Frankenauer setzen Pläne für Flüchtlingshilfe in die Tat um

Nicht reden, sondern handeln

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Die aktiven Fußballer vom Frankenauer TSV haben Sportkleidung gesammelt, damit die Flüchtlinge am Training teilnehmen können; v.l. hinten Horst Bischoff, Nico Schäfer, Markus Stroß, Niklas Dettmar und Florian Weishaupt, vorn Christian Caspar, Fabian Schäfer, Daniel Schneider und Trainer Thorsten Beil.Fotos: Andrea Pauly

Frankenau - Gerade einmal eine Woche ist vergangen zwischen dem „Runden Tisch“ für Flüchtlingshilfe und ersten greifbaren Ergebnissen: Am Wochenende gab es für zwei junge Männer eine große Überraschung und eine Kaffeetafel für alle Flüchtlinge in der Kellerwaldstadt.

Auf dem Boden der Umkleide in der Sporthalle stapeln sich Trikots, Trainingshosen, Laufshorts, Kniestrümpfe, Sportjacken und Fußballschuhe in verschiedenen Größen. Auch Sporttaschen und Mützen liegen auf dem Boden: Die Fußballer des TSV Frankenau haben den Inhalt ihrer Schränke sortiert und jede Menge Sportkleidung mitgebracht. In einem Karton stecken Schachteln mit nagelneuen Sportschuhen, die Karin Völker vorbei gebracht hat. All das ist für die Flüchtlinge gedacht, damit sie künftig am Fußballtraining teilnehmen können - sowohl in der Halle als auch beim Laufen draußen.

Für Rexhep und Xhevdet ist es eine Überraschung. Die beiden Flüchtlinge wissen nichts von dem Plan der Fußballer. Als sie die Stapel sehen und ihnen klar wird, dass sie sich daraus passende Kleidung aussuchen und am Training teilnehmen können, gucken sie immer noch ungläubig. Denn die Gelegenheit, Sport zu treiben, hat den beiden Flüchtlingen mit am meisten gefehlt, seit sie vor knapp drei Monaten in Deutschland angekommen sind.

Der fragende Ausdruck weicht ihnen auch dann nicht vom Gesicht, als ihnen die TSV-Spieler nach der Reihe die Hand schütteln und ihre Namen sagen. Die ungläubigen Mienen verschwinden erst in dem Moment, als der 19-Jährige und der 27-Jährige in der Sporthalle einen Ball zugespielt bekommen: Da grinsen beide von einem Ohr zum anderen und legen los.

Trainer Thorsten Beil ist begeistert von der Resonanz seiner Mannschaft auf die Kleiderspendenaktion, die Rainer Schütz nach dem „Runden Tisch“ initiiert hatte. Seit der Bitte, ausgediente Sportklamotten herauszusuchen, sind gerade zwei Tage vergangen. Der Trainer freut sich nicht nur über die Hilfsbereitschaft seines Teams, sondern auch über die beiden jungen Männer: „Von mir aus können sie so lange mit uns trainieren, wie sie wollen“, sagt er. „Vielleicht sind sie ja so gut, dass sie bei uns mitspielen“.

Selbst wenn Rexhep und Xhevdet an allen Trainingseinheiten des TSV teilnehmen - sie brauchen längst nicht alles, was bei der Sammelaktion zusammengekommen ist. Deshalb kümmert sich Thorsten Beil darum, dass die restliche Kleidung aufbewahrt wird und bei Bedarf weitere Flüchtlinge nach passender Sportkleidung schauen können.

Am Tag nach dem ersten Fußballtraining ging es für den Mazedonier und den Bosnier bereits weiter im Programm - mit dem nächsten Ziel, das beim Runden Tisch formuliert wurde. Die Stadt Frankenau hatte in Zusammenarbeit mit den Kirchengemeinden und einigen Ehrenamtlichen ein Kaffeetrinken für alle Flüchtlinge organisiert, um sie Willkommen zu heißen und ihnen Hilfe anzubieten. Im Martin-Luther-Haus hatten sie die Gelegenheit, bei Kaffee, Kuchen und Torten ihre neuen Nachbarn etwas näher kennen zu lernen und erste Kontakte zu knüpfen.

Von Andrea Pauly

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