Noch kein Kandidat für Nachfolge

Neuer Job in Kassel: Frankenaus Bürgermeister Brede tritt doch nicht zur Wiederwahl an

Björn Brede, SPD
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Björn Brede, SPD, Bürgermeister von Frankenau

Der Frankenauer Bürgermeister kandidiert doch nicht mehr für eine dritte Amtszeit. Das hat der 43-Jährige jetzt überraschend bekanntgegeben. Er hat einen neuen Job in Kassel.

Nachdem Frankenaus Bürgermeister Björn Brede (SPD) im Februar in der Stadtverordnetenversammlung noch mitgeteilt hatte, am 26. September 2021 für eine dritte Amtszeit zu kandidieren, kam die Ankündigung seiner beruflichen Neuausrichtung jetzt für die meisten völlig überraschend. Damit gibt es derzeit niemanden, der offiziell zur Bürgermeisterwahl im Herbst in Frankenau antreten wird.

Björn Brede wird am 1. April 2022 als Direktor zum Gebietsrechenzentrum ekom21 nach Kassel wechseln. Der 43-Jährige hatte im Laufe des Mittwochs die Verwaltung und die politischen Gremien über seinen Weggang in Kenntnis gesetzt. Der gebürtige Burghasunger wird aber weiter in Frankenau mit seiner Familie wohnen bleiben, teilte er der HNA mit. Für die SPD gehört er auch dem Kreistag Waldeck-Frankenberg an.

„Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht“, sagte Brede. Das Amt des Bürgermeisters der Stadt Frankenau sei und bleibe für ihn eine besondere Ehre und auch eine Herzensangelegenheit. Es seien gemeinsam viele zukunftsweisende Projekte in den vergangenen Jahren auf den Weg gebracht worden. Zuletzt seien unter anderem wichtige Weichen für den neuen Lebensmittelmarkt und das Gesundheitshaus seien gestellt worden.

„Ich hätte gerne noch eine dritte Periode in Frankenau gemacht, doch genau jetzt stand die Einleitung der Veränderung der Direktoren/Geschäftsführer-Ebene bei der ekom21 an“, sagte Brede. Die sei eine „besondere Chance“ gewesen, die er nach intensiver Überlegung Anfang Mai ergriffen habe. Die ekom21 begleite ihn bereits sein ganzes Berufsleben. Die tägliche Arbeit in der Stadtverwaltung erfolge mit deren Software. Er sei bereits seit 2016 im Finanzausschuss der ekom21 und habe generell eine große Affinität für Informations- und Kommunikationstechnologie.

„Für mich war es eine Frage des Anstands, am Tag nach der Entscheidung alle zu informieren“, sagte er. „Aus der Bürgerschaft erhalte ich Nachrichten mit Bedauern, doch auch viel Verständnis. Es wird nie den richtigen Zeitpunkt geben“, so Brede.

Frankenauer Bürgermeister

Einen mangelnden Rückhalt bei einer erneuten Kandidatur – die SPD hat bei der Kommunalwahl im März wie berichtet Verluste von über 20 Prozent erlitten – habe er nicht befürchtet. „Wir haben in der letzten Wahlperiode im Parlament gefühlt 90 Prozent einstimmige Beschlüsse und im Magistrat 98 Prozent einstimmige Beschlüsse gefasst. Allen Beteiligten ist bekannt, dass ich zwar eine soziale Grundüberzeugung habe, jedoch für alle demokratischen Parteien und Wählergruppen ansprechbar und offen bin“, sagte er.

Bei der Kommunalwahl hätte sich die von ihm initiierten Projekte (Edeka, Gesundheitshaus, Dorferneuerung) in allen Wahlprogrammen wiedergefunden. „Das zeugt von einer breiten sachlichen Basis und Übereinstimmung der gleichen Ziele.“

Bisher noch kein Bewerber für Bürgermeisterwahl

Bislang seien noch keine Bewerbungen für die Bürgermeisterwahl am 26. September 2021 eingegangen, teilte der stellvertretende Kommunalwahlleiter Christian Caspar von der Stadtverwaltung Frankenau am Donnerstag auf Nachfrage mit. Die Bewerbungsfrist endet am 19. Juli. „Falls sich keiner bewirbt, kann die Wahl nicht einfach verschoben werden. Die Stadtverordneten müssten dann einen neuen Beschluss fassen für einen anderen Termin“, sagte Caspar.

Bredes Amtszeit endet offiziell am 31. März 2022. Einen Tag später wird Brede seinen neuen Job bei der ekom21 in Kassel antreten. Sollte bis dahin kein neuer Bürgermeister in Frankenau gewählt worden sein, übernehme der Erste Stadtrat Rainer Lange die Amtsgeschäfte.

Stimmen aus der Stadtpolitik

„Das ist sehr überraschend“, kommentierte Rainer Lange (Grüne Liste) den Wechsel des amtierenden Bürgermeisters. „Jetzt ist alles offen“. Da die Bewerbungsfrist für die Bürgermeisterwahl am 19. Juli endet, dränge die Zeit, sagte Lange. Aber jetzt sofort einen Kandidaten aus dem Hut zu zaubern, sei natürlich nicht möglich. „Wir werden uns am Wochenende erst mal in der Fraktion über die neue Situation unterhalten“, kündigte Rainer Lange an. Persönlich tue es ihm auch ein bisschen leid, dass Brede weggehe.

„Völlig überrascht“ war auch Stadtverordnetenvorsteher Horst-Werner Bremmer (Freie Bürger): „Ein neuer Bürgermeister ist eine große Chance für Frankenau“, sagte er gegenüber der HNA. „Das Wohl aller Bürger sollte immer an erster Stelle stehen. Parteipolitische und persönliche Interessen sollten hinten anstehen“, betonte er. Derzeit gebe es noch keine finale Entscheidung darüber, ob die Freien Bürger einen Kandidaten ins Rennen schicken, sagte Bremmer.

Für Frankenaus Ortsvorsteher Claude Pilger, der für die Grüne Liste im Parlament sitzt, kommt die berufliche Neuorientierung des noch amtierenden Bürgermeisters „jetzt nicht wirklich überraschend“, wie er gegenüber der HNA sagte. „Ich hoffe, die nur noch fünfwöchige Abgabefrist für Bewerbungen zum Bürgermeisteramt motiviert noch unterschiedliche Bewerber. Ich freue mich auf eine gute Zusammenarbeit mit dem nächsten Bürgermeister oder der nächsten Bürgermeisterin“, sagte er.

Bredes SPD-Parteikollegen im Frankenauer Stadtparlament bedauern dessen Weggang, sagte Holger Heck von der SPD-Fraktion: „Wir sind sehr traurig, dass er nicht mehr kandidieren will, weil wir einen guten Bürgermeister verlieren. Wir werden jetzt am Wochenende im Ortsverein zunächst Gespräche über die weitere Vorgehensweise führen“, kündigte Heck an.

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