Nach Frost im Frühling gibt es jetzt kaum Äpfel

Obsternte in Waldeck-Frankenberg so schlecht wie seit Jahren nicht

+
„Es ist wirklich jämmerlich“: Till Kramer, Betreiber einer mobilen Saftpresse, zeigt den Zweig eines Apfelbaums bei Reddighausen, an dem kaum ein Apfel hängt. Der Frost im Frühjahr hat die Obsternte 2017 vermasselt.

Waldeck-Frankenberg. Die Obsternte in Waldeck-Frankenberg fällt in diesem Jahr so schlecht aus wie seit vielen Jahren nicht mehr.

„Spätfröste Anfang April haben den Obstbäumen im Kreis schwer geschadet“, sagt Matthias Eckel, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Frankenberg. 

„Wir gehen davon aus, dass etwa 80 Prozent weniger Obst als üblich geerntet wird.“ Ausgenommen seien Obstbäume, die in geschützten Lagen stehen, etwa Spalierobst an Hauswänden.

Die schlechte Obsternte spürt auch der Reddighäuser Till Kramer. Mit seinem Saftmobil ist er seit einigen Jahren in der Region unterwegs, um seinen Privatkunden Saft aus deren Obst – hauptsächlich Äpfeln – zu pressen und haltbar einzutüten. In diesem Jahr hat er seinen Tourenplan für das Saftmobil deutlich reduziert. „Die meisten Leute, die normalerweise ihr Obst bei mir vermosten lassen, haben dieses Jahr wenig bis gar kein Obst“, erzählt Kramer. „Das ist natürlich ein herber Schlag, da viele Kosten, die ich mit der Mosterei habe, bestehen bleiben, weil ich auch für wenige Kunden da sein möchte“, sagt der Jung-Unternehmer.

Das Ausmaß des Ernteausfalls sei wohl auch deshalb so groß, weil der Frost über zwei Monate bis in den Mai immer mal wieder eingesetzt habe. „Die Minusgrade haben somit die zu unterschiedlichen Zeiten blühenden Bäume fast alle erwischt“, sagt Kramer. In den Höhenlagen des benachbarten Wittgensteins sei die Vegetation im Frühjahr zwei bis drei Wochen später, dort falle die Ernte noch relativ gut aus.

In Waldeck-Frankenberg gibt es keinen gewerblichen Obstanbau. Aber südhessische Apfelweinkeltereien hätten berichtet, erzählt NABU-Kreisvorsitzender Heinz-Günther Schneider, dass sie durch die miserable Ernte dieses Jahr gezwungen seien, Äpfel aus anderen Regionen zuzukaufen, und damit die Qualität des Apfelweins nicht garantiert werden könne. 

Hintergrund

Milde Temperaturen im Februar und März haben dazu geführt, dass die Obstblüte 2017 früher als üblich stattfand, erklären Heinz-Günther Schneider (Laisa) und Walter Jacobi (Battenberg) vom NABU. Voll aufgeblühte Blüten seien sehr empfindlich gegen Frost. Die Spätfröste – noch Ende April minus 8 Grad –, Hagel- und Starkregen haben den Blüten zugesetzt. Bei Äpfeln und Birnen gibt es bei den Sorten enorme Unterschiede der Blütezeiten – bis zu vier Wochen zwischen Früh- und Spätblühern, wobei die Spätblüher in unserer rauen Gegend im Vorteil sind. Obstanbauer rechnen mit der schlechtesten Ernte seit 26 Jahren und können Anträge auf Finanzhilfen stellen.

Warum sich auch Vereine über die schlechte Obsternte ärgern, lesen Sie in der Donnerstagsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine.

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare