Chronik und lebendige Heimatgeschichte

Neuer Frankenberger Heimatkalender ist da

+
Redaktionsvolontärin Sarah Neumeyer präsentiert den neuen Heimatkalender. 

Frankenberg - Der neue Heimatkalender ist ab sofort erhältlich. Für die Redaktion der heimatgeschichtlichen Beiträge sorgte der Frankenberger Stadtarchivar Dr. Horst Hecker.

Das Handwerk blühte im Städtchen Frankenberg des Jahres 1856: Da arbeiteten 4 Schneider, 3 Wagner, 4 Weißbinder, 21 Schreiner, 30 Schuhmacher, 18 Schneider, 41 Bäcker, 8 Maurer und 2 Zimmerleute, abends ging man in 16 Schankwirtshäuser und 5 Gasthäuser. Diese Zahlen nennt der pensionierte Marburger Archivar Armin Sieburg und beschreibt damit die wirtschaftliche Situation in einem Aufsatz, der im neuen „Frankenberger Heimatkalender“ für das Jahr 2020 steht. Er erschien soeben im Verlag Dierichs der HNA und ist ab sofort in der HNA-Geschäftsstelle Bahnhofstraße 21 erhältlich.

Armin Sieburg wertete einen Fragebogen aus, der 1856 allen Kommunen zuging und in Frankenberg von Stadtschreiber Zumben beantwortet wurde. 530 Wohnhäuser gab es damals in Frankenberg, darunter etwa zehn noch immer mit Stroh gedeckt, „die Straßen sind gepflastert“. Ob es schon Fabriken gebe? Ja, eine Wollspinnerei mit Tuchbereitung und eine kleine Tabakfabrik mit einem Arbeiter, auch eine Dampfbrennerei und eine Bierbrauerei, berichtet der Stadtschreiber.

In zwei regionalgeschichtlichen Beiträgen des Kalenders, für die Stadtarchivar Dr. Horst Hecker die Schriftleitung hatte, geht es um die Frühgeschichte der Erde, als sich in der Frankenberger „Zechsteinlagune“ in lebensfeindlichem Klima vor 250 Millionen Jahren Pflanzen ablagerten. Ihre Fossilien beispielsweise machen den Steinbruch Hohenäcker heute zu einer Fundstelle von Weltrang, wie Hartmut Kaufmann beschreibt. Karl-Heinz Hartmann greift dieses Thema auf und führt es philosophisch weiter: „Auf diesen langsamen ‚Tanz der Kontinente’ hat der Mensch nicht den geringsten Einfluss.“

Weitere Artikel befassen sich unter anderem mit der „sozialen Aufrüstung“ des Dorfes Berghofen 1954 und den Bau des ersten Dorfgemeinschaftshauses, ein Beitrag würdigt den expressionistischen Kasseler Künstler Karl Leyhausen (1899-1931), der für die reformierte Gemeinde Frankenberg in der Hospitalkirche eine eigenwillige Gedenktafel schuf. Mehr Anekdotisches erfährt man über den nach dem Krieg in Frankenberg gestrandeten Kunstmaler Kurt Mosbach (1892-1968). Dass sich der Bestand von vier Schwanenarten in der Natur des Landkreises weiter ausgebreitet hat, belegt auch mit eindrucksvollen Bildern der Frankenberger Naturfotograf Gerhard Kalden.

Auf 156 Seiten bietet der neue Heimatkalender in der gewohnten Form mit Kalendar und Behördenverzeichnis wieder nützliche Handreichungen. Zum Schwerpunkt mit insgesamt 65 Seiten ist aber der von Gerhard Meiser lebendig ausgewählte und reich bebilderte Chronikteil „Von Jahr zu Jahr“ über das Jahr zwischen Juli 2018 und Juni 2019 geworden, der in einigen Jahren für Nachschlagende selbst schon ein Stück wertvolle Heimatgeschichte sein wird.

Es wäre dennoch wünschenswert, wenn bei künftigen Kalenderausgaben die regionalgeschichtlichen Beiträge mit breiterem Angebot wieder in den Mittelpunkt rückten. Der seit 1983 erscheinende Kalender ist das einzige periodisch erscheinende Publikationsorgan für die in der Region heimatgeschichtlich arbeitenden Autoren.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare