LKA ermittelt gegen vier Beamte

Nach Tod von Mann bei Polizeieinsatz: Obduktionsbericht liegt vor

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Gefragt: Staatsanwalt Oliver Rust bei der Pressekonferenz am Mittwoch in Marburg.

Biedenkopf/Marburg. Das Landeskriminalamt (LKA) ermittelt gegen die vier Beamten der Biedenkopfer Polizei, die am Abend des 16. April in der Dexbacher Straße im Einsatz waren, als ein 37-jähriger Mann zu Tode kam.

Vier Polizisten halten einen Mann am Boden. Er ist groß und dick und bekanntermaßen psychisch krank. Er liegt auf dem Bauch, die Hände in Handschellen auf dem Rücken. Er wehrt sich heftig, kämpft um sein Leben. Am Ende ist er tot, erstickt in seiner misslichen Lage. Die Polizisten könnten Schuld daran sein – ganz oder teilweise oder auch gar nicht.

Fahrlässige Tötung lautet der Verdacht gegen sie. Warum, das erklären die Marburger Staatsanwaltschaft und das LKA in einer Pressekonferenz am Mittwoch. Das Medieninteresse ist groß, RTL und SAT 1 sind da, der HR, FFH, dpa und die lokale Presse.

Ihnen erklärt Staatsanwalt Oliver Rust, dass der 37-Jährige auf der Straße vor dem Haus, in dem er zuvor randaliert hatte, einen „lagebedingten Erstickungstod“ erlitt. So lautet das vorläufige Obduktionsergebnis. Ein solcher Tod kann passieren, wenn ein Mensch so liegt, dass er nicht oder nur ganz schlecht atmen kann. Im Fall des Biedenkopfers war das auf dem Bauch, die Hände auf dem Rücken, Druck auf dem Brustkorb durch die Beamten, die den fast 1,90 Meter großen und deutlich über 130 Kilogramm schweren Mann kaum bändigen konnten.

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Sie riefen einen Rettungswagen für den Transport in eine Klinik, außerdem noch einen Nachbarn, um den den Mann zu beruhigen. Vergeblich. „Es gab unglaublich viel Gegenwehr“, berichtet der Staatsanwalt. Die Polizisten schafften es nicht, den Mann auf die Transportbahre zu bugsieren.

Noch bevor der Notarzt kam, der ihn mit Medikamenten hätte ruhig stellen sollen, setzte bei dem Mann auf dem Boden die Atmung aus. Alle Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos, gegen 23 Uhr gaben die Helfer auf, der Mann war tot.

„Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Fixierung in Bauchlage mit der Belastung des Brustkorbs Ursache oder Mitursache für den Tod des Mannes war“, sagt der Staatsanwalt; deshalb der Verdacht der fahrlässigen Tötung.

Die Obduktionsergebnisse sind nicht endgültig. Übergewicht, Herzerkrankungen, Drogen oder Medikamente im Blut erhöhen das Risiko eines solchen Erstickungstods. Um diese Faktoren abzuklären, gibt es zusätzlich toxikologische und feingewebliche Untersuchungen. Mit Ergebnissen wird frühestens in zwei bis drei Wochen gerechnet.

Die Ermittler müssen nun klären, inwieweit der Mann infolge der Fixierung erstickt ist. Und ob die vier Polizisten seine Lage hätten erkennen können. Ob sie hätten merken können, dass der Mann ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr bloß Widerstand leistete, sondern im Todeskampf war. „Es wird geklärt, ob sich die Beamten sorgfaltswidrig verhalten haben“, sagt Oliver Rust.

Direkte Gewalt, also dass sie ihn geschlagen, getreten oder gewürgt hätten, schließen die Ermittler aus: „Dafür gibt es keinerlei Anzeichen“, so Rust. Im Gegenteil: Er sei an dem Abend selbst vor Ort gewesen und habe gesehen, wie erschrocken die Polizisten gewesen seien, dass ein Mensch nach einem eigentlich normalen Routineeinsatz plötzlich tot da liegt.

Quelle: HNA

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