Holzhausen

Neues Leben nach dem Versuchslabor

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- Hatzfeld-Holzhausen (da). Bevor neue Medikamente auf den Markt kommen, werden sie getestet – auch an Tieren. Beliebte Versuchsobjekte sind 
Beagles. Einige von ihnen überleben die qualvolle Gefangenschaft – und denen helfen Marion und Victoria Weigel.

Wenn Mutter und Tochter Weigel einen neuen Pflegehund bekommen, müssen sie ihn erst einmal gewöhnen – und zwar an alles. „Alltagsgeräusche kennen die gar nicht“, sagt Marion Weigel und erzählt von Spülmaschinen und Regentropfen, die die Hunde in ihrer Zeit als Versuchsobjekte in Laboren nie kennengelernt haben.

Marion und Victoria Weigel sind Mitglieder des gemeinnützigen Vereins „Laborbeaglehilfe“. Wenn für Tierversuche Hunde benötigt werden, sind es meist Beagles. Ihr Verhängnis: Sie sind robust und zugleich freundlich, und deshalb in den Instituten besonders gefragt. Neue Medikamente oder chemische Präparate werden vor der Marktfreigabe an ihnen getestet.


Viele Tiere überleben die Labore nicht. Hat ein Beagle Glück, wird er nach der ersten Versuchsreihe entlassen – oder er muss für weitere Tests herhalten. Gesunde Tiere, die nicht mehr benötigt werden, haben nach den Versuchen die Chance auf ein glückliches Leben. Bei Pflegefamilien wie den Weigels bleiben sie bis zur Vermittlung durch den Verein. Sie werden zuvor tierärztlich untersucht „und sind gesund“, sagt Marion Weigel.

Sie und ihre Tochter haben vor zwei Jahren den Beagle­rüden „Buddy“ bekommen. Er hatte keine Tierversuche hinter sich, die Laborbeaglehilfe kannten die beiden damals noch nicht. „Ich mag keine Hunde, die immer hören“, beschreibt Marion Weigel ihre Entscheidung für die Beagles. „Die sind ein bisschen schwieriger, das ist die Herausforderung.“ Dann las sie über Laborbeagles. Gut 4500 solcher Hunde gibt es, nur wenige haben eine Chance auf ein Leben in Freiheit. Das Schicksal der Hunde nahm Mutter und Tochter mit. Im Sommer 2010 kauften sie Versuchshündin Georgia, die das Labor nach eineinhalb Jahren überstanden hatte. Anfang dieses Jahres wurde das Häuschen mit dem großen Grundstück am Dorfrand zur „Pflegestation“. Etwa 15 davon arbeiten unter der Regie der Laborbeaglehilfe in Deutschland, außerdem gibt es noch weitere Organisationen, die Versuchshunde vermitteln.

Weitere Informationen gibt es auf der Seite www.laborbeaglehilfe.de sowie unter 06085/3112 bei Gisela Wertich.

Mehr lesen Sie in der FZ vom Samstag, 01. Oktober.

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