Projekt der Staatskanzlei und der Universität in Kassel · Battenberg ist Modellstadt

Die Oberstadt als Herz erhalten

Battenberg - "Die Oberstadt ist das Herz, sie ist das, was man mit Battenberg verbindet", sagt Heinfried Horsel. "Wenn hier alles zusammenbricht, fehlt was." Deshalb soll die Oberstadt im Fokus der Bemühungen stehen, Battenberg samt Stadtteilen fit für die Zukunft zu machen.

Der Name ist typisch verwalterisch, lang und voller Substantive: „Modellgemeinde für die Erarbeitung einer Konzeption zur langfristigen Sicherung und Verbesserung der Lebensqualität in einer Kleinstadt“. Anders ausgedrückt: Battenberg soll Pate stehen für andere Städte, die mit ähnlichen Problemen kämpfen wie die Stadt an der Eder. Dazu gehören die Furcht vor Leerständen in historischen Ortskernen, vor dem Wegzug von Menschen aufgrund von unattraktiven Wohnangeboten und vor dem Wegfall von Geschäften und anderer Infrastruktur.

Studierende der Universität in Kassel untersuchen unter der Leitung ihres Professors Alexander Eichenlaub im Auftrag der Hessischen Staatskanzlei, welche Wünsche und Anforderungen die Battenberger haben, was ihnen an ihrer Heimatstadt gefällt, was ihnen bereits fehlt und worauf sie nicht verzichten möchten.

„Dafür brauchen wir die Bürger“, betonte Bürgermeister Heinfried Horsel, „sie sind die wahren Experten.“ Beginn ist mit einer Auftaktveranstaltung am 26.April, zu der alle Interessierten eingeladen sind.

Bis September befassen sich die Studenten mit der Infrastruktur der Stadt, mit Denkmalschutzvorgaben, Geburtsstatistiken, Wohnsituation und anderen Faktoren. Außerdem werden sie mit Fragebögen in Geschäften, Bäckereien, Banken oder auch im Schwimmbad unterwegs sein. Auch mit den Jugendlichen in den Schulen wolle die Forschungsgruppe sprechen, kündigte Professor Eichenlaub an.

Das Ziel ist es, Lösungsvorschläge und „Maßnahmenempfehlungen“ zu erarbeiten, welche die Stadt und ihre Ortsteile als Lebensmittelpunkt attraktiv und aus den Folgen des demografischen Wandels das Beste machen. Ein Beispiel: Leer stehende alte Gebäude könnten abgerissen werden, um neue, größere Bauplätze in der Oberstadt zu schaffen.

Auf dem historischen Ortskern von Battenberg liegt der Fokus der Untersuchung. „Hier manifestieren sich das Traditions- und Geschichtsbewusstsein und das bürgerschaftliche Engagement der Menschen“, begründete Professor Eichenlaub. Die Ergebnisse der Untersuchung sollen aber auf alle anderen Bereiche der Stadt sowie auf andere Kommunen übertragbar sein.

Schon jetzt sei deutlich, dass Battenberg im Vergleich mit anderen Städten viele Stärken und relativ wenige Schwächen habe, sagte Eichenlaub. So sei Battenberg infrastrukturell „nicht schlecht ausgestattet“, dafür mangele es an der „Pflege des Wohnens“.

Heinfried Horsel setzt große Hoffnungen in das Projekt: „Was Sie vorschlagen, muss man umsetzen können“, gab er den Studierenden und ihrem Professor mit auf den Weg. Die Staatskanzlei in Wiesbaden habe ihm als Folge der Untersuchung ein Förderprogramm in Aussicht gestellt, damit die erarbeiteten Lösungsvorschläge in die Realität umgesetzt werden können. Das sei auch das Ziel der Forschungsgruppe, sagte Eichenlaub: „dass im Anschluss etwas passiert“. Von Andrea Pauly

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