So verbringen Türken, Inder und Chinesen die Feiertage

Ohne Baum und Geschenke: So feiern andere Religionen bei uns Weihnachten

+
Wollen an den Feiertagen Verwandte besuchen: (von links) Der in Frankenberg geborene, türkischstämmige Kenan Korkmaz mit Tochter Beren Nisa, Sohn Berat und seiner in der Türkei geborenen Frau Cigdem. 

Frankenberg. Im Frankenberger Land leben viele Menschen, die ihre Wurzeln in anderen Kulturen und Ländern haben. Nicht überall dort wird Weihnachten gefeiert. Hier erzählen einige von ihnen, ob und wie sie Weihnachten hier in Deutschland feiern.

Bei der türkischen Familie Korkmaz steht zwar kein Tannenbaum im Wohnzimmer und es gibt an Heiligabend auch keine Geschenke. Eine besondere Zeit sind die Weihnachtsfeiertage für die gläubigen Muslime aber dennoch: „Wir nutzen die Zeit, um uns mit Verwandten zu treffen“, sagt Kenan Korkmaz.

„Man besucht Familienangehörige, sitzt zusammen, isst zusammen und genießt einfach die ruhige Zeit. Geschenkestress zum Beispiel haben wir nicht.“ In der Türkei sei es nicht üblich, sich an Weihnachten was zu schenken, so der 37-jährige Familienvater, der in Frankenberg geboren ist.

Der größte Teil der in Frakenberg lebenden türkischen Landsleute würde auch keinen Weihnachtsbaum aufstellen. Oftmals gebe es aber am 24. Dezember eine Veranstaltung vom Türkisch-Deutschen Kulturverein mit Essen. Speziell für junge Türken gebe es auch „Alternativabende“ in einer Shisha-Bar.

Seine Kinder hätten natürlich schon mal nach einem Weihnachtsbaum gefragt. „Wir haben es ihnen erklärt und gesagt, dass wir unsere eigenen Feiertage haben, an denen es ja auch Geschenke gibt.“ Das in diesem Jahr am 1. September gefeierte „Opferfest“ sei praktisch wie Weihnachten: „Jeder bereitet irgendetwas aus Fleisch zu und die Kinder bekommen Geld und Süßigkeiten geschenkt. „Für das Fest muss ich mir natürlich hier in Deutschland extra Urlaub nehmen“, sagt Korkmaz.

Obwohl es im Islam kein Weihnachten gibt, respektiert der Vater zweier Kinder die christlichen Sitten und Gebräuche. „Wir sind da integriert“, betont er. Er wohne schließlich seit 37 Jahren in Deutschland und kenne es nicht anders. So sei es für ihn selbstverständlich, an der Weihnachtsfeier mit den Arbeitskollegen teilzunehmen. „Auch bei den Kindern in der Grundschule und im Kindergarten schließen wir uns als Eltern nicht aus.“

Zum Nikolaustag kauften er und seine Frau den beiden Kindern auch schon mal einen Schokoladennikolaus. „Man lebt hier, man kennt die Sitten und versucht, sich anzupassen“, sagt Korkmaz. „Ich akzeptiere das, hoffe aber auch auf Respekt davor, wie unsere Religion ist. Jeder sollte frei sein“, betont er.

Inder feiert typisch deutsch

Harjot Kalsi freut sich besonders auf die freien Tage an Weihnachten, da dann sein Restaurant „Indien King“ in Frankenberg geschlossen ist und er Zeit mit seiner Familie und Freunden verbringen kann. Der gebürtige Inder lebt seit vier Jahren in Deutschland und feiert seitdem auch die Feiertage so, wie sie hier üblich sind. „Wir machen alles mit“, sagt er. Daher gibt es auch einen Weihnachtsbaum und Geschenke an Heiligabend. Auch das Essen spielt eine wichtige Rolle, für das den ganzen Tag gekocht wird. In seinem Heimatland hat Kalsi kein Weihnachten gefeiert, jedoch gefallen ihm die deutschen Traditionen sehr. Daher hat er auch sein Restaurant festlich mit einem Weihnachtsbaum geschmückt.

Hat schon weihnachtlich dekoriert: Harjot Kalsi in seinem Restaurant „Indien King“ in Frankenberg

Familie Wong trifft sich

Obwohl Weihnachten in China kein traditioneller Feiertag ist, ist das Fest dort mittlerweile populär geworden. Auch die Familie Wong aus Frankenberg, die aus China kommt, feiert jedes Jahr. „Auch wenn wir nicht christlich sind, haben wir uns über die Jahre angepasst“, sagt der 21-jährige Ting Hin Wong, der in Deutschland aufgewachsen ist. Da an Weihnachten alle frei haben, nutzen er und seine Eltern Oi Tai und Man Fat die Feiertage, um sich mit der Familie zu treffen, sich auszutauschen und gemeinsam zu essen. „Manchmal gibt es chinesisches Essen wie Reis mit Fleisch, aber oft auch etwas Westliches“, sagt Ting Hin Wong. Meistens haben sie auch einen Weihnachtsbaum zu Hause und beschenken sich mit Verwandten und Freunden. „Wir genießen einfach das Beisammensein“, fügt der Student hinzu. Auch ihr Restaurant „Sun Kong“ haben sie weihnachtlich dekoriert.

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare