Dichtigkeitsnachweis für Gruben

Neue Regeln für Gülle gefährden kleine Bauernhöfe

Schweinemast im Kleinen: Werner und Renate Diele aus Geismar mästen rund zehn Schweine pro Jahr. Die Tiere stehen auf Stroh, wie auch die sechs Milchkühe nebenan. Diese Form der traditionellen kleinen Landwirtschaft ist mehr denn je vom Aussterben bedroht. Fotos: Biedenbach

Waldeck-Frankenberg. Zwei geplante neue Verordnungen für die Lagerung und die Ausbringung von Gülle in Deutschland bereiten heimischen Landwirten Sorgen. „Die Änderungen gefährden gerade kleine Höfe", warnen die Kreisbauernverbände Frankenberg und Waldeck.

Die erste Änderung betrifft die Düngeverordnung: Der Zeitraum für die Ausbringung von Gülle soll um einen Monat verkürzt werden: Dann dürfte auf Ackerland schon ab dem 1. Oktober und auf Grünland ab 15. Oktober bis jeweils 31. Januar keine Gülle mehr ausgebracht werden, erläutert Matthias Eckel, Geschäftsführer im Kreisbauernverband Frankenberg. „Das ist in unserer Mittelgebirgslandschaft, wo sich die Getreideernte bis in den September hinzieht, zeitlich nicht machbar“, sagt Eckel.

Nach der Ernte werde das Land zunächst aufgelockert (gegrubbert), damit Ausfallgetreide und Unkraut aufgehen und später untergepflügt werden können. Das spare den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. „Wir brauchen flexible Verordnungen, die sich nach dem Wetter und den Nitratwerten in der Region richten“, fordern Eckel und seine Korbacher Kollegin Stephanie Wetekam. Eine Regulierung könnte das jeweilige Amt für Landwirtschaft treffen, schlagen sie vor.

Der zweite Punkt ist die Jauche-Gülle-Sickersaft-Anlagenverordnung: Diese Verordnung betrifft Jauche- und Güllegruben. Die Landwirte sollen dafür künftig Dichtigkeitsnachweise vorlegen. „Wie soll man das bei Jauchegruben, die sich in vielen kleinen Höfen unter dem Pflaster befinden, machen?“, fragt Eckel.

Ein Güllebehälter koste mindestens 30.000 Euro. Meist sei auf den Höfen gar kein Platz dafür. Zudem bekämen die Bauern bei einem solchen Bau Ärger mit ihren Nachbarn.

„Wenn dieses Auflagen kommen, dann hören wir mit der Landwirtschaft auf“, sagt Renate Diele, die mit ihrem Mann Werner in Geismar einen Nebenerwerbshof mit sechs Milchkühen und zehn Schweinen bewirtschaftet.

„Dann hätte die Bundesregierung der Landwirtschaft einen Bärendienst erwiesen“, meint Matthias Eckel. „Denn gerade die kleinen Höfe mit ihrer extensiven Tierhaltung setzen eine Vielfalt von Naturschutzaspekten um“, gibt er zu bedenken.

Das Bundesministerium für Landwirtschaft äußerte sich trotz mehrfacher HNA-Anfrage zu der Kritik nicht.

Von Martina Biedenbach 

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Quelle: HNA

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