Investoren kaufen Kugel- und Kontra-Gelände

Neue Nachbarn am Frankenberger Tor

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Ein Unternehmer aus Schwalmstadt hat das Kugel-Gelände zwischen Siegener und Auestraße erworben. Bis auf das Wohnhaus sollen die alten Gebäude abgerissen werden – eine neue Nutzung steht noch nicht fest.

Frankenberg - Vieles bewegt sich in der Röddenauer Straße. Die oft beschworene "neue Frankenberger Mitte" nimmt Form an: Gleich zwei weitere Investoren planen Projekte in unmittelbarer Nachbarschaft zum Frankenberger Tor.

Die Stadt Frankenberg scheint nicht nur für Niederländer, sondern auch für Investoren aus der Region ein interessantes Pflaster zu sein - vielen Unkenrufen zum Trotz. Gleich neben dem im Bau befindlichen Frankenberger Tor von Ten Brinke sollen Leerstände regem Geschäftsleben weichen. Ein Investor aus Marburg arbeitet schon seit Monaten an Plänen für den alten Kontra-Markt in der Röddenauer Straße. Eine Schwalmstädter Firma hat das Kugel-Gelände gleich gegenüber erworben.

„Wir wollen das Gelände entwickeln“, sagt Eberhard Unger über das Kugel-Grundstück. Der Schwalmstädter Bauunternehmer und Immobilenmakler hat die Fläche zwischen Siegener Straße und Auestraße vor wenigen Tagen gekauft, nachdem es um die rund 6000 Quadratmeter unter der Hand zuvor ein großes Gerangel gegeben hatte. Selbst über eine Zwangsversteigerung des Grundstücks war nachgedacht worden, um die komplexen Besitzverhältnisse aufzulösen.

Doch die Versteigerung ist vom Tisch: Mit Ungers Tochterfirma „Kurhessen Gewerbebau“ steigt ein Unternehmen ein, das bereits einige große Projekte umgesetzt hat. Das prägnanteste ist wohl das Fachmarktzentrum „Alter Busbahnhof“ in Stadtallendorf. Rund um den Bau, in dem unter anderem die Supermärkte Aldi und Rewe, der Drogist Müller sowie Deichmann untergekommen sind, fand im Jahr 2010 der Hessentag statt - so dürfte das Zentrum vielen noch in Erinnerung sein.

Das Unternehmen hat zudem Erfahrungen im Bau von Ärztehäusern, Altenheimen, Gesundheitszentren, aber auch gewöhnlichen Wohn- und Geschäftshäusern. „Das ist ganz sicher das derzeit beste Grundstück in Frankenberg“, freut sich Eberhard Unger über seinen Kauf.

Keine Konkurrenz für die Fußgängerzone

Was genau mittelfristig auf dem Gelände entstehen könnte, mag er noch nicht beurteilen: „Wir haben von der Tankstelle bis zum Markt viele Ideen“, sagt er - und ergänzt mit Blick auf den großen Nachbarn Ten Brinke: „Das Frankenberger Tor hätten wir aber niemals gebaut.“Wenn auf dem Kugel-Gelände irgendwann die Bagger rollen, sollen sie nur etwas schaffen, das keine Kaufkraft aus der Fußgängerzone abzieht: „Eine Fußgängerzone ist identifikationsstiftend für eine Stadt“, zeigt sich Unger überzeugt.

Lob findet er für Bürgermeister Rüdiger Heß, der „viel für die Fußgängerzone und die Stadt als Ganzes bewegt“. Dennoch greift der Unternehmer scharf eine Einrichtung an, deren Schaffung dem Bestandsschutz in der Fußgängerzone dienen sollte: die sogenannte Frankenberger Liste. Sie regelt, welches Sortiment auf welcher Verkaufsfläche angeboten werden darf - für Lebensmittelhändler etwa gilt eine 800-Quadratmeter-Grenze. „Die Frankenberger Liste behindert die Stadtentwicklung“, sagt Unger. Sein Projekt mit der obersten Priorität etwa kann er nicht umsetzen - wegen der Liste. „Wir halten die Frankenberger Liste für nicht haltbar“, sagt der Geschäftsmann - und meint das ganz offen auch im rechtlichen Sinne. Nur: Geklagt hat bislang niemand gegen das Schriftstück.

