„Roter Blitz“ und die Liebe

Oldtimer: Daniel Ayora Escandell aus Burgwald fährt einen BMW E3 2500

Knallrote Power: Daniel Ayora Escandell fährt seit August 2019 diesen BMW E3 2500 (Baujahr 1976). Links im Bild seine Verlobte Britta Pauly. Die Geschichte des Paars ist eng mit diesem Oldtimer verknüpft.
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Knallrote Power: Daniel Ayora Escandell fährt seit August 2019 diesen BMW E3 2500 (Baujahr 1976). Links im Bild seine Verlobte Britta Pauly. Die Geschichte des Paars ist eng mit diesem Oldtimer verknüpft.

Das Thema Mobilität begeistert viele Menschen. Aber dazu zählen nicht nur moderne Fahrzeuge. Eine große Faszination üben Oldtimer aus. In unserer Serie „Faszination Oldtimer“ stellen wir Besitzer mit ihren Fahrzeugen vor.

Burgwald – Daniel Ayora Escandell hat eine Schwäche für knallrote Fahrzeuge. Für Feuerwehrfahrzeuge. Ist ja logisch, denn er gehört nicht nur den Burgwalder Brandschützern an, sondern ist auch deren Wehrführer. Seine Schwäche für diese markante Farbe findet sich auch in seinem privaten Umfeld. Er fährt einen knallroten Oldtimer, einen BMW E3 2500.

Die ins Auge stechende Farbgebung wird von Größe unterstützt: 4,70 Meter in der Länge misst das Fahrzeug, das im Jahr 1976 vom Band lief. „Als dieses Auto noch nicht mir gehörte und ich das erste Mal drin saß, wusste ich: Ich muss es unbedingt haben“, erinnert sich der heute 27-Jährige. „Der satte Sound des 180 PS starken Motors ist der helle Wahnsinn.“

Beim Antrieb muss man wissen, dass er von einem stärkeren BMW 3.0 stammt. Den Motor hatte der Vorbesitzer eingebaut. Es handelte sich um den früheren Kfz-Mechaniker Martin Pauly – Vater von Daniels heutiger Verlobter Britta Pauly. Bevor die beiden aber die Liebe füreinander entdeckten und ein Paar wurden, fuhr der neue Besitzer schon einige Monate mit dem knallroten BMW im Raum Burgwald umher. Ihre Geschichte ist eng mit diesem Oldtimer verknüpft:

Martin Pauly war im Jahr 2017 gestorben. Besagter BMW war seit 1982 im Familienbesitz. Da viele Erinnerungen mit dem Wagen verbunden waren, auch zahlreiche Urlaubsfahrten, und der Tod des Ehemanns und Vaters schmerzte, sollte der Oldtimer verkauft werden.

Herzblut und Sachverstand

Davon bekam Daniel Ayora Escandell Wind: „Ich war schon länger auf der Suche nach solch einem Wagen. Neben seiner Power finde ich auch die Form faszinierend. Diese alten Autos haben noch Charakter und Stil. Außerdem habe ich eine Schwäche für deren mechanische Technik. Ich schraube gerne.“

Lange Rede, kurzer Sinn: Er kaufte den 2500er. Das war im August 2019. Seinerzeit waren Britta und er noch kein Paar. Sie kannten sich zwar auch durch die Mitgliedschaft in der Feuerwehr, mehr war aber nicht. Noch.

Ein knappes Jahr später schließlich entflammte die Liebe zwischen den beiden. Sie wurden ein Paar. Einziges Manko: Der BMW war damit quasi wieder in den Schoß der Familie Pauly zurückgekehrt. Und die wollte ihn ja eigentlich nicht mehr.

„Am Anfang war es ein merkwürdiges Gefühl, sich in den BMW zu setzen“, erinnert sich Britta Pauly. Das legte sich aber rasch. Die Liebe dominierte – und mündete in die Verlobung vor wenigen Wochen. Jetzt freut sie sich, dass – auch wenn der Wagen verkauft wurde – der Oldtimer ihrem Partner gehört: „Mit dem Auto sind für mich viele schöne Kindheitserinnerungen verbunden. Es ist eine feine Sache, dass wir ihn weiterhin haben. Ich fahre gerne mit Daniel in dem Wagen.“

Das wiederum freut den leidenschaftlichen Bastler, der mit viel Herzblut und Sachverstand den Wagen restauriert. Denn: Der Vorbesitzer hatte wenig Interesse an Verchromung, viele Teile wurden abmontiert oder in Schwarz und Rot umlackiert. Alles Geschmackssache eben.

Der satte Sound des Motors ist der helle Wahnsinn.

Daniel Ayora Escandell

„Alles, was einmal verchromt war, soll wieder verchromt werden“, schildert der 27-Jährige, der bei Viessmann als Elektrotechniker in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung arbeitet.

Zum Teil ist diese Rückverchromung schon geschehen. Die Suche nach Schwellerleisten oder C-Säulen-Leisten in Chrom allerdings gestaltet sich schwierig, weil selten: „Vielleicht kennt ja jemand jemanden, der jemanden kennt...“, hofft Daniel darauf, fündig zu werden. Auch wenn er versucht, den Ursprungszustand des Wagens wieder herzustellen, lässt er zwei Bereiche so, wie sie jetzt sind: Vom Werk her war der BMW E3 2500 grün lackiert. Der Vorbesitzer hatte dem Wagen die knallrote Farbe verpasst. „Die bleibt auch, denn sie passt sehr gut.“ Und der Motor wird auch nicht ausgetauscht.

Grundsätzlich ist Daniel Ayora Escandell dem Vater seiner Verlobten Britta sehr dankbar, dass dieser den BMW über die vielen Jahre so gut gepflegt hatte: „Der Wagen hat keinen Rost, keine Bläschen im Lack – und der Unterboden ist wie neu.“

Der „rote Blitz“ könnte 210 km/h Spitze fahren – wenn der Fahrer will. Das will er nicht unbedingt: „Ich habe bei meinen Fahrten durch die Region gemerkt, wie mich dieses Auto entschleunigt, wenn es mit geringem Tempo dahingleitet. Tempo 80 auf der Rennertehäuser Geraden tut auch mal richtig gut.“

Zur zeitgemäßen Optik eines Oldtimers gehört auch ein zeitgemäßes Radio. Ein Onkel von Britta hat Daniel jüngst ein stilgerechtes Becker-Radio geschenkt. Wenn es eingebaut und der Wagen fertig restauriert ist, will er einmal an einer offiziellen Oldtimer-Rundfahrt durch unsere Region teilnehmen: „Das mache ich dann auch für Brittas Vater, denn er hatte früher nie an solchen Veranstaltungen teilnehmen können. Dann schaut er vielleicht aus dem Himmel zu und freut sich sehr.“ (Klaus Jungheim)

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