Kabel-TV wird 30 Jahre

Als es noch kein RTL gab ...

Frankenberg - Der Grundstein für das private Fernsehen ist vor 30 Jahren gelegt worden. FZ-Praktikantin Jana Thumulla hat sich umgehört, wer sich an Fernsehen mit nur drei Kanälen erinnert.

Der Grundstein für private Fernsehsender und eine große Programmvielfalt ist gestern vor 30 Jahren gelegt worden. Während der Frankenberger Gerd Jonietz das neue Angebot sofort nutzte, reichen Kurt-Willi Julius bis heute hauptsächlich die öffentlichen Sender.

von Patricia Kutsch

Frankenberg. Kurt-Willi Julius erinnert sich, dass seine Familie bereits 1958 einen Fernseher besaß. „Ein witziges Teil, mit zwei Drehknöpfen vorne.“ Damals gab es nur einen Sender. „Irgendwann haben wir gehört, dass es auch einen zweiten geben soll. Den konnten wir aber nicht empfangen.“ Die Familie wohnte am Bahnhof. Von dort hatten sie Sichtkontakt zur Sackpfeife, über die Das Erste ausgestrahlt wurde. Das Signal für das Zweite kam über das Hohe Lohr. Weil der Burgberg dazwischen lag, konnten große Teile Frankenbergs weiterhin nur einen Sender empfangen, bis die dritten Programm an den Start gingen.

Ein Programm hatte Julius völlig gereicht, wie er heute sagt. „Wenn ich gelesen habe, dass etwas interessante im Zweiten läuft, dann habe ich versucht, bei Freunden zu gucken.“ Das sei vielleicht zwei Mal im Jahr passiert. Ansonsten schaute Julius gerne Tierserien - etwa Lassie oder Fury. „Wir wohnten neben einer Buchhandlung. Ich habe dann immer gespart, bis ich mir die Bücher zur Sendung kaufen konnte.“ Später schaute der Frankenberger gerne den „Beatclub“ - eine Musiksendung, die eigens für die Jugend produziert wurde. „Wir saßen dann mit einem Tonbandgerät vor dem Fernseher und haben versuch,t die Musik aufzunehmen“, erinnert er sich. Abends liefen Kriminalserien. Julius denkt zurück an „707 Sunset Strip“ und den Detektiv Kookie: „Der hatte so eine furchtbar hohe Synchronstimme“.

„Es gab plötzlich ein Überangebot“

Das reichte Julius völlig - als vor fast 30 Jahren das Kabelfernseh und mit ihm die privaten Sender kam, empfing er die zunächst gar nicht. „Es gab plötzlich ein Überangebot. Das habe ich nie genutzt“, erzählt er. „Selbst heute tummel ich mich kaum im privaten Fernsehn.“ Er interessierte sich vielmehr dafür, dass es plötzlich möglich war, Filme aufzunehmen. Daraus macht er bis heute gerne ein echtes Kinoerlebnis und schaut sie daheim über einen Beamer an.

Neben dem Aufnehmen seien mit dem Fortschritt der Technik weitere Entwicklungen dazu gekommen. „Informationen können wir überall sofort bekommen“, sagt Julius. Dennoch werde gerade die Kindheit heute zu sehr von der Technik und den neuen Medien dominiert. „Wir haben auch gerne fern gesehen. Aber wir haben viel mehr andere Dinge gemacht.“

Einen Fernseher bekam auch die Familie von Gerd Jonietz 1958. Von 40 Familien, die in seiner Nachbarschaft lebten, hätten nur rund vier zu dieser Zeit einen Fernseher besessen. Damals sei der so etwas wie ein familiäres Heiligtum gewesen: Der Vater entschied, was geguckt wurde. Und nur der Vater durfte das Gerät ein- oder ausschalten. „Sonntags nach dem Mittagessen durfte ich immer die Augsburger Puppenkiste gucken“, erinnert sich Jonietz. Die sei schon fast so alt wie das Fernsehen selbst. Selbst die Werbung habe er damals gerne geguckt: Auf ARD und ZDF habe es abends nur einen zehnminütigen Werbeblock gegeben. „Das meiste war Zigarettenwerbung - zum Beispiel mit dem HB-Männchen.“

„Die privaten Sender waren Vorläufer“

Beim Kabelfernsehen war Familie Jonietz von Anfang an dabei. „Ich habe dann natürlich mehr geguckt“, sagt Gerd Jonietz. Vorher seien nie so viele Spielfilme gelaufen, wie plötzlich im privaten Fernseh. „Die zeigten auch mal was anderes“ - „Tutti Frutti“ etwa hätte ein öffentlicher Sender nie gezeigt. Nicht nur die Bildqualität habe mit der neuen Entwicklung gewonnen: „Die privaten waren Vorreiter: Von Sportveranstaltungen haben sie bessere Bilder und Berichte geliefert“. Und dann haben die ersten plötzlich rund um die Uhr gesendet - nicht wie die ersten Programme von 17 Uhr bis in den Abend.

Heute kommt Jonietz Fernseh-Signal nicht mehr aus dem Kabel: „Die liegen seit 30 Jahren und werden nicht erneuert. Über Satellit ist das Bild viel besser“. Hochsaison habe Kabel in den 90er Jahren gehabt: Als Premiere Fußball übertrug.

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