200 Jahre Alter Botanischer Garten Marburg – Zum Naherholungsgebiet gewandelt

Oase lebender Veteranen

Oase: Bäume sind das Kapital des Alten Botanischen Gartens am Fuß der Marburger Oberstadt. Foto: Coordes

Marburg. Das Kapital des Alten Botanischen Gartens am Fuß der Marburger Oberstadt sind seine Bäume: Riesentannen, Mammutbäume, Esskastanien, ahornblättrige Platanen, Sumpfzypressen, Dattelpflaumen und ein „Taschentuchbaum“, dessen Blütenblätter an hübsche Taschentücher erinnern. Zum 200-jährigen Bestehen steht das gartengestalterische Kleinod vor einem großen Umbruch: In den kommenden Jahren soll der Campus Firmanei rund um den knapp vier Hektar großen Park entstehen.

Dabei ist der Alte Botanische Garten überhaupt erst seit 1977 für Spaziergänger geöffnet. Bis dahin diente das Areal im Herzen der Stadt ausschließlich der Wissenschaft. 1810 vermachte König Jerome das Gelände - der frühere Lustgarten der Deutschordensritter - der Universität. Ein Nebenarm der Lahn speist den Teich, an dem heute die Enten gefüttert werden.

Gestaltet wurde der Garten vor allem von dem Botaniker Albert Wigand, der bis 1886 an der Philipps-Universität lehrte. Um angehende Apotheker und Biologen besser auszubilden, legte er nach botanischen Familien und geographischer Herkunft geordnet Beete an. Zugleich wurde ein großer Teil der Bäume gepflanzt, die heute den Wert des Gartens ausmachen: Die jüngst verstorbene Botanikerin Loki Schmidt liebte die alte Hainbuche, die aussieht, als sei sie von unzähligen Vogelnestern bedeckt. Genau genommen handelt es sich um einen Baum aus der Gruppe der mit Parasiten und Schmarotzern besetzten Bäume, der eigens mit dem Hexenbesenpilz infiziert wurde: „Der Pilz verkrüppelt die Äste“, erklärt Gärtner Walter Rudl. Der höchste Baum ist heute ein knapp 40 Meter hoher Tulpenbaum aus der Magnoliengruppe. Auffallend sind die blauen Früchte des aus China stammenden Gurkenbaums. Weniger bekannt ist der Garten für seine Blumen, wenngleich die mit Schneeglöckchen, Krokussen, Märzenbechern und Wildtulpen übersäten Wiesen im Frühjahr viele Spaziergänger begeistern.

Seit der Neue Botanische Garten auf den Marburger Lahnbergen - einer der größten in Deutschland - eröffnet wurde, hat sich die Oase am Fuß der Oberstadt zu einem Naherholungsgebiet gewandelt. Heute ziehen Studierende aus dem Hörsaalgebäude und den nahen Uni-Instituten mit Fachbüchern und Arbeitsgruppen auf die Liegewiesen. Familien kommen an den von Moorbeetpflanzen und Rhododendren umrahmten Teich. Gelegentlich dringen schöne oder schräge Klänge in den Garten.

Von Gesa Coordes

Quelle: HNA

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