Fahrradhelm ist keine Pflicht, aber ein Muss

Ohne Helm kein Fahrradführerschein

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Polizeioberkommissar Andreas Reichart legt nicht nur Wert darauf, dass seine „Fahrrad-Fahrschüler“ Helme tragen, sondern auch auf die Verkehrssicherheit der Räder.Foto: Patricia Kutsch

Frankenberg - Die Kinder machen es vor: Wer mit dem Fahrrad fährt, sollte einen Helm tragen. Was die kleinsten Radler wissen, vergessen die älteren schnell wieder. Dabei kann der Fahrradhelm im Ernstfall vor schweren Verletzungen schützen.

„Wer keinen Helm aufhat, der darf nicht mitmachen“, sagt Polizeioberkommissar Andreas Reichart. In Deutschland gibt es keine Helmpflicht für Radfahrer (siehe Kasten), in der Jugendverkehrsschule der Polizei schon.

In der Grundschule machen die Kinder im Landkreis den „Fahrradführerschein“ in der Jugendverkehrsschule. Andreas Reichert übt zunächst mit den Viertklässlern auf dem Schulhof. Dort baut er mit Ampeln und Schildern einen Parcour auf und erklärt den jungen Radlern die Verkehrsregeln. Außerdem lernen sie schon den Schulterblick kennen und Handzeichen zu geben. Wenn die Kinder sicher auf dem Rad sind, dann geht es in den richtigen Straßenverkehr. An diesem Tag übt Reichart mit den Viertklässlern der Wiegand-Gerstenberg-Schule das Linksabbiegen auf der Straße. Ein junger Radler nach dem anderen darf aus einer Seitenstraße heraus nach links abbiegen. Reichart steht in der Kreuzung, hat das Verhalten der Kinder und die vorbeifahrenden Autos im Blick. „An den Schulterblick denken und Handzeichen geben“, ruft er machen Schülern zu. „Schön in der Mitte der Straße einordnen“, rät er. Auf die Straße dürfen die Kinder nur mit Helm - und einem verkehrssicheren Fahrrad. Die hat Reichart vorher überprüft und mit einem schicken Polizeiaufkleber versehen.

„Wir erklären den Kindern schon im Kindergarten, wie wichtig ein Helm ist“, sagt Verkehrserzieher Uwe Meier. Mit einem kleinen Helm für ein rohes Ei zeigen die Polizisten den Kindern, dass das Ei einen Unfall unbeschadet überlebt - ohne den Helm jedoch zerbricht. Die Kinder sehen dann schnell ein, wie wichtig ein Helm für sie ist. Damit die Kinder ihren Helm auch noch gerne tragen, rät der Polizist Reichart den Eltern, dass die Kleinen sich ihren Helm selbst aussuchen dürfen - damit sie ihn lieber aufziehen.

„Der Helm ist die Lebensversicherung des Radfahrers“, sagt Reichart. Er erklärt, dass 95 Prozent aller Radfahrer, die nach einem Unfall gestorben sind, mit Helm vermutlich überlebt hätten. „Trägt ein Fahrradfahrer bei einem Unfall einen Kopfschutz, kann ihn dieser vor Verletzungen wie schweren Schädel-Hirn-Traumata oder Verletzungen des Schädels mit Brüchen und Blutungen im Kopf schützen“, erklärt auch der Chefarzt der Chirurgischen Abteilung des Kreiskrankenhauses Frankenberg Dr. Oliver Schuppan.

Bei einem schweren Unfall kann der Radler bleibende Schäden davon tragen: „Je nachdem kann er nach dem Unfall an Gedächtnis- und Leistungsstörungen, einem schlechten Kurzzeitgedächtnis oder gar Gedächtnisverlust leiden. Im schlimmsten Fall wird der Patient danach zum Pflegefall.“ Schuppan selbst hält das Tragen eines Helms für wichtig - das müsse allerdings jeder Radler für sich selbst entscheiden.

Vor allem die erwachsenen Radfahrer entscheiden sich laut der Bundesanstalt für Straßenwesen gegen den Kopfschutz: Nur 15 Prozent aller Radler tragen einen Helm. Bei den Kindern bis zehn Jahren sind es noch 75 Prozent, während es bei Radfahrer zwischen 17 und 30 Jahren nur rund fünf Prozent sind. Mit zunehmendem Alter nimmt auch die Zahl der Helmträger wieder zu.

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