"Wir für die Region" droht die Auflösung

Ohne Vorstand kein Verein

Frankenau - Kein weitere Märchenmarkt, keine Unterstützung der Stadt bei der Förderung des Tourismus, kein Regionalmarkt, keine Gewerbeschau, keine Sommerfeste: So sind die Aussichten für Frankenau, falls sich der Verein „Wir für die Region“ auflöst. Und das ist derzeit nicht unrealistisch.

Der Fortbestand des Vereins ist ernsthaft gefährdet. Die Vorstandsmitglieder, die in den vergangenen acht Jahren Zeit und Kraft investiert haben, finden keine Nachfolger.

Gabi Garthe ist als Leiterin der Sparte Tourismus zurückgetreten - für sie hat sich ebenso wenig ein Ersatzkandidat gefunden wie für Simone Kohl, die die Sparte „Bürger und Kultur“ geleitet hat. Wenn der Vorstand in einem halben Jahr keine Nachfolger gefunden hat, wird der gesamte Verein aufgelöst. „Das ist der Beschluss“, sagt Harald Schäfer, Spartenleiter „Gewerbe“.

Es hängt nicht nur an den beiden Posten. Denn im nächsten Jahr werden weitere wichtige Ämter frei: Harald Schäfer hat angekündigt, seine Abteilung nur noch ein weiteres Jahr zu leiten, ebenso wie Schriftführerin Julitta Wittke-Begere ihr Amt nach dieser Frist abgeben will.

Die Spartenleiter und Vorstandsmitglieder sind enttäuscht über die erfolglose Suche. Niemand aus den Reihen der etwa 130 Mitglieder hat sich bereiterklärt, einen Posten zu besetzen - besonders gern hätten die Vorstandsmitglieder junge Leute eingebunden, sagt Gabi Garthe. Gerade in die Sparte „Bürger und Kultur“ könne so frischer Wind gebracht werden.

„Wir für die Region“ leidet unter denselben gesellschaftlichen Entwicklungen wie viele andere Vereine: „Niemand hat Zeit, der Job geht vor“, sagt Harald Schäfer. „Es sind immer dieselben Leute, die mithelfen, und der Vorstand muss mit gutem Beispiel vorangehen und ist immer dabei“. Schäfer ist besonders über das fehlende Interesse der Frankenauer an den Aktionen des Vereins enttäuscht. Der Regionalmarkt etwa sei als Plattform für die Frankenauer Direktvermarkter gedacht gewesen. „Aber da war nur ganz dünnes Interesse.“ Stattdessen hätten sich Marktbeschicker aus der weiteren Umgebung angemeldet. „Dafür war der Regionalmarkt aber nicht gedacht“, betont Schäfer. Deshalb wurde er für dieses Jahr abgesagt.

Eine Zeitlang hatte der Verein den Ortsbeiräten jährlich eine Summe gespendet, um Projekte in den Dörfern zu fördern. Was mit dem Geld gemacht wurde, haben sie teilweise gar nicht erfahren, so dass sie im vergangenen Jahr erstmals ein einzelnes Projekt förderten - und auch für diese Aktion gab es nur eine einzige Bewerbung.

Dabei hat der Verein Erfolge aufzuweisen, darunter die Märchenmärkte. Doch dafür ist viel Zeit und Arbeit notwendig gewesen - und die möchte Gabi Garthe nicht mehr allein investieren müssen.

„Wir wollten in Frankenau etwas bewegen“, sagt Harald Schäfer rückblickend, „der Tourismus sollte ein Standbein sein“. Doch von den etwa 130 Mitgliedern sei extrem wenig Unterstützung zu spüren. Das zeigt sich auch aktuell: „Wir für die Region“ hat alle Betreiber von Ferienwohnungen und Pensionszimmer aufgerufen, ein Datenblatt auszufüllen und an den Verein zu senden, damit in den Schaukästen am Marktplatz eine Übersicht für Touristen aufgehängt werden kann. Die Rückläufe sind spärlich - obwohl die Aktion für die Mitglieder kostenlos ist.

„Es tut einem in der Seele weh“, sagt Harald Schäfer. „Wir waren anfangs total motiviert. Aber jetzt sind wir auf dem Boden der Tatsachen angekommen.“ Mit Frankenau gehe es bergab: „Das Feriendorf ist pleite, es gibt keine Post mehr in der Kernstadt und keinen Schlecker. Durch den Beitritt zum Schutzschirm des Landes steht auch kein Geld für Investitionen mehr bereit“, zählt er auf. Gerade an dieser Stelle hatte der Verein seine Aufgabe gesehen: Er wollte durch Veranstaltungen und Feste Einnahmen generieren, die für die Entwicklung der Stadt genutzt werden sollten. Doch aufgrund der mangelnden Unterstützung von Mitgliedern und Bürgern aus Frankenau und aus den Stadtteilen sei dieses Ziel nicht zu erreichen.

Sollte diese mangelnde Unterstützung in Unzufriedenheit begründet sein, müsse der Vorstand dies erfahren, sagt Julitta Wittke-Begere. „Wenn wir etwas anders machen sollen, müssen es uns die Leute sagen.“

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