Bauarbeiten an Frankenbergs Gleisen

Neues Bett in 60 Stunden

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Mit schwerem gerät und viel körperlichem Einsatz entfernen die Arbeiter die alten Gleise aus dem Bahnübergang in der Jahnstraße – sie erneuern rund 60 Meter Gleis.

Frankenberg - Zu einem kleinen Ausflugsziel haben sich am Wochenende die Gleisbauarbeiten in der Jahnstraße entwickelt - doch nicht jeder war zum Zuschauen gekommen.

Es ist das achte Auto in zwei Minuten, dass in die Jahnstraße einbiegt, verlangsamt und in der Einfahrt von Eisen Finger wendet. Die Jahnstraße ist seit Freitag um 20 Uhr eine Sackgasse - und bleibt dies noch bis Dienstag um 5 Uhr. Grund sind die Gleisbauarbeiten: Für die Reaktivierung der Bahnstrecke von Frankenberg nach Korbach müssen die Bahnübergänge erneuert werden. Knapp 60 Stunden am Stück wird dafür gearbeitet - im Zwei-Schicht-Betrieb. Eine Belastung für die Männer.

„Aber wir machen das ja auch nicht ständig“, sagt Michael Ruppe. Er leitet die Nachtschicht. Freitagabend bietet sich ein besonders spektakuläres Bild: Seine Arbeiter entfernen die alten Gleise - rund 60 Meter werden erneuert. Dafür muss der Stahlstrang aus dem Gleisbett gefräst werden. Funken spritzen in die Nacht. Flutlicht taucht die Szenerie in einen faden Tag, während am Nachthimmel das letzte Blau zu Schwarz wird.

Schnell sind die Männer. „Wir liegen leicht im Plus“, sagt Ruppel in dieser ersten Nacht. Die Gleise liegen neben dem Bett. Ein Bagger trägt Schotter, Beton und Eder ab. Immer wieder transportiert ein Schlepper Unmengen an Material ab. Der Nachschub liegt da schon bereit.

Das Gleisbett festrütteln

Am Samstagmorgen hat Enrico Bücking übernommen. Nicht ganz ein Dutzend Mann stark ist seine Truppe - und damit etwas schwächer besetzt, als die Nachtschicht. Sie übernehmen ein weit fortgeschrittenes Gleis. Schon in den Mittagsstunden können die Männer mit ihren schweren geräten wieder über die Schienen fahren. Eine Gleisstopfmaschine senkt unter dem infernalischen Lärm eines uralten Dieselmotors vier Arme in den frisch aufgeschütteten Schotter und beginnt zu Rütteln. Sie verfestigt das Gleisbett und macht es wieder für Züge befahrbar.

Fertig sind die Männer jedoch noch lange nicht: Schweißarbeitenb sind noch zu erledigen, die Elektrik muss angeschlossen werden. Schließlich wird aus der Jahnstraße ein halbseitig beschrankter Bahnübergang. Auch müssen Bodenplatten eingelegt werden. Heute kommt die heimische Firma Mütze zum Zug: Sie trägt den Asphalt auf, damit auch Autos wieder über die Gleise gelangen können.

Deren Fahrer nahmen das Spektakel nicht immer gelassen. Einige schimpften, einige wurden politisch. Die meisten aber führen rasch einen kurzen Umweg - oder stiegen aus, um für ein paar Minuten die unermüdlichen Männer zu beobachten.

Dazu besteht auch am nächsten Wochenende wieder die Chance: Ebenfalls von Freitag um 20 Uhr an ist dann der Bahnübergang in der Röddenauer Straße gesperrt. Bis Dienstag um 5 Uhr entsteht dort ein vollbeschrankter Bahnübergang.

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