißen lassen. „Der Frühjahrs-Farbflash ist in den Läden nicht zu übersehen. Es ist ein deutlicher Umbruch von der Winterware zur Frühjahrsmode“, erklärt der Geschäftsführer des Modehauses Eitzenhöfer. So erreiche das Angebot trotz ungemütlicher Temperaturen bereits modisch interessierte Kunden.

„Der reine Bedarfskunde holt sein T-Shirt, wenn ihm warm wird. Das könnte noch ein paar Tage dauern.“ In der Zwischenzeit warte die Modebranche auf moderate Temperaturen - auch um die Frühjahrsjacken verkaufen zu können. „Es gab keine dramtaischen Einbrüche“, sagte Heinze. „Der Verkauf der Frühjahrsmode verlagert sich einfach.“ Sobald es schön wird, rechnet er mit großem Ansturm auf die neue Mode.

Die Branchen sind laut André Kreisz vom langen Frost unterschiedlich stark betroffen. „Für alle gilt: Sind weniger positiv gestimmte Kunden und Gäste unterwegs, sinken die Umsatzchancen.“ Für gute Stimmung sorgen laut Birgit Faupel derzeit die angekündigten zweistelligen Plusgrade in den Wetterberichten. Und die gute Stimmung mache Lust auf bunte Schuhe und Textilien.

Das Ostergeschäft bereichert laut Faupel nicht nur der bald erhoffte Frühlingsbeginn: „In den Ferien sind viele Kunden unterwegs, die ihre frühere Heimat besuchen und die Zeit nutzen, um hier einkaufen zu gehen.“ Die Besucher hätten trotz Schnee und Kälte rund um das Osterfest schon farbenfrohes Schuhwerk mit in die neue Heimat genommen.

„Die Nachosterwoche ist immer belebt. Durch Touristen, Beschäftigte die sich in der Ferienzeit Urlaub nehmen und alle die nicht die Schulbank drücken müssen“, sagte auch Kreisz. Das schlage sich im Umsatz der Einzelhändler nieder.

Das rechnet Kreisz aber den Ferien und nicht dem Wetter an - das sei in dieser Woche noch nicht besser geworden. „Würde die Sonne scheinen und die Temperaturen steigen, würden sicher mehr Kunden flanieren.“ Denn bei der trüben und kalten Wetterperiode der vergangenen Wochen seien sicherlich weniger Menschen unterwegs, als sonst. Und sie halten sich nicht so lange mit einer ausgedehnten Shoppintour auf, wie vielleicht bei Sonnenschein. Aber weil Ostern und damit auch die Konfirmationen in diesem Jahr früher sind, werde damit dem schleppenden Frühjahrsgeschäft ebenfalls entgegen gewirkt.

Das ungemütliche Wetter beeinflusst die Menschen laut Thomas Rudolff, Sprecher der IHK Kassel-Marburg, nicht nur beim Klamotten-Kauf. Vor allem die Autohäuser leiden unter dem langen Winter: „Um diese Zeit zieht der Autohandel normalerweise massiv an“, erklärte Rudolff. Die meisten Kunden warten mit dem Autokauf auf besseres Wetter, verschieben ihn durch den langen Winter vielleicht sogar ins nächste Jahr. „Die Verkaufszahlen sind eingebrochen wie nie.“

Auch die Baubranche leidet lauf Rudolff deutlich: Die Bauphase beginne normalerweise nach der Frostphase - meistens im März. Dieses Jahr verschiebe sich der Beginn von Bauprojekten um einen Monat.

Allerdings gebe es durch den langen Frost auch Gewinner: Energieversorger und Händler von Heizstoffen etwa. „Holz ist mittlerweile zum Teil schwer zu beschaffen“, erklärte Rudolff. Viele Familien tanken eigentlich im Sommer, müssen durch den langen Winter bereits Öl nachordern. „Es sind gute Zeiten für den Energiebereich“.

Gute Zeiten haben laut Rudolff im Gegensatz zu den Autohändlern die Auto-Werkstätten durch Verschleiß: „Der kalte März hat so mancher Autobatterie den Rest gegeben.“

von Patricia Kutsch

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