Diese Liste ist es auch, die ein weiteres Projekt gegenüber verkompliziert. Seit Monaten ist das ehemalige Kontra-Gelände mit einem Bauzaun versehen. Tatsächlich liegen dem Investor aus Marburg nach FZ-Informationen sowohl Abriss- als auch bedingt eine Baugenehmigung vor. Und doch tut sich zumindest baulich nichts - weil Investor KF Immobilien noch mit einem Mieter in Gesprächen ist, dessen Sortimentsstruktur teilweise durch die städtebauliche Liste eingeschränkt würde. Sicher hingegen ist, dass ein Allendorfer Unternehmer in den künftigen Neubau einziehen soll: Thomas Zimmermann, Betreiber des Fitness-Studios „Get Fit“, möchte in der oberen Etage ein gehobenes Gesundheitszentrum eröffnen. Er ist damit der Erste, der ein konkretes Projekt für eine der beiden Flächen vorsieht.

„Fitness-Studios waren gestern“, sagt er. Sein Angebot richtet sich an die Generation 40 plus - was nicht heißen soll, dass Jüngere nicht auch willkommen wären. „Wir wollen die Lücke nach einer Rehabilitation schließen“, sagt der Unternehmer: Trainingskonzepte sollen auf den Kunden abgestimmt sein. Dafür braucht er auf der Fläche - er spricht von mindestens 1000 Quadratmetern - nicht nur moderne Technik: „Top-Geräte sind heute Standard“, sagt er. Worauf es ankomme, sei das Personal.

Bis zu sechs neue Arbeitsplätze möchte Zimmermann schaffen, wenn das Projekt umgesetzt wird. Er spricht von einer „hochgradig qualifizierten Personalstruktur“. Und er wendet sich schon jetzt an die Vereine in der Stadt: „Wir wollen nicht in Konkurrenz zu den Vereinen treten“, sagt er. Vielmehr soll es Möglichkeiten der Zusammenarbeit geben. Die Vereine sollen teilhaben können an „corpus pro“. So soll das Gesundheitszentrum in der RöddenauerStraße heißen.

Ebenso wichtig ist es ihm aber auch, seine Kunden in Allendorf zu beruhigen: „Das ‚Get Fit‘ bleibt in Allendorf so, wie es ist.“ Doch Thomas Zimmermann sieht in Frankenberg genug Potenzial, sich ein weiteres Standbein aufzubauen - trotz der großen Konkurrenz durch einige Günstig-Alternativen und einen starken, bereits am Markt etablierten Anbieter.

Zweiter Mieter bemängelt die Parkplatzsituation

Seine Mitarbeiter sollen den Kunden individuelle Trainingslösungen erarbeiten - je nachdem, ob sie wegen Stoffwechselerkrankungen, Herz-Kreislauf-Problemen oder orthopädischer Schäden kommen. „Wir bieten alles von funktionellem Training über einen elektronischen Trainingszirkel bis hin zur Beweglichkeitstherapie“, kündigt der Allendorfer an. Zudem hätten Physiotherapeuten aus Frankenberg Interesse angedeutet, an dem Projekt mitzuwirken - als eigenständige Einheit im Rahmen von „corpus pro“.

Bis es so weit ist, muss allerdings erst einmal gebaut werden auf dem alten Kontra-Gelände - und zuvor abgerissen. Einen Zeitpunkt mag weder Zimmermann noch sein Marburger Investor nennen. „Wir brauchen erst noch vom zweiten Mieter eine Rückmeldung“, heißt es von KF Immobilien. Dieser zweite Mieter habe wohl Probleme mit der Parkplatzsituation - „und man muss auf diese Problematik reagieren“, erklärt das Unternehmen. Fest stehe aber: „Wir sehen Potenzial in der Fläche“ - auch wenn die Stimmung nach mehr als einem Jahr der Planungen inzwischen „etwas angespannt“ sei.

Lockerer sieht es Eberhard Unger aus Schwalmstadt. „Der Abriss geschieht im Laufe dieses Jahres“, sagt er über das Kugel-Gelände. Das Wohnhaus bleibe stehen. Bis dann, hofft er, habe sich in Sachen Frankenberger Liste vielleicht etwas getan.

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