Strafe für Battenberger

Ohne Strafe unter Drogen auf der Straße

Frankenberg/Battenberg - Mit 1,65 Promille Atemalkohol, hohen Werten von Amphetaminen und geringen, doch nachweisbaren Marihuana-Rückständen im Blut haben Polizeibeamte zwei Tag vor Weihnachten 2013 einen Battenberger auf der Bundesstraße 253 angetroffen. Doch für den 25-Jährigen bleibt dieser Betäubungsmittelkonsum weitgehend folgenlos.

Mit einer nicht widerlegbaren Version der Ereignisse des Dezemberabends umging der Battenberger gestern möglicherweise ein scharfes Urteil vor dem Frankenberger Amtsgericht. Das Urteil lautete schließlich 80 Tagessätze zu je zwölf Euro - der Mann gilt damit nicht als vorbestraft.

Der genaue Ablauf des Abends ließ sich vor Gericht nicht mehr rekonstruieren. Wichtig für das Urteil war, dass seine Version so stichhaltig war, seine Aussagen zu den Berechnungen eines gerichtsmedizinischen Gutachters passten, dass nicht zu belegen war, dass der Angeklagte mit Alkohol und Drogen im Blut tatsächlich auch Auto gefahren ist. Gefunden wurde er nämlich mit leergefahrenem Tank am Straßenrand nahe Röddenau - schlafend.

Tank leer, dann getrunken

Seine Version: Er habe in Battenberg mit Freunden - „die Namen darf ich nicht sagen, die wollen das nicht“ - gefeiert. Er selbst habe dabei nichts getrunken. Schließlich habe ein Freund heim nach Frankenberg gewollt. „Da habe ich ihn gefahren, denn er wollte mir fünf Euro fürs Tanken geben“, sagte der Mann aus. Das Tanken jedoch habe er dann vergessen. Ohne Jacke, ohne Handy oder Portemonnaie sei der Wagen so auf der Bundesstraße 253 stehen geblieben.

„Ich hatte noch Alkohol im Wagen, also habe ich den konsumiert“, erklärte er trocken. Etwa drei bis vier Flaschen Bier und eine halbe Flasche Wodka habe er getrunken - um sich aufzuwärmen, bevor er nach Hause läuft. „Außerdem hatte ich von einer Party vom Wochenende davor noch eine Ecstasy im Handschuhfach“, erzählte er weiter. Auch die habe er genommen. „Dann bin ich eingeschlafen.“ Nachfrage der Staatsanwaltschaft: „Ich kenne mich nicht aus, aber: Putscht Ecstasy nicht auf?“ - der Angeklagte: „Ja, da war ich auch ziemlich überrascht.“

Schließlich sei er von einem Taxifahrer geweckt worden, der bereits die Polizei alarmiert gehabt habe. Den Beamten gegenüber will sich der Angeklagte kooperativ verhalten haben - erst als er feststellte, dass der im Streifenwagen „eingesperrt“ sei, habe er sie beschimpft. Das sahen die Beamten anders: Übereinstimmend berichteten drei Polizisten, dass der Angeklagte sich wild gewehrt habe: Schläge und Tritte habe es gehagelt, der Mann habe gespuckt und gepöbelt. Erst mit der Verstärkung aus einem zweiten Streifenwagen sei es gelungen, ihn zu fixieren und schließlich auf die Polizeistation zu bringen. „Da war er dann wieder ganz ruhig“, erklärte ein Beamter vor Gericht.

Gutachter stützt Angeklagten

Entscheidend war im Verfahren die Bewertung der Situation durch einen Gutachter der Rechtsmedizin in Gießen. Die maximal eingenommene Alkoholmenge - vier 0,5-Liter-Flaschen Bier, 350 Milliliter Wodka - hätte bei dem angesetzten Körpergewicht von 120 Kilogramm maximal 2,05 Promille verursacht. „Hat er aber nur drei Flaschen getrunken und war die Flasche Wodka nicht mehr wirklich halb voll, dann passen seine Angaben zu den festgestellten Werten“, sagte der Gutachter - nämlich 1,65 Promille Atemalkohol und 1,49 Promille Blutalkohol etwa 90 Minuten später.

Auch würden die plötzliche Aggressivität, gepaart mit schlagartiger Friedfertigkeit, für eine Enthemmung durch Alkohol und gesenkte Impulskontrolle durch Ecstasy sprechen. Der Wert an Marihuana-Abbauprodukten deute auf einen andauernen, in diesem Fall aber nicht akuten Konsum hin. Jedenfalls sei der Angeklagte in dieser Dezembernacht nur eingeschränkt schuldfähig gewesen.

So gab es schließlich einen Freispruch für das nicht nachweisbare Fahren unter Alkohol-und Drogeneinfluss. Die Schläge und Tritte sah Richterin Andrea Hülshorst als erwiesen an. Die Beleidigungen hatte er ohnehin gestanden, ebenso wie eine spätere Fahrt ohne Führerschein, während der er in Marburg geblitzt wurde. Da auch das Vorstrafenregister bislang leer war und der Mann versprach, mit einem Umzug nach Mainz sein Leben neu ordnen zu wollen, blieb es bei der geringen Strafe von 960 Euro.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare