Polizist informiert über Gefahren des Internets

Nicht alles, was möglich ist, ist erlaubt

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Frankenberg - Kaum der Grundschule entwachsen, wollen Kinder Facebook nutzen und im Internet mit Freunden Kontakt aufnehmen. Doch welche Gefahren bringen soziale Netzwerke mit sich? Was sollten Jugendliche, aber auch Erwachsene beim Preisgeben privater Daten beachten?

Hauptkommissar Dirk Virnich, Jugendkoordinator der Polizei in Waldeck-Frankenberg, rät Eltern zum Dialog. Schüler würden den Umgang mit Facebook & Co. von Freunden lernen, sagte der Beamte am Mittwoch in der Frankenberger Kulturhalle. Virnich zeigte Statistiken, nach denen Mädchen vor allem kommunizieren, Jungen dagegen das Internet auch zum Spielen nutzen. Informationssuche und Unterhaltung spielen ebenfalls eine Rolle. „Bei Jungs besteht die Gefahr, in die Spielsucht abzurutschen“, warnte Virnich. Soziale Isolation sei eine mögliche Folge. „Computerspiele an sich sind nicht schlimm, wenn sie altersgerecht sind und die Spieldauer stimmt.“

Längst sind auch Jugendliche nicht nur mit Computern online. Immer mehr gehen mit Smartphones ins Internet mit allen Gefahren: Sie können an jugendgefährdende Inhalte geraten oder beleidigt werden. „Kinder so stark zu machen, dass sie Nein sagen können, ist schwierig.“ Urheberrechtsverletzungen oder gar sexuelle Belästigungen sind ebenso möglich. Virnich mahnte zur Vorsicht in Chatrooms und sozialen Netzwerken - schließlich sehe man nicht, mit wem man sich einlasse.

Facebook ist inzwischen das am meisten verbreitete Netzwerk. „Da sind alle. Gute und schlechte Menschen.“ Facebook nutze unter anderem die Angaben von Hobbys, um Daten zu verkaufen und personalisierte Werbung zu ermöglichen. Zurückhaltend solle man sein, Fotos von Familie und Freunden zu „posten“: „Da sind wir im strafrechtlichen Bereich“, sagte der Beamte und verwies auf das Recht am eigenen Bild. Und: Die eigene Telefonnummer gehöre, wie alle persönlichen Angaben, nicht ins Profil.

Generell mahnte Dirk Virnich, zu überlegen, was man über sich preisgeben möchte: „Wenn Sie sagen, das muss nicht jeder wissen, gehört das nicht ins Internet.“ Im Profil bei Facebook müsse man die Einstellungen der Angaben erst ändern, sodass persönliche Angaben nicht öffentlich sichtbar sind: „Das ist erst mal wie ein Adventskalender, dessen Türchen alle auf sind. Und wer Fotos an seine Hauswand klebt, darf sich nicht wundern, wenn sie gesehen werden.“

Wer sich beispielsweise im Facebook-Fotoalbum betrunken zeige, müsse damit rechnen, dass vor Bewerbunggesprächen ein Personalchef diese Bilder sehe. Nachträglich Bilder oder Informationen zu löschen, sei nahezu unmöglich: „Was ich einmal ins Internet schicke, fange ich nicht mehr ein.“

Die Anonymität des Internets führe zu einer wesentlich niedrigeren Hemmschwelle und erleichtere Psychoterror und „Cyber-Mobbing“. „Nicht alles, was im Netz möglich ist, ist auch erlaubt“, sagte Virnich.

Eltern sollten für ihre Kinder Ansprechpartner bleiben, wenn es zu Problemen komme. Wichtig sei beispielsweise bei sexuellen Belästigungen oder „Cyber-Mobbing“, die Taten zu dokumentieren, etwa durch Screenshots. Mobbing im Internet nehme zu „und kann Leben zerstören. Das ist Gewalt“, sagte Virnich. Eltern sollten mit Kindern über solche Fälle sprechen, denn: „Wer nichts tut, macht mit.“

Weitere Tipps des Polizisten: Passwörter sollen regelmäßig gewechselt werden, man sollte mehr als eins haben und es nicht teilen. „Viele Kinder sehen das als Vertrauensbeweis, einem Freund das Passwort zu geben“, warnte Virnich. Möglich, aber verboten sei die Nutzung von Tauschbörsen, um kostenlos Musik herunterzuladen. Eine Alternative seien Internet-Radios, von denen Titel aufgenommen, gebrannt, aber nicht weiterverkauft werden dürfen - analog zum Aufnehmen mit der klassischen Kassette vor 25 Jahren.

Wer illegal Filme oder Musik lade, müsse mit Strafen rechnen: „Die IP-Adresse ist nachzuverfolgen“, also die Spur, die der Nutzer im Internet hinterlässt. „Urheberrechtsverletzungen sind relativ schnell begangen. Dann gibt es die Abmahnungen von Anwaltskanzleien.“

Virnich lobte das Frankenberger Gymnasium, an dem nicht nur die technische, sondern auch die ethische Seite der Arbeit mit Computern und sozialen Netzwerken geschult werde: „Die Edertalschule ist auf einem sehr guten Weg.“

Informationen zu den Gefahren im Internet und dem Verhalten auf sozialen Netzwerken gibt es unter anderem auf der Seite www.klicksafe.de. (da)

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