Schreufa

Neuenhauser Gruppe übernimmt Scholze – Zukunft für 40 Mitarbeiter

- Am 1. August wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Mitarbeiter und Gläubiger werden Geld bekommen – allerdings nicht so viel, wie ihnen eigentlich zusteht.

Genau 22 Euro waren in der Kasse, als Insolvenzverwalterin Gundula Pierson (Marburg) zum ersten Mal bei der Firma Scholze in Schreufa war. Das Unternehmen war seit dem 29. April geschlossen, Kunden und Lieferanten erhielten keine Antworten auf ihre Anfragen, seit Januar hatten einige Mitarbeiter keinen Lohn mehr erhalten. „Eigentlich kann man da nur sagen: Dichtmachen“, sagt Gundula Pierson rückblickend. Doch gemeinsam mit einem Teil der Belegschaft ging sie an die Arbeit. Mit Erfolg: Die Firma Scholze wird es auch weiterhin geben. Die Neuenhauser Gruppe übernimmt das Unternehmen – wenn die Gläubigerversammlung zustimmt. Doch davon ist laut Pierson auszugehen. Künftig heißt das Unternehmen „Scholze Germany GmbH“. Für die Mitarbeiter bedeutet dies das Ende von einer langen Ungewissheit: Schon seit etwa drei Jahren gab es immer wieder Probleme im Unternehmen, immer wieder wurde das Ruder kurz vor dem Ende noch einmal herumgerissen (FZ berichtete). Heinz Wilhelm Kamp vom Vorstand der Neuenhauser Gruppe kündigte am Freitag bei einem Empfang anlässlich der Übernahme einige Veränderungen an. Das Werk I, das aus Richtung Frankenberg links der Straße liegt, wird stillgelegt. Für diese Fabrikhallen sucht die Insolvenzverwalterin nach möglichen Investoren. Erste Gespräche haben bereits stattgefunden. Die Produktion und die Büroräume werden komplett in das Werk II auf der anderen Seite der Straße verlegt. Dieses Gebäude hat der neue Eigentümer der Firma gemietet. Das hält die Investitionskosten ebenso wie die Zinsen geringer. „Kaufen können wir immer noch“, zeigte sich Kamp gelassen. Nach seinen Angaben laufen Überlegungen, künftig Produkte in Schreufa herzustellen, die von der Unternehmensgruppe bisher zugekauft wurden. Es werde geprüft, ob diese mit den neuen Fertigungsmöglichkeiten bei Scholze günstiger selbst produziert werden können.

Kamps besonderes Lob galt den Mitarbeitern und vor allem dem Betriebsrat für ihr Engagement. Sie hatten die Hoffnung nicht aufgegeben und bis zuletzt hart für das Unternehmen gearbeitet – auch ohne die Aussicht auf Lohn. „Mit dieser Mannschaft können wir einiges erreichen“, sagte er. Der Vorstand sprach sich deutlich für den Standort Deutschland aus. „Was wir herstellen, wird an Kunden in Europa verkauft. Das sind kurze Wege. Dadurch müssen wir nicht so schnell Konkurrenz aus China oder Indien befürchten“, erläuterte der neue Chef. Das Insolvenzverfahren wurde am 1. August eröffnet. Damit ist für die Mitarbeiter Insolvenzgeld gesichert – rückwirkend für drei Monate. Für die vorhergegangenen Monate ohne Lohn werden sie – wie auch die Gläubiger – eine Quote erhalten, nicht aber die gesamte Summe, die ihnen eigentlich zustehen würde. Mit 40 Mitarbeitern startet das Unternehmen nun wieder, fünf von ihnen in der Kaufmännischen Abteilung.

Auch die Insolvenzverwalterin sprach den Mitarbeitern und dem Betriebsrat ein großes Lob aus. „Was mich überzeugt hat, waren die Arbeitnehmer, die sofort gesagt haben: ‚Wir machen weiter'“, berichtete sie gestern. Nur durch dieses Engagement sei ein Neuanfang möglich gewesen.

Wenn es finanziell eng wurde – gerade bei den Auszubildenden – griffen die Mitarbeiter auf eine Kameradschaftskasse zurück, die ursprünglich für Geschenke zu Hochzeiten oder Firmenjubiläen gedacht war. Dort hatten die Mitarbeiter jeweils einen Euro pro Monat eingezahlt. Aus dieser Kasse half sich die Scholze-Belegschaft den Kollegen, wenn zum Beispiel kein Geld für Benzin da war, um zur Arbeit zu kommen.

Mehr lesen Sie in der Ausgabe der Frankenberger Zeitung am Samstag, 15. August 2009.

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