Komödie Frankenberg führt "Lady Windermeres Fächer" auf

Es ist nicht immer alles, wie es scheint

Frankenberg - Es sind viele Details, aber auch die hervorragenden Hauptdarstellerinnen Rebekka Jilg und Sabine Eckel, die aus "Lady Windermeres Fächer" einen kurzweiligen Theaterabend machen. Die Komödie Frankenberg bedient sich einmal mehr einem Klassiker, dem sie ihren eigenen Pfiff verleiht.

Frankenberg. Mit Oscar Wildes Komödie ist die Theatergruppe zurückgekehrt in die Ortenbergschule - dort entstand die „Komödie“ 1997, und nach beeindruckenden „Ausflügen“ auf den Burgberg und in die Liebfrauenkirche waren die Schauspieler anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Schule mal wieder in der Aula zu Gast. Schon als sich der Vorhang öffnet, geht ein Raunen durchs Publikum: Das Bühnenbild ist detailreich, aufwendig und liebevoll gearbeitet - und das gilt für die gesamte Aufführung. Immer im Mittelpunkt: Lady Windermere, deren im Titel zitierter Fächer eher eine untergeordnete Rolle hat. Rebekka Jilg spielt jene junge, etwas naive Londonderin überragend und mit starkem Ausdruck. Mimisch und gestisch vermittelt sie die jeweiligen Gefühlslagen so deutlich, dass es gar nicht so vieler Worte bedürfen würde.

Doch auch die anderen Charaktere sind gut besetzt. Eine überragende Bühnenpräsenz zeigt Komödien-Chef Peter Höhl als aristokratischer und schürzenjagender „Lord Augustus Lorton“. Im Kilt trampelt er über die Bühne und lässt sitzend auch tiefere Einblicke zu.

Und dann ist da natürlich noch Herzogin von Berwick, dominante Mutter und Klatschweib erster Güte. Gabriele Heinz übernimmt die Rolle und darf damit Lady Windermere verunsichern. Denn Mrs. Erlynne (Sabine Eckel) verdreht den Männern der Londonder Oberschicht den Kopf. „Sind denn alle Männer schlecht“, fragt Lady Windermere. „Alle, ohne Ausnahme“, sagt die Herzogin von Berwick - und lässt den Blick durchs lachende Publikum schweifen.

Ganz offenbar ist auch Lord Windermere (Harald Hörl) dem Charme der Dame erlegen. Sie will an einer Party der Windermeres teilnehmen und damit in die Oberschicht zurückkehren - vor 20 Jahren verließ sie London wegen eines Geliebten. Lord Darlington (Holger Kraus) möchte die Gunst der Stunde nutzen und Lady Windermeres Herz erobern. Den Zuschauern wird schnell deutlich: Nicht immer ist alles, wie es scheint.

Oscar Wildes Bühnenstück gehört zu jenen Werken, deren Gesellschaftskritik auch in die heutige Zeit zu übertragen ist - die Komödie Frankenberg hätte „Lady Windermere“ also durchaus auch in die heutige Zeit, mit anderen Kostümen und Kulissen, übertragen können. Das hätte der Aufführung aber eine Menge Charme genommen.

Auch die Statisten, die weitgehend nur im zweiten Akt auftauchen, tragen ihr Puzzlestückchen zum gelungenen Gesamtbild teil. Jede Rolle scheint auf den Leib geschnitten: Sei es Heinrich Balz als würdevoller Butler Parker, Andrea Pauly als leicht biestige „Lady Plymdale“ oder Ronja Lesiw und Maximilian Kaletsch als jugendliches Pärchen. Zu der exklusiven Männerrunde mit Lord Darlingten und Lord Lorton gesellen sich auch Silvio Bartel als Cecil Graham und Jürgen Loderhose als Mr Dumby.

Zum Glück verkürzen die Schauspieler die Wartezeit auf ein neues Stück: Schon am 20. und 21. April zeigt die Komödie Frankenberg das Kinderstück „Kalle Blomquist“. Dafür hat sich das Ensemble geteilt - die einen erarbeiteten „Lady Windermeres Fächer“, die anderen Astrid Lindgrens berühmte Geschichte.

Eine weitere Aufführung folgt am Freitag, 1. März, um 19 Uhr. Karten kosten zehn Euro für Erwachsene und fünf Euro für Schüler. Vorverkaufsstellen sind die Frankenberger Zeitung, Foto-Hörl, Edeka-Wiskemann und die Buchhandlung Jakobi. Am Samstag und Sonntag, 2. und 3. März, , jeweils um 16 Uhr, wird zu den Vorstellungen „Afternoon-Tea“ serviert. Karten sind für 22,50 Euro nur bei Foto-Hörl erhältlich.

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