Peter Schwering ist neuer Geschäftsführer an der Seite von Peter Thonet

Neuer Chef verspricht Offenheit und Ehrlichkeit

Frankenberg - Am 1. November hat er seinen neuen Posten angetreten, und schon nach zwei Wochen benutzt er das Wort „wir“, wenn er über Thonet spricht: Peter Schwering ist neuer Geschäftsführer im Frankenberger Traditionsunternehmen.

Bereits im Frühjahr hatte Peter Schwering die ersten Gespräche mit dem Möbelhersteller geführt. Er habe nach einem mittelständischen Unternehmen gesucht, in dem „Verbindlichkeit noch groß geschrieben“ werde und mit dessen Produkten er sich identifizieren könne. Ein Headhunter stellte den Kontakt zu Thonet her. Der Interims-Geschäftsführer Karl-Heinz Gloe, der künftig den Vorsitz des Beirats der Thonet GmbH übernehmen wird, übergibt derzeit die Leitung der Arbeitsfelder Entwicklung, Produktion, Personal und Finanzen an Peter Schwering.

Dieser war zuvor in verschiedenen Branchen und verschiedenen Strukturen vom amerikanischen Großkonzern bis hin zur inhabergeführten Firma tätig, darunter in der Spritzgusstechnik und der Automobilzulieferer. Zuletzt war Peter Schwering für ein Sanierungspaket beim Küchenhersteller Alno zuständig, verließ das Unternehmen aber auf eigenen Wunsch.

Loyalität der Mitarbeiter

Thonet gefiel ihm: Sowohl das Umfeld, die Unternehmenskultur, die Aufgaben als auch das Produkt seien interessant gewesen. Die langfristige Planung und die frühe Suche nach einem Nachfolger für Gloe habe ebenfalls für die Unternehmenskultur bei Thonet gesprochen, blickt er zurück.

Frankenberg war ihm zuvor kein Begriff. Der Standort habe aber ohnehin keine Rolle für ihn gespielt. Mittlerweile habe er erfahren, wie viele interessante Unternehmen es an der Eder gibt - da sei übrigens Potenzial für ein besseres Marketing. Die Lage auf dem Land habe zudem auch Vorteile: „Das Unternehmen steht für die Region und die Region für das Unternehmen“, sagt er. „Und die Zugehörigkeit und Loyalität der Mitarbeiter sind hier anders.“

Der neue Geschäftsführer von Thonet ist verheiratet und hat zwei Töchter im Alter von 11 und 14 Jahren. Seine Familie lebt im Rheinland in der Nähe von Solingen - noch: Ein Umzug der Familie nach Frankenberg, wo Schwering bereits eine Wohnung hat, sei vorgesehen. Denn seine Stelle dort ist unbefristet.

Schwering übernimmt die Geschäfte zu einem Zeitpunkt, an dem schwere Zeiten hinter Thonet liegen: Der renommierte Möbelhersteller hat in den vergangenen Jahren einschneidende Umstrukturierungen durchlaufen. Zu den schmerzlichsten Faktoren zählten betriebsbedingte Kündigungen und die Stilllegung des WerksI.

Für eine erfolgreiche Arbeit bei Thonet seien nun drei Faktoren ausschlaggebend, sagt Schwering: Offenheit, Ehrlichkeit und Loyalität. „Die ersten beiden muss ich bieten“, betont er. Dass die Mitarbeiter loyal seien, hätten sie bereits bewiesen. Offen und ehrlich wolle er gegenüber der Führungsetage und den Gesellschaftern ebenso wie gegenüber den Mitarbeitern und den Arbeitnehmervertretern sein. „Es geht nicht nur darum zu sagen, dass eine Entscheidung getroffen wurde, sondern auch warum und mit welchem Hintergrund“, erläutert er.

Schwering ist sich bewusst: „Nicht alle notwendigen Anpassungen sind auch gern gesehen“. Doch Entscheidungsträger machten sich diese oft nicht leicht, „manchmal ist auch das Gegenteil der Fall. Dann stauen sich Probleme auf, die beseitigt werden müssten, um den Fortbestand auch eines Traditionsunternehmens zu sichern“, beschreibt er. Marken wie Märklin, Schiesser oder auch aktuell die Frankfurter Rundschau seinen „in Schönheit zu Grunde gegangen“. Um das zu vermeiden, müsse Thonet seinen Produkten treu bleiben und sich zugleich neuen Märkten stellen. Als positives Beispiel nannte er das neue Farbkonzept, auf das es bereits positive Reaktionen gebe.

Bevor er das erste Mal mit dem Headhunter über das Unternehmen sprach, sei ihm der Markenname ein Begriff gewesen, allerdings habe er lediglich die Klassiker mit der Marke Thonet verbunden. Weil es auch vielen anderen so gehe, wolle er genau dieses Thema angehen. Der 45-Jährige hat es sich zum Ziel gemacht, Thonet vor allem bei den Verbrauchern zwischen 30 und 50 Jahren bekannter zu machen. Als potenzielle Kunden sieht er jene, die beruflich Fuß gefasst haben und ein Verhältnis zu einer auf Mittel- bis Langfristigkeit ausgelegten Wertigkeit von Produkten haben. „Wir sind keine Serienfertigung, sondern eine Manufaktur“, verweist Schwering auf die Handarbeit in der Herstellung. „Dafür fehlt das Verständnis in der jüngeren Generation.“ Dies zu ändern, sei sein Ziel. „In diesem Segment haben wir Potenziale“, zeigt er sich überzeugt.

Kontinuierlich verbessern

Das Thema „Sanierung“ ziehe sich wie ein roter Faden durch seinen beruflichen Werdegang, sagt Schwering. In Frankenberg allerdings ist das Gros der Veränderungen bereits umgesetzt oder zumindest angelaufen. Schwering zollt Gloe, aber auch den Mitarbeitern Anerkennung für die Umstrukturierung: Es verdiene Respekt, was bei laufendem Lieferbetrieb geplant und umgesetzt worden sei. Es habe ihn beeindruckt, wie viel die Menschen zu geben bereit gewesen seien.

Weitere Kündigungen seien nicht in Planung, sagt der neue Geschäftsführer Peter Schwering auf Nachfrage. Das bedeute aber nicht, dass sich bei Thonet nichts mehr ändere. Er spricht vom „KVP“, dem kontinuierlichen Verbesserungsprozess“. „Das ist der Schlüssel zum langfristigen Erfolg. Man muss immer wieder hinterfragen, immer wieder neue Ansätze sehen, es gibt neue Verfahren, Organisationsformen, Materialien“, zählt er auf. Auch an sich selbst habe er den Anspruch, sich kontinuierlich zu verbessern.

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