Jochen Lehnert bringt CD heraus

Ohrenschmaus vom anderen Stern

Frankenberg - Zehn jazzige Kompositionen hat Jochen Lehnert auf einer CD zusammengestellt. Das Thema Essen zieht sich wie ein roter Faden durch die Titel.

„Alien Food“, Essen von einem anderen Planeten: So lautet der Name der neuen CD von Jochen Lehnert. Der Frankenberger Komponist ist derzeit dabei, sein riesiges musikalisches Archiv zu sortieren und stilistisch zu ordnen. In den Jahren 2005 bis 2008 war Lehnert hauptberuflich Auftragskomponist. In dieser Zeit hat sich ein großer Fundus an musikalischen Arrangements angehäuft. In seinem Archiv fanden sich auch die zehn jazzigen Stücke, die es nun auf das neue Album geschafft haben.

Beim Arrangieren der Lieder griff Lehnert hauptsächlich auf die technische Unterstützung des Computers zurück, doch auch reale Musiker halfen ihm, die Lieder einzuspielen. George Motoian ist am Altsaxophon zu hören, Martin Fischer übernahm bei zwei Stücken das Trompetenspiel und Michael Zilcher stand dem ehemaligen Keyboarder der „Backstrikers“ für weitere zwei Lieder mit seiner Gitarre zur Verfügung.

Den größten Teil der Arbeit erledigte Jochen Lehnert mit seinem Keyboard in seinem kleinen Tonstudio mit seinem Laptop und den zwei Abhörmonitoren. Mit diesen ist es ihm möglich, den Ton optimal zu mixen, da sie im Gegensatz zu den Boxen einer normalen Stereoanlage einen neutralen Klang wiedergeben. Mit einer Stereoanlage würde dieses analytische Abhören der Musik erst gar nicht funktionieren, da diese eher zur Wiedergabe von Höhen und Tiefen neigen, sagt Lehnert.

Das Keyboard ist das wichtigste Instrument, dennoch ist der Computer für die Arbeit unerlässlich. Das Keyboard könne zwar jedes Instrument wiedergeben, sagt der Komponist, jedoch sei es nicht möglich, beispielsweise den Ton zu regulieren. „Wenn ich eine Taste drücke, wird der Ton gespielt“, sagt Lehnert. Ein richtiger Saxophonist oder Trompetenspieler kann den Ton von selbst regulieren. Er kann leise beginnen und dann immer lauter werden. Um dies zu gewährleisten, benutzt Lehnert den Computer. „Der Computer ist wie Magie“, sagt Lehnert. Dennoch griff er auf die Unterstützung von realen Musikern zurück. Denn die Soli wollte er nicht dem Computer überlassen. Der Unterschied zwischen virtuellen und echten Bläsern sei bei Soloparts eher herauszuhören.

Als nicht ganz einfach erwies sich die Namensfindung für das fünfte Album des Frankenbergers. „Wie benennt man instrumentale Stücke?“, fragte er sich. Die Inspiration zum Titel „Alien Food“ kam durch ein Wochenende in Spanien: Vor einigen Jahren arbeitete Lehnert als Softwareentwickler. Im Zuge dieser Anstellung verbrachte er ein Fortbildungswochenende in Marbella. Da er als Hesse bis dato nur wenig Bezug zum Meer und seinen Bewohnern hatte, kamen ihm die Meeresfrüchte, die sich Tag für Tag im Buffet fanden, wie Essen von einem anderen Planeten vor. „Die hätten ungeschminkt in Star Wars mitspielen können“, sagt er. Daher kommt der Name „Alien Food“.

Das Essen zieht sich wie ein roter Faden durch die zehn Titel. So finden sich mit „Remnants of Yesterday“ Reste von gestern ebenso auf der CD wie „Skinny Froglegs“, also dünne Froschschenkel oder geschmolzener Käse im Titel „Melting the Cheese“.

Von der ersten Idee bis hin zur Fertigstellung arbeitete Lehnert rund eineinhalb Jahre am Album. Manche Lieder würden beim Komponieren nur so fließen und andere seien in ihrer Entwicklung sehr zäh, erzählt der Musiker. Als zähestes Stück auf „Alien Food“ gestaltete sich „Mush­rooms on Quicksilver“. Daran hat Lehnert rund sechs Wochen gearbeitet. Lehnert sieht zwar alle Songs als „seine Babys“ an - auch die, die etwas schwieriger waren. Seine Lieblingstitel auf dem Album sind jedoch die, deren Arrangement relativ schnell von der Hand gingen.

Sein großer Wunsch ist es, irgendwann von seiner Musik leben zu können. Mit dieser Absicht wagt sich Lehnert an neue Projekte. „Nach dem Release ist vor dem Release“, sagt er und verweist bereits auf das nächste Album, auf dem es etwas rockiger zugehen soll. Außerdem plant er, sich zukünftig mit Orchestermusik zu befassen. Während seiner Arbeit am Arrangement für die CD „Rock meets Classic“ habe er sehr viel über Orchestrierung gelernt.

Eine MP3-Kopie von „Alien Food“ ist bei allen gängigen Onlineplattformen erhältlich. Als CD gibt es das Album für zehn Euro in der „Handarbeitsstube Faust“ und bei „Am laufenden Meter“ in Frankenberg.

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