Kemal Güner ist der neue Imam der Frankenberger Eyüp-Sultan-Moschee

Neugier auf andere Kultur

Frankenberg. Vom Schwarzen Meer nach Frankenberg, von der Provinzhauptstadt in eine ländliche Region: Für Kemal Güner war der Umzug nach Frankenberg in vielerlei Hinsicht eine Reise in eine andere Welt. Fünf Jahre lang wird Güner nun als Imam die Türkisch-Islamischen Gemeinde in Frankenberg leiten.

„Ich wurde sehr gut aufgenommen“, sagt Güner auf Türkisch. In der Vorbereitung auf seinen Einsatz hat der 42-Jährige zwar einen sechsmonatigen Deutschkurs besucht. Auf Deutsch verständigen kann er sich allerdings kaum. „Er wird sich aber bemühen, im Alltag schnell Deutsch zu lernen“, versichert Ali Korkmaz von der türkischen Gemeinde, der das Gespräch übersetzt.

Einblick in Alltag bekommen

Als Imam leitet Güner nicht nur das Freitagsgebet sondern auch fünf Mal am Tag das Gebet gen Mekka – auf Türkisch und Arabisch. Zu seinen Aufgaben gehören auch die Seelsorge und Islamunterricht für Kinder und Erwachsene. Das werde auch für ihn ein Lernprozess sein, sagt Güner, der vorher noch nie in Deutschland war. „Bevor ich die Gläubigen richtig betreuen kann, muss ich ihr Umfeld und ihren Alltag kennenlernen.“

Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen liegt dem Imam sehr am Herzen, denn sie seien die Zukunft der Gemeinde. „Sie sollen lernen, andere Religionen anzuerkennen, aber auch ihren eigenen Glauben zu leben“, sagt Güner. Zum Glauben zwingen will er aber niemanden. „Ich mache nur Angebote und akzeptiere die Entscheidung des Einzelnen.“

Außerdem möchte sich Güner für den Dialog mit den christlichen Kirchen einsetzen. Schließlich habe ihn die Neugier auf andere Kulturen und Weltanschauungen nach Deutschland getrieben. Ein Treffen mit Vertretern der Kirchen stehe noch aus, soll aber bald nachgeholt werden, erklärt Ali Korkmaz: „Da kam uns die Urlaubszeit dazwischen.“ Außerdem gab es ein kulturelles Missverständnis, ergänzt Kemal Güner. „In der Türkei machen die Einheimischen einen Willkommensbesucht, den der Zugezogene dann erwidert. In Deutschland ist es offenbar anders herum.“

Bekenntnis zu Deutschland

Auf die Frage, warum an deutschen Moscheen Imame arbeiten, die vom türkischen Amt für Religiöse Angelegenheiten ausgebildet werden, reagiert Güner gelassen: „Das ist nötig, solange es noch keine in Deutschland ausgebildeten Imame gibt.“

Als verlängerter Arm von Ankara sieht Güner die türkischen Imame in Deutschland nicht. Der Dachverband der Moscheen bekenne sich eindeutig zu deutschem Recht und Gesetz, sagt er. Das Ziel der Imame sei, ein friedliches Zusammenleben aller Menschen zu fördern und eine Radikalisierung des Islams zu verhindern.

Sehr beeindruckt an seiner neuen Gemeinde in Frankenberg hat Kemal Güner, welche Anstrengungen seine Landsleute unternommen hätten, um eine religiöse Gemeinde aufzubauen. „Das habe ich vorher nicht gewusst.“

Von Friederike Szamborzki

Quelle: HNA

